Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. | ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX

Mehr Geld für Sewing & Co. Milliardenboni bei der Deutschen Bank

Stand: 12.03.2021 14:34 Uhr

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank erstmal seit 2014 wieder einen Gewinn gemacht. Das machte sich sich für viele Mitarbeiter durch höhere Boni bezahlt. Der Vorstand übt sich dagegen in Verzicht.

Der erste Nettogewinn der Deutschen Bank seit 2014 hat angenehme Folgen für die Mitarbeiter. Die Prämien- und Bonuszahlungen, auch variable Vergütung genannt, für die Beschäftigten steige 2020 um 29 Prozent auf insgesamt 1,9 Milliarden Euro, teilte der DAX-Konzern mit. Im Jahr 2019 hatte die Bank einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro gemacht. Im vergangenen Jahr blieben unter dem Strich immerhin 113 Millionen Euro hängen.  

"Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr trägt einerseits den deutlich besseren Finanzergebnissen und den erreichten Zielen Rechnung, andererseits dem Bestreben, Leistungsträger zu halten und gleichzeitig eine starke Kapitalbasis aufrechtzuerhalten ", lautet die Begründung.    

Insgesamt belief sich die Gesamtvergütung für die Mitarbeiter der Deutschen Bank wie 2019 auf 10,1 Milliarden Euro. Wie das Management mitteilt, gingen die Grundgehälter aufgrund des Stellenabbaus dabei um sechs Prozent auf 7,5 Milliarden Euro zurück. Da die Zahl der Vollzeitstellen bei der Deutschen Bank im abgelaufenen Jahr um 2938 auf 84.659 sank, verteilten sich die Boni auf weniger Mitarbeiter.

Von Moltke sticht Sewing aus

Die Vorstände der Bank erhielten insgesamt 50 Millionen Euro. 2019 waren es noch 36 Millionen. Dabei gilt es aber zu berücksichtigen, dass sich die Zahl der Vorstände im Jahresdurchschnitt von acht auf zehn Mitglieder erhöht hat. Vorstandschef Christian Sewing und seine Kollegen hätten noch Anspruch auf zusätzliche 4,6 Millionen Euro gehabt. Wegen der gesamtwirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie wurden aber bestimmte Gehaltskomponenten verringert.

Sewings Vergütung legte 2020 um fast die Hälfte auf 7,4 Millionen Euro zu. Tatsächlich auf dem Konto gelandet ist aber bei Finanzchef James von Moltke am meisten: Ihm flossen inklusive ausgezahlter Langfrist-Boni für die vergangenen Jahre 4,53 Millionen nach 5,19 Millionen im Jahr 2019 zu.

An Sewing wurden 4,29 Millionen Euro ausbezahlt. Im Jahr 2019 waren es noch 4,41 Millionen. Fast die Hälfte der variablen Vergütung für das Jahr 2020 wird erst in den kommenden Jahren ausgezahlt, teilte das Unternehmen mit.

Zum Vergleich: Der Chef der US-Bank Morgan Stanley, James Gorman, hat im vergangenen Jahr rund 33 Millionen Dollar verdient. Der Boss von JPMorgan, Jamie Dimon, erhielt 31,5 Millionen Dollar Vergütung. Der Nettogewinn seiner Bank lag 2020 bei 29,1 Milliarden Dollar. Das ist mehr als die Deutsche Bank an der Börse wert ist.     

Mehr Einkommensmillionäre

Die höheren Boni sorgten auch für einen Anstieg der Einkommensmillionäre. 2020 verdienten 684 Banker mehr als eine Million Euro, im Jahr davor waren es noch 583 Mitarbeiter. Der bestbezahlte Mitarbeiter erhielt zwischen zehn und elf Millionen Euro, also mehr als der Vorstandschef.

Die Gewerkschaft ver.di kritisierte die Bonuserhöhung. "Es passt überhaupt nicht zusammen, dass für die Spitzenverdiener der Deutschen Bank, wie die Investmentbanker, die Vergütung erhöht wird, während es für die Beschäftigten, die am unteren Ende des Gehaltsgefüges stehen, fast nichts geben soll", sagte ver.di-Vertreter Jan Duscheck, der im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Seit Wochen streiken Callcenter-Mitarbeiter der Bank für eine Lohnerhöhung und ein 13. Monatsgehalt.

Eine Dividende an die Aktionäre zahlt die Deutsche Bank wie schon im Jahr 2019 nicht aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2021 um 14:00 Uhr.