Die Worte "Lufthansa" und "cancelled" sind  an einer Anzeigetafel am Flughafen zu lesen.  | dpa

Drohender Pilotenstreik Lufthansa will Angebot nachbessern

Stand: 06.09.2022 10:26 Uhr

Die Piloten der Lufthansa lassen im festgefahrenen Tarifkonflikt die Muskeln spielen: Nachdem sie für morgen mit einem neuen Streik gedroht haben, erklärte sich die Airline zu neuen Verhandlungen bereit und will das Angebot nachbessern.

Vor der Drohkulisse einer zweiten Streikwelle nehmen die Lufthansa und die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) noch einen weiteren Anlauf zur Lösung des Tarifkonflikts. Man treffe sich am Vormittag zu Verhandlungen, bestätigten beide Seiten. Die Gewerkschaft hatte in der Nacht eine zweite Streikwelle ab Mittwoch angekündigt, die nur noch durch ein "ernstzunehmendes Angebot" seitens der Lufthansa verhindert werden könne.

Die Lufthansa erklärte sich nicht nur zu Gesprächen bereit, sondern kündigte auch ein verbessertes Tarifangebot für die Pilotinnen und Piloten an. Man werde dies bei den heutigen Gesprächen unterbreiten. Personalvorstand Michael Niggemann nannte es aber auch bedauerlich, dass der Tarifkonflikt trotz eines vereinbarten Verhandlungstermins weiter eskaliert. "Wir werden trotzdem alles daran setzen, auch unter Zeitdruck mit einem verbesserten Angebot zum Erfolg zu kommen."

Bis spätestens 12 Uhr müsse entschieden werden, ob für die angedrohten Streiktage ab morgen Flüge gestrichen werden. Dies sei sowohl für die Flugzeug- und Crew-Disposition als auch für einen zumindest minimalen Vorlauf für die betroffenen Fluggäste notwendig. Im Falle eines Streiks sei erneut mit erheblichen Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Lufthansa zu rechnen, so die Airline.

Streik könnte bereits morgen beginnen

Die Gewerkschaft hatte für den Fall von gescheiterten Gesprächen angekündigt, dass die Abflüge der Lufthansa-Passagiermaschinen aus Deutschland am Mittwoch und Donnerstag bestreikt werden. Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo ist der Streik nur für den Mittwoch geplant. Bei der ersten Streikwelle am vergangenen Freitag hatte die Lufthansa das gesamte Programm ihrer Kern-Airline abgesagt. Mehr als 800 Flüge mit 130.000 betroffenen Passagieren fielen aus und das Unternehmen erlitt nach eigener Aussage einen wirtschaftlichen Schaden von 32 Millionen Euro.

Aus rechtlichen Gründen kann Cockpit nur Arbeitnehmer in Deutschland zum Arbeitskampf aufrufen. Bestreikt werden daher ausschließlich die Abflüge der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie der Lufthansa Cargo von deutschen Flughäfen. Die Tochtergesellschaften Eurowings, Lufthansa Cityline und Eurowings Discover sind von dem Arbeitskampf nicht betroffen.

Cockpit ändert Forderung nach Inflationsausgleich

Vor dem Arbeitsgericht München hat die Gewerkschaft ihre Tarifforderung in einem Detail abgeändert. Weil auch die Richter rechtliche Bedenken gegen einen automatisierten Inflationsausgleich ab dem kommenden Jahr äußerten, wird nun ein "pauschaler" Inflationsausgleich in Höhe von 8,2 Prozent verlangt. Im laufenden Jahr sollen die Gehälter um 5,5 Prozent steigen. Dazu kämen eine neue Gehaltstabelle sowie mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Training.

Lufthansa: Mehrkosten von 900 Millionen Euro

Laut Lufthansa würden die zusammengefassten Forderungen die Personalkosten für die Piloten um 40 Prozent erhöhen. Dies sei selbst ohne Rücksicht auf die finanziellen Folgen der Corona-Krise außerhalb des Vertretbaren. Auf eine Laufzeit von zwei Jahren würde das eine Mehrbelastung von 900 Millionen Euro bedeuten, hieß es bei der Lufthansa.

Erst im Juli hatte die Gewerkschaft ver.di mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der größten deutschen Airline für einen ganzen Tag nahezu lahmgelegt. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo will im Herbst für ihre Mitglieder verhandeln. Sie erklärte sich "ausdrücklich und uneingeschränkt solidarisch" mit dem Streik der Piloten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2022 um 08:00 Uhr sowie Deutschlandfunk um 11:00 Uhr.