Flugzeuge auf einem Rollfeld am Frankfurter Flughafen

Konzern in der Krise Lufthansa ruft weitere Staatshilfen ab

Stand: 05.08.2021 11:31 Uhr

Das Geschäft der Lufthansa belebt sich zusehends, doch Europas größte Fluggesellschaft steckt weiter tief in den roten Zahlen. Der Konzern musste deswegen weitere 1,5 Milliarden Euro Staatshilfen in Anspruch nehmen.

Die Deutsche Lufthansa hat ihren Verlust dank der schrittweisen Belebung des Reiseverkehrs im Frühjahr spürbar verringern können. Der Verlust im zweiten Quartal fiel mit 756 Millionen Euro nur noch etwa halb so hoch aus wie vor einem Jahr, als die Corona-Krise den Luftverkehr weitgehend zum Erliegen brachte. Für das erste Halbjahr steht damit ein Verlust von 1,8 Milliarden Euro in den Büchern, nach 3,6 Milliarden ein Jahr zuvor.

Dabei musste die größte deutsche Fluggesellschaft im abgelaufenen Quartal weitere 1,5 Milliarden Euro an Staatshilfen in Anspruch nehmen, in Form einer Stillen Beteiligung des Bundes.

Staatshilfen bei insgesamt vier Milliarden Euro

Damit nutzt die Lufthansa nun vier Milliarden der von vier Staaten angebotenen neun Milliarden Euro. Im Einzelnen hat der Bund, zu kleineren Anteilen auch Österreich, Belgien und die Schweiz, der Lufthansa Stille Einlagen von bis zu 5,7 Milliarden Euro und einen staatlich abgesicherten Kredit von bis zu drei Milliarden Euro bereitgestellt. Außerdem flossen im Rahmen einer direkten Beteiligung in Höhe von 20 Prozent 300 Millionen Euro an die Fluggesellschaft. Auch die Stillen Einlagen werden zum Eigenkapital gezählt, was die Bilanz der Lufthansa entlastet und eine Aufnahme von Fremdkapital erleichtert.

Anders als im Fall der Commerzbank hat der Bund bei diesem Rettungseinsatz deutlich vorsichtiger agiert, und die Chancen stehen gut, dass der Steuerzahler sogar als Gewinner aus der Luftfahrtkrise hervorgehen könnte. So hat der Bund für seine direkte Beteiligung lediglich 2,50 Euro pro Lufthansa-Aktie bezahlt - der Markt billigt dem Papier derzeit einen Wert von rund neun Euro zu.

Für die Lufthansa sind diese Kredite teurer als die derzeitigen Konditionen am Kapitalmarkt. Außerdem hat sich der Bund für seine Beteiligung gewisse Mitbestimmungsrechte gesichert. Beides ist Antrieb für das Management, die Staatsmittel so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Auch der Bund hat keine langfristigen Absichten und will seine Beteiligung möglichst vor Ablauf des von der EU-Kommission genannten Zeitrahmens von sechs Jahren beenden.

Bald 50 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht

Angesichts der jüngsten Belebung hofft das Lufthansa-Management, die staatlichen Hilfen in wenigen Monaten, möglicherweise sogar noch vor der Bundestagswahl am 26. September ablösen zu können. Dafür bereitet die Lufthansa insbesondere eine Kapitalerhöhung vor.

Im laufenden dritten Quartal soll das Flugangebot auf etwa 50 Prozent des Vorkrisenniveaus steigen, nachdem es im zweiten Quartal erst 29 Prozent erreicht hatte. Im Schnitt des Gesamtjahres dürfte die angebotene Kapazität aber weiterhin nur etwa 40 Prozent des Vor-Corona-Jahres 2019 betragen. Für das Gesamtjahr rechnet Vorstandschef Carsten Spohr weiterhin damit, dass die Lufthansa ihren bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) im Vergleich zum vergangenen Jahr verringern kann.

Zehntausende Jobs weniger

Spohr lobte die Anstrengungen seiner Mitarbeiter, die Kosten in allen Bereichen deutlich zu senken - und ging auf den weitreichenden Stellenabbau im Konzern ein. "Dass uns dabei bislang über 30.000 Kolleginnen und Kollegen verlassen haben, schmerzt uns alle, ist aber für die nachhaltige Rettung der über 100.000 verbliebenen Arbeitsplätze unausweichlich", sagte der Lufthansa-Chef.

Entscheidend für den weiteren Geschäftsverlauf ist aus Sicht der Lufthansa vor allem die Öffnung des nordamerikanischen Marktes. Bislang gilt für EU-Bürger ein Einreiseverbot in die USA.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. August 2021 um 07:35 Uhr.