Mindestlohn 12 Euro | Martin Brandt/undgestaltung

Studie zum Mindestlohn Millionen verdienen weniger als 12 Euro

Stand: 28.10.2021 14:20 Uhr

8,6 Millionen Beschäftigte verdienen einer Studie zufolge weniger als die zwölf Euro pro Stunde, die SPD, Grüne und FDP als künftigen Mindestlohn planen. Vor allem Frauen würden von der Anhebung profitieren.

Eine Studie des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass es durch eine Anhebung des Mindestlohns auf 12,00 Euro zu deutlichen Lohnsteigerungen vor allem bei nicht tarifgebundenen Beschäftigten kommen würde. Diese seien rund dreimal so häufig von Löhnen unter 12,00 Euro brutto pro Stunde betroffen wie Beschäftigte, die nach Tarif bezahlt würden.

Demnach würden rund 8,6 Millionen Beschäftigte von einer Erhöhung profitieren, etwa zwei Drittel davon sind Frauen. Laut dem zwölfseitigen Sondierungspapier haben sich die möglichen Partner der Ampel-Koalition bereits darauf geeignet, dass der Mindestlohn im Falle einer gemeinsamen Regierungsbildung auf 12,00 Euro pro Stunde steigen solle.

Gesundheitswesen stark betroffen

Löhne unter zwölf Euro kamen bislang am häufigsten im Einzelhandel, dem Gesundheitswesen, der Gebäudebetreuung, der Gastronomie und dem Sozialwesen vor. Nach Berufen waren unter anderem Fachkräfte in Gastronomie und Hauswirtschaft, Verkäuferinnen und Verkäufer, medizinische Fachangestellte, Köche oder Berufskraftfahrende stark betroffen. Hinzu kommen Hilfskräfte in Reinigung, Hauswirtschaft, Küchen und Logistik.

Der WSI-Analyse zufolge handelt es sich bei der großen Mehrheit der Arbeitsverhältnisse, in denen der höhere Mindestlohn direkt zu einer Lohnanhebung führen würde, um den Hauptjob der jeweiligen Beschäftigten. Das gilt im laufenden Jahr für 7,3 Millionen Menschen. Weitere etwa 1,3 Millionen Arbeitsverhältnisse aus diesem Lohnsegment seien Nebentätigkeiten. Von den Hauptjobs wiederum seien rund drei Millionen Vollzeit- und knapp 4,3 Millionen Teilzeitstellen.

Positiver Effekt auf Staatseinnahmen?

Eine Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro würde in der Gesamtgruppe der nach Tarifvertrag bezahlten Beschäftigten eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 1,0 Prozent bewirken. Unter den Beschäftigten ohne Tarif fiele das Plus hingegen mit 4,1 Prozent deutlich größer aus. Dies zeige, dass der höhere Mindestlohn "keinen tiefen Eingriff in die Tarifautonomie" darstelle, sagte WSI-Arbeitsmarktexperte Toralf Pusch. Er wäre "vor allem eine wirksame Stütze zur Stabilisierung der Löhne von Beschäftigten ohne Tarifvertrag".

Eine vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) geförderte Studie ergab kürzlich, dass eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre. Langfristig würde die Wirtschaftsleistung um etwa 50 Milliarden Euro im Jahr steigen. Die Staatseinnahmen erhöhten sich demnach um rund 20 Milliarden Euro jährlich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. September 2021 um 19:05 Uhr.