Ein Containerschiff der Reederei Moeller-Maersk | REUTERS

Hohe Transportkosten Goldene Zeiten für Reeder

Stand: 02.11.2021 16:02 Uhr

Gestörte Lieferketten bringen der Containerschifffahrt Rekordgewinne. Die weltgrößte Reederei Maersk hat in drei Monaten so viel Geld verdient wie noch nie. Auch beim deutschen Rivalen Hapag-Lloyd läuft das Geschäft so gut wie selten zuvor.

Die Reederei Maersk öffnete heute ihre Bücher, um die Zahlen des vergangenen dritten Quartals vorzustellen - die Lektüre hat den Investoren gefallen: Maersk spricht von Rekordzahlen, sowohl für das dritte Quartal als auch für den Neunmonatszeitraum.

Der Logistikkonzern hat dank einer sehr hohen Nachfrage und rekordhoher Frachtraten im dritten Quartal so viel Geld verdient wie noch nie in einem solchen Zeitraum. Unter dem Strich lag der Gewinn bei rund 5,45 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatte er noch bei 1,12 Milliarden Dollar gelegen.

Den Umsatz steigerte die weltgrößte Reederei um 68 Prozent auf 16,6 Milliarden Dollar. Bereits im zweiten Quartal hatte das dänische Unternehmen mit Sitz in Kopenhagen unter dem Strich einen Gewinn von 3,7 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das war mehr als der gesamte Gewinn des Jahres 2020.

Milliardengewinn auch bei Hapag-Lloyd

"In der anhaltend außergewöhnlichen Marktsituation mit hoher Nachfrage in den USA und weltweiten Unterbrechungen der Lieferketten haben wir unsere Kapazitäten weiter erhöht und unser Angebot erweitert, um die Fracht unserer Kunden zu transportieren", sagte Maersk-Konzernchef Søren Skouin.

Der Konkurrent Hapag-Lloyd hatte gestern vorläufige Zahlen für das dritte Quartal präsentiert und berichtet ebenfalls über enormes Ergebniswachstum: Das Betriebsergebnis verzehnfachte sich gegenüber dem schwachen Corona-Jahr 2020 fast auf 2,9 Milliarden Euro, wie Hapag-Lloyd mitteilte. Die endgültigen Zahlen für die ersten neun Monate will Deutschlands größte Containerreederei am 12. November veröffentlichen.

Hohe Nachfrage, knappe Kapazitäten

Grund für die massiven Gewinnsprünge während der Corona-Pandemie bei den Reedereien ist eine deutlich gestiegene Nachfrage bei gleichzeitig knappen Transportkapazitäten, die durch pandemiebedingte Einschränkungen zusätzlich noch geringer ausfallen als üblich. Das treibt die Frachtraten - also die Preise, die für die Transporte verlangt werden können - auf ein Rekordniveau.

Vor einigen Wochen hatte sich dazu Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen geäußert: Er hoffe trotz märchenhafter Gewinne für die Container-Reedereien auf eine baldige Normalisierung des Geschäfts. "Jetzt ist es eigentlich zu extrem", sagte Habben im September der dpa.

Zwar seien die Frachtraten während der Schifffahrtskrise der vergangenen Jahre viel zu niedrig gewesen. Dass jetzt aber gleich Tausende Dollar für den Transport eines Containers aufgerufen würden, sei zu viel. "So starke Schwankungen sind schlecht fürs Geschäft. Die braucht eigentlich niemand", so der Vorstandschef.

 

Aktienrückkauf geplant

Ob das kommende Jahr ebenso erfolgreich für die Reedereien verlaufen wird, ist unklar. Im kommenden Jahr dürfte die Marktknappheit an Container-Schiffen schrittweise nachlassen, urteilt Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler.

Sein Kollege von der Deutschen Bank, Analyst Andy Chu, rechnet hingegen auch für 2022 mit einem hervorragenden Jahr für die Branche. Nach dem Rekordjahr 2021 werde das Geschäft nochmals deutlich besser laufen, so Chu. Die durchschnittlichen Frachtraten könnten sowohl bei Maersk als auch bei Hapag-Lloyd im Jahresvergleich um fast ein Drittel anziehen.

Die Reederei Maersk transportiert einen von fünf verschifften Containern weltweit. Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 80.000 Mitarbeiter. Künftig soll auch das Geschäft in der Luft gestärkt werden. Maersk gab bekannt, den Hamburger Spediteur Senator International, dessen größtes Geschäft die Luftfracht ist, zusammen mit zwei Boeing-Flugzeugen für einen Unternehmenswert von rund 644 Millionen Dollar zu kaufen.

Zudem teilte das Management mit, dass das bestehende Aktienrückkaufprogramm um weitere fünf Milliarden Dollar in den Jahren 2024 und 2025 erweitert werden soll.