Angela Merkel | dpa

Weniger Emissionen Merkel drängt Luftfahrt zu Innovationen

Stand: 18.06.2021 20:35 Uhr

"So schnell wie möglich": Kanzlerin Merkel hat auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz Tempo bei Innovationen gefordert. Der Flugverkehr müsse schleunigst emissionsärmer werden. Die Branche hofft indes auf das Sommergeschäft.

Die Luftfahrtbranche und die Politik wollen "grünes" Fliegen in Deutschland mit staatlicher Förderung vorantreiben. Nach der Pandemie müssten alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen an den Klimazielen ausgerichtet werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Berlin. "Wie für andere Branchen ist Klimaneutralität ein sehr ehrgeiziges Ziel für die Luftfahrt", so Merkel. Dafür müsse es Innovationen etwa bei Antrieb und Infrastruktur geben - "und das nicht irgendwann, sondern so schnell wie möglich". Denn die Produktzyklen in der Luftfahrt seien sehr lang.

Emissionsfreies Fliegen

Neben dem Neustart der von der Corona-Krise schwer gebeutelten Branche war vor allem der Weg der Luftfahrt zu emissionsfreiem Fliegen Schwerpunkt des Branchengipfels am Hauptstadtflughafen BER. Die Airlines setzen auf die Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe sowie neue sparsamere Flugzeuge bis hin zu Elektroflugzeugen. Vertreter der Branchenverbände BDL, BDLI sowie von den Branchengrößen Airbus und Lufthansa wiederholten, dies sei eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft und Politik - und deshalb seien öffentliche Gelder zum Anschub von Innovationen nötig.

Die Bundesregierung steckt bereits Milliarden an Fördergeldern in die Entwicklung emissionsfreien Kerosins und saubere Flugzeugtechnik. "Derzeit lassen Preise und Menge noch zu wünschen übrig", sagte Merkel mit Blick auf emissionsärmere Kraftstoffe. Hier müsse man zu wettbewerbsfähigen Konditionen kommen. Mit einer umfassenden Förderung könne auch der Markthochlauf alternativer Kraftstoffe auf Strombasis gelingen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte, synthetische Alternativen zum Kerosin seien heute etwa fünf Mal teurer als fossiler Treibstoff, das PtL-Kerosin koste sogar das Zehnfache. "Das kann sich keine Airline leisten."

Kein Wettbewerbsnachteil

Wichtig bei den im Juli von der EU erwarteten neuen Klimavorschriften für die europäische Luftfahrt ist der Bundesregierung, dass durch strengere Klimaschutzregeln kein Wettbewerbsnachteil gegenüber Airlines im Ausland mit geringeren Standards entsteht. Merkel warnte, hier dürfe es keine Verzerrungen im Konkurrenzkampf geben und auch keine Doppelbelastungen.

Die Luftfahrt in Europa nimmt schon seit 2012 am CO2-Emissionshandel (ETS) teil, auf globaler Ebene soll das CO2-Kompensationssystem Corsia eingeführt werden. "ETS plus Corsia geht nicht", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Corsia sei das richtige Instrument. Das hält die EU-Kommission aber für das schwächere System.

Lufthansa will Corona-Hilfen zurückzahlen

Die Lufthansa war durch den Einbruch der Passagierflüge in der Corona-Krise in Existenznot geraten und musste mit einem Finanzrahmen von neun Milliarden Euro von Deutschland und den Sitzländern ihrer Tochter-Airlines gestützt werden. Auf Deutschland entfielen insgesamt 6,8 Milliarden Euro des staatlichen Rettungspakets für die Lufthansa. Das Unternehmen kündigte nun an, die staatlichen Mittel schon bald zurückzahlen zu wollen.

"Wir waren eines der ersten Unternehmen, das von der Bundesregierung gerettet wurde. Wir wollen auch eines der ersten Unternehmen sein, das die Rettungsmittel zurückzahlt - hoffentlich noch vor der Bundestagswahl", sagte Vorstandschef Spohr. Die Bundesregierung, die neben Krediten und stiller Beteiligung mit der Rettungsaktion zum größten Lufthansa-Aktionär wurde, wolle "möglichst bald" einen Rückzug des Staates, erklärte Scheuer. Die Airline müsse durch die Hilfe schnellstens wieder auf die Erfolgsspur zurück. "Und der Staat muss da raus", betonte der Minister.

Branche hofft auf Sommergeschäft

Nach der Durststrecke in der Corona-Krise setzt die Luftfahrt auf eine Erholung im Sommergeschäft. Neue Virus-Mutationen könnten nach Ansicht des Luftfahrtbeauftragten der Bundesregierung den lang erhofften Neustart aber bremsen. "Zurzeit ist großer Optimismus da, und die Buchungen gehen durch die Decke", sagte der Luft- und Raumfahrtkoordinator Thomas Jarzombek der Nachrichtenagentur Reuters. Aber alles hänge von der Infektionslage ab. "Als ungewisse Komponente gibt es natürlich jetzt die Delta-Variante." Man sehe in Großbritannien, dass dies Öffnungen nach dem Lockdown verzögert habe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juni 2021 um 20:00 Uhr.