Mark Zuckerberg | AFP

Facebook-Schock an der Börse Wie konnte das passieren?

Stand: 04.02.2022 05:45 Uhr

Ein Viertel des Börsenwerts an einem Tag futsch. Für Meta stellt sich nun die Frage: Geht es wieder rauf oder ist dies der Anfang vom Ende? Chef Zuckerberg versucht, cool zu bleiben. Erste Beschäftigte machen sich aber Sorgen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Das soziale Netzwerk Meta, früher Facebook, hat am Donnerstag 251 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Das ist mehr als ein Viertel seines ursprünglichen Werts. Für die Mitarbeitenden des ansonsten erfolgsverwöhnten Silicon Valley Unternehmens ist das ein Schock. Viele befürchten, es könnte der Anfang einer Abwärtsspirale sein. Das soziale Netzwerk hat im vergangenen Quartal rund eine Million täglicher Nutzerinnen und Nutzer verloren.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Als Mark Zuckerberg am Donnerstag in einem virtuellen Meeting zu seinen Mitarbeitenden spricht, sind seine Augen rot und Tränen überströmt. Sollte er anfangen zu weinen, dann aber nicht wegen der Nachrichten von der Börse, scherzt der 37-Jährige, dessen Privatvermögen durch den Aktien-Wumms um 31 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen ist. Er habe sich an der Hornhaut verletzt, erklärt Zuckerberg.

Kopfzerbrechen vor allem wegen TikTok

Der Konzern sei einem noch nie dagewesenen Wettbewerb ausgesetzt, sagt Zuckerberg laut einer Person, die anonym bleiben will. Kopfzerbrechen bereitet vor allem die chinesische Videoplattform TikTok, die in direktem Wettbewerb zu Metas Foto-Angebot Instagram steht.

Zuckerberg fordert seine Mitarbeitenden auf, jetzt Gas zu geben bei der Instagram-Funktion Reels, die es unter anderem Namen auch bei TikTok gibt. Dahinter verbergen sich kurze Videos, die meist mit Musik unterlegt sind und zum Dauer-Schauen animieren sollen.

Mitarbeitende sorgen sich um eigene Zukunft

Einige Mitarbeitende des Unternehmens machen sich an diesem Tag auch Sorgen, um die eigene Zukunft. Wie bei den Tech-Unternehmen üblich, bekommen die Angestellten einen Teil ihres Gehalts und der in wenigen Wochen fälligen Jahresprämien in Aktien-Optionen ausbezahlt. Sollte die Meta-Aktie in den kommenden Wochen weiter nachgeben, dürfte sich manch einer überlegen, das Unternehmen zu verlassen, bevor es zu spät sein könnte.

Dass es mit Facebook nach unten geht, hat sich schon im Spätsommer abgezeichnet. Die Lage ist aber nun dramatischer geworden, weil das Netzwerk fast schon so etwas wie eingekesselt ist.

Apple aus dem benachbarten Cupertino soll daran einen gewissen Anteil haben. Der iPhone-Hersteller fragt seit April auf seinem Telefon ab, ob man das Tracking, also das Verfolgen der Nutzungsgewohnheiten erlaubt. Viele Smartphone-Besitzer lehnen das offenbar ab.

Deshalb komme Facebook an deutlich weniger Daten heran, die es brauche, um zielgenaue Werbung für seine Mitglieder einzublenden, behauptet Meta Finanzchef David Wehner. Er spricht von einem Einnahmeverlust von gut zehn Milliarden Dollar. Brian Wieser, vom Analyseunternehmen GroupM sieht Apple hier nicht als Verursacher. Gegenüber dem Wall Street Journal sagt er, er sei skeptisch, was die Führungsriege von Meta behaupte. Das digitale Anzeigengeschäft sei nach wie vor gesund. Bestes Beispiel sei das gute Ergebnis der Google-Muttergesellschaft Alphabet.

Ein wohl satter Markt und eine riskante Wette

Für Unruhe sorgt aber auch, dass das Unternehmen mit seinen drei großen Apps Facebook, Instagram und WhatsApp in einigen Märkten eine Sättigung erreicht hat. Zum ersten Mal in seiner 18-jährigen Geschichte stagniert das Nutzerwachstum vor allem bei der Kern-App Facebook. Offenbar, so äußerten sich einige Analysten, verliert das Netzwerk auch an Relevanz unter jungen Leuten. Das wäre eigentlich noch schlimmer.

Kein Wunder, dass Mark Zuckerberg schon seit Monaten versucht, sein von ihm mitgegründetes Unternehmen auf ein mögliches Metaversum einzuschwören, das er für die nächste Generation des Internets hält. Allein zehn Milliarden Dollar hat er dafür im vergangenen ausgegeben, nochmal 20 Milliarden sollen es in diesem Jahr werden. Zuckerberg geht hier eine große und riskante Wette ein, die sich, wenn sie denn überhaupt Realität wird, erst in fünf bis zehn Jahren auszahlen dürfte.

So benötigen die virtuellen Räume und Welten extrem hohe Internet-Bandbreiten, um ein flüssiges Erlebnis via VR-Brille zu garantieren. Genau diesen Faktor kann Meta aber nicht beeinflussen. Dafür sind die Telekom-Firmen zuständig. Zudem sind die nicht sehr schicken VR-Brillen, die Meta mit seiner Firma Oculus herstellt, bislang kein großer Erfolg. Sie fristen eher ein Nischendasein, selbst wenn Apple zum Jahresende wohl eigene VR- und AR-Brille verkaufen sollte und damit den Markt spannender machen könnte.

Im Auge von Politik und Justiz

Negative Rahmenbedingungen erfährt Meta auch durch die Politik. Der US-Kongress bereitet schärfere Kartellgesetze vor. Zuckerberg beteuert zwar immer, dass sein Unternehmen kein Monopol bilde und verweist auf den Wettbewerb mit TikTok oder Google. Letztlich dürfte es Meta aber nahezu unmöglich sein, in den kommenden Jahren andere Unternehmen aufzukaufen. Sogar Zukäufe wie von Giphy stehen plötzlich auf der Fragezeichen-Liste der US-Wettbewerbshüter.

Die Probleme mit Washington hören aber nicht auf. Gegen Meta laufen mehrere Ermittlungsverfahren. Generalstaatsanwälte und Handelskommission FTC untersuchen, ob das Unternehmen wettbewerbswidrig gehandelt hat.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 04. Februar 2022 um 09:32 Uhr.