Mate Rimac | AFP

Autobauer Mate Rimac Von 0 auf 400 km/h in 33 Sekunden

Stand: 21.07.2021 13:34 Uhr

Der kroatische Tüftler und Unternehmer Mate Rimac hat von VW und Porsche die Verantwortung für die Luxusmarke Bugatti übernommen. Wer ist der Mann, der vom Balkan aus die Autowelt aufmischt?

Von Nikolaus Neumaier, ARD-Studio Wien 

Unter Automanagern und Fans von superschnellen Sportwagen ist der Kroate Mate Rimac schon lange ein Begriff. Doch jetzt ist er auch so etwas wie eine touristische Attraktion in Kroatien selbst. Seit Rimac vor kurzem die Verantwortung für die Edelmarke "Bugatti" bekommen hat, wirbt die staatliche kroatische Tourismuswerbung mit dem Autobauer und seinen Sportwagen "Made in Croatia". Das Urlaubsland Kroatien ist mehr als stolz auf Mate Rimac. Der Vergleich zu Tesla-Chef Elon Musk fällt oft. Ein großer Teil der Kroaten steht hinter Rimac, und sein neuestes Projekt "Robot-Taxi", bei dem es um den Bau eines Parks mit 60 autonom fahrenden Taxis geht, beflügelt vor allem die Zagreber. In der Hauptstadt träumen sie davon, die weltweit erste Stadt mit selbstfahrenden Taxis zu werden.

Nikolaus Neumaier ARD-Studio Wien

Flucht nach Deutschland, Bestimmung in Kroatien 

Dabei sieht es zunächst gar nicht nach einer derartigen Karriere aus. Der im bosnischen Bergstädtchen Livno geborene Mate flüchtet im Jugoslawien-Krieg mit seinen Eltern nach Frankfurt am Main. Als Jugendlicher zieht er mit der Familie dann nach Kroatien in die Stadt Samobor. Der Vater gründet ein Bauunternehmen.

Der junge Mate spricht schlecht Kroatisch. Seine Schulleistungen sind nicht gerade berauschend. Doch er hat einen Förderer, einen Lehrer, und dieser erkennt offenbar das wahre Talent seines Schülers. Er motiviert Mate zur Teilnahme an einem Elektrowettbewerb - und Mate gewinnt.

Motor aus dem Gabelstapler

Damit öffnet sich der Weg für seine wahre Bestimmung: den Bau schneller E-Autos. Danach geht es Schlag auf Schlag. Mit 18 Jahren kauft sich Mate Rimac einen alten 3er-BMW, Baujahr 1984. Weil er Rennen fahren will und der altersschwache Benzinmotor den Geist aufgibt, baut Mate seinem ersten Wagen den Elektromotor eines Gabelstaplers ein. Drei Jahre später, 2009, folgt die Gründung der eigenen Firma "Rimac Automobili". Nebenbei studiert Mate Unternehmensführung.

2011 stellt der 23-Jährige auf der Automobilausstellung in Frankfurt seinen ersten, ausschließlich elektrogetriebenen Sportwagen vor. 2018 präsentiert er auf dem Automobilsalon in Genf einen 1914 PS starken Renner. Jetzt bringt der Autobauer aus Kroatien den 1912 PS starken und 400 km/h schnellen Sportwagen "Nevera" in Kleinserie auf den Markt. Pro Jahr werden 150 Stück gefertigt. Der Preis pro Fahrzeug liegt bei zwei Millionen Euro.

Tüftler mit Lust an der Geschwindigkeit 

Mate Rimac gilt als Tüftler, der vor allem Lust an schnellen Autos hat. Er selbst fährt einen hochmotorisierten Verbrenner aus bayerischer Produktion. Seine Vorliebe für Elektroantriebe begründet er mit der damit verbundenen Fahrfreude. Vorhaltungen, dass die Autos nicht zum Klimawandel passen, entgegnet er damit, dass man lieber auf Fleisch verzichten solle. Rimac ist Veganer aus Überzeugung. Zu seinem neuen geplanten Firmensitz in der Nähe von Zagreb wird auch ein Biobauernhof gehören. 

Dass seit langem Autokonzerne und Investoren nach Zagreb kommen, hängt mit dem enormen Fachwissen von Rimac auf dem Gebiet der Elektromobilität zusammen. "Rimac Automobilli" liefert Komponenten an Sportwagenhersteller. Die Entwicklung dort ist deutlich günstiger als an den traditionellen Automobilstandorten, und Rimac ist schnell. Für Porsche entwickelte das Unternehmen innerhalb von nur drei Wochen einen Elektromotor, der 30 Prozent mehr Reichweite schafft, und überzeugte damit auch die Ingenieure in Schwaben.

Aufstieg in die Oberliga

Jetzt übernimmt Mate Rimac die künftigen Minderheitseigner VW beziehungsweise Porsche die Führung der Nobelmarke Bugatti. Von Experten wird das als logische Entwicklung gesehen - und auch als "Win-win-Situation". Der große Mutterkonzern gibt Verantwortung und damit wohl auch Balast ab, und der junge Autobauer aus Kroatien steigt in die Oberliga auf. Rimac wird 55 Prozent des neuen Gemeinschaftsunternehmens halten. Er beschäftigt inzwischen 1000 Mitarbeitende und plant gerade den Bau des neuen Firmensitzes, zu dem auch ein Museum und ein Hotel gehören sollen. Hier sollen bald bis zu 2000 Mitarbeitende beschäftigt sein.

Die Elektro-Bugattis für äußerst betuchte Kunden, die drei bis fünf Millionen Euro für ein Fahrzeug auszugeben bereit sind, werden aber wie bisher in Molsheim im französischen Elsass gefertigt. Intern haben Rimac und VW/Porsche ihrem Gemeinschaftsprojekt den Namen "Rush" ("Eile"), gegeben. Ein durchaus zutreffender Begriff für einen, der vor allem schnell unterwegs sein will.