Flugzeuge der Lufthansa stehen auf dem Flughafen | AFP

Chaos an Airports Lufthansa fährt Flugangebot langsamer hoch

Stand: 04.08.2022 10:55 Uhr

Erstmals seit Pandemiebeginn schafft die Lufthansa wieder einen Quartalsgewinn. Doch die anhaltende Personalnot belastet das Geschäft. Der Konzern kann das Ticketangebot nicht so stark erhöhen wie geplant.

Trotz guter Zahlen und einer weiterhin hohen Ticketnachfrage baut die Lufthansa den Flugbetrieb im Sommer langsamer aus als zuvor geplant. Grund dafür ist die Personalknappheit, die den Betrieb an Flughäfen und bei den Airlines aktuell stark einschränkt.

Von Juni bis September, also im dritten Quartal, seien bei den Passagier-Airlines des Konzerns 80 Prozent der Kapazität aus dem Vorkrisenjahr 2019 geplant, teilte die Lufthansa heute mit. Im zweiten Quartal waren es noch 74 Prozent. Bislang waren für das dritte Quartal 85 Prozent des Niveaus vor der Corona-Krise angepeilt. Im gesamten Jahr soll die Auslastung weiterhin 75 Prozent betragen.

Tausende Flüge gestrichen

Allein die Kernmarke Lufthansa musste schon mehr als 7000 Flüge streichen. Auch andere große Fluggesellschaften wie Air France-KLM und IAG dampften ihre Pläne für das Sommerquartal um fünf Prozentpunkte ein auf 80 bis 85 Prozent, bezogen auf sämtliche Passagierflüge.

Ein Warnstreik der Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit über die Löhne der rund 20.000 Bodenbeschäftigten der Lufthansa führte zu mehr als 1000 Ausfällen. Das sorgt seit Juni für Ärger bei vielen Reisenden, die nach zwei Jahren Pandemie wieder ins Ausland reisen wollen, und mit teils erheblichen Verspätungen ans Ziel kommen.

Konzern zurück in den schwarzen Zahlen

Das aktuelle Reisechaos hat der deutschen Fluggesellschaft finanziell aber nicht geschadet. Zwar sorgte es einerseits für Entschädigungszahlungen in Höhe von 158 Millionen Euro an Kunden. Andererseits stiegen bei höherer Auslastung die Durchschnittserlöse, ein Indikator für die Ticketpreise, um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Sie lagen sogar zehn Prozent über Vorkrisenniveau.

Im zweiten Quartal ist der Konzern erstmals nach der Pandemie wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Unter dem Strich verdiente der MDAX-Konzern 259 Millionen Euro nach einem Verlust von 756 Millionen Euro noch ein Jahr zuvor. Dabei rettete vor allem die Fracht-Tochter Lufthansa Cargo das Gesamtergebnis der Lufthansa dank starker Nachfrage im Logistikgeschäft. Denn bis auf die Schweizer Tochter Swiss schrieben alle Passagier-Airlines der Lufthansa im zweiten Quartal Verlust. Die Lufttransporte profitieren auch weiterhin von den massiven Störungen der Seefracht.

Der Umsatz des Konzerns stieg auf 8,5 Milliarden Euro - das war gut zweieinhalb mal so viel noch im Vorjahreszeitraum. Die Airline rechnet nun für das Gesamtjahr 2022 mit einem bereinigten operativen Gewinn von mehr als einer halben Milliarde Euro.

5000 neue Beschäftigte

Das erste Halbjahr sei für Fluggäste und Mitarbeiter herausfordernd gewesen, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr: "Weltweit geriet die Airline-Industrie an ihre operativen Grenzen." Dennoch schaue das Management optimistisch in die Zukunft. Vor einigen Wochen hatte sich Spohr dafür entschuldigt, an der ein oder anderen Stelle zu viel gespart zu haben. In der Corona-Krise, die den Flugverkehr einbrechen ließ, hatte die Airline-Gruppe die Zahl der Mitarbeiter von rund 139.000 weltweit auf gut 100.000 reduziert.

"Neben der erreichten Rückkehr in die Profitabilität haben nun Top-Produkte für unsere Kunden und Perspektiven für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder höchste Priorität", erklärte der Lufthansa-Chef. Der Konzern plant nun Tausende Neueinstellungen. Im zweiten Halbjahr sollen rund 5000 Beschäftigte angeheuert werden - in Cockpit, Kabine und am Boden. Im kommenden Jahr sollen es noch mal so viele werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2022 um 07:35 Uhr.