Arbeiter gießen flüssiges Eisen in der Eisengießerei Torgelow in vorbereitete Formen. | dpa

Corona-Prämie und Sonderzahlungen Pilotabschluss für Metaller

Stand: 30.03.2021 07:55 Uhr

Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie und die IG Metall haben für Nordrhein-Westfalen eine Corona-Prämie sowie jährliche Sonderzahlungen vereinbart. Die Einigung gilt als Pilotabschluss.

Die Einigung nach wochenlangem Ringen der Tarifparteien wurde am Morgen bekanntgegeben: Danach erhalten die rund 700.000 Metall-Beschäftigten in NRW zunächst im Juni eine einmalige Corona-Beihilfe von 500 Euro. Außerdem vereinbarten die Tarifpartner zwei Einmalzahlungen in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatseinkommens im Februar 2022 und in Höhe von 27,6 Prozent eines Monatsentgelts ab Februar 2023.

Der Tarifvertrag gilt rückwirkend zum 1. Januar 2021 und hat eine Laufzeit von 21 Monaten. IG-Metall-Vorstand und Gesamtmetall empfahlen die Übernahme des Pilotabschlusses von Nordrhein-Westfalen auch für die übrigen Tarifgebiete.

Arbeitszeitverkürzung ohne Gehaltsverlust

Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, bezeichnete die Einigung als "richtungsweisendes Ergebnis". Mit dem Abschluss bestehe die Möglichkeit, "eine Arbeitszeitverkürzung bei Beschäftigungsproblemen ohne wesentlichen Entgeltverlust zu finanzieren, wenn die Betriebsparteien sich darauf im Rahmen einer freiwilligen Betriebsvereinbarung verständigen". Das Geld aus der Einmalzahlung und aus anderen Tarifelementen könnte dazu verwendet werden, die Arbeitszeit auf eine Vier-Tage-Woche zu verkürzen.

Auch die Arbeitgeberseite zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen, Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete den Tarif-Kompromiss als "ein von Fairness, Vernunft und Weitsicht geprägtes Ergebnis in einer außergewöhnlich schwierigen Wirtschaftslage". Für die Unternehmen sei wichtig, dass sie "wie schon im Jahr 2020 auch im Jahr 2021 keine Erhöhung der Tabellenentgelte verkraften müssen". Zudem sei mit der IG Metall für das laufende Jahr erstmals ein automatisch wirksamer Entlastungsmechanismus für krisenbetroffene Betriebe vereinbart worden.

Arbeitgeber fordern Entlastungsmechanismus

Die IG Metall hatte für die mitarbeiterstärkste deutsche Industrie vier Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert und hat dies mit einer Welle von Warnstreiks in den vergangenen Wochen unterstrichen. Das Volumen solle wahlweise für höhere Löhne genutzt werden oder für einen teilweisen Lohnausgleich bei verkürzter Arbeitszeit, die in der Corona-Krise Jobs sichern könnte. Die Metall-Arbeitgeber hatten immer wieder betont, dass es wegen der Corona-Krise wenig Spielraum für Lohnerhöhungen gebe. Sie forderten zudem die Einführung eines automatisch wirkenden tariflichen Entlastungsmechanismus für von der Krise besonders betroffene Betriebe.

Ein weiterer Baustein des Verhandlungsergebnisses ist laut Gewerkschaft ein Tarifvertrag "Zukunft, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung". Er schaffe einen Rahmen für firmenbezogene Verbandstarifverträge zur Gestaltung der Transformation in der Metall- und Elektroindustrie. Kirchhoff sagte, dieser Tarifabschluss biete den Firmen "einen unbürokratischen und einfach umsetzbaren" tariflichen Rahmen für betriebliche Regelungen zur Beschäftigungssicherung und die Begleitung von Transformationsprozessen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. März 2021 um 09:00 Uhr.