Ein Airbus der Lufthansa startet am Frankfurter Flughafen über anderen Passagiermaschinen der Airline.  | dpa

Zu viele Piloten krank Lufthansa streicht Flüge über Weihnachten

Stand: 23.12.2021 13:24 Uhr

Wegen zahlreicher erkrankter Piloten hat die Lufthansa mehrere Flugverbindungen über die Feiertage gestrichen. Hinzu kommen Quarantänepflichten. Andere Airlines leiden ebenfalls unter Personalmangel.

Weil sich bei der Lufthansa etliche Piloten krankgemeldet haben, fallen über die Weihnachtstage einige Interkontinentalflüge aus. Dabei gehe es vom 23. bis 26. Dezember vor allem um Verbindungen über den Nordatlantik etwa nach Boston, Houston und Washington, wie ein Sprecher der größten deutschen Fluggesellschaft sagte. Insgesamt müssten sechs Langstreckenverbindungen in die USA bis Sonntag gestrichen werden. In diesem Verkehrsgebiet könnten die Passagiere am leichtesten umgebucht werden. Auch ein Hin- und Rückflug nach Japan wurde abgesagt.

"Wir haben mit einem sehr großen Puffer geplant. Der reicht aber für die extrem hohe Krankenquote nicht aus", erklärte der Sprecher. Über einen Zusammenhang mit der Corona-Variante Omikron wolle er nicht spekulieren, da das Unternehmen nicht über die Art der Erkrankungen informiert werde. Zuerst hatte das Portal "aero.de" über die Personalengpässe berichtet, die nur zum Teil durch spontan eingesprungene Piloten aufgefangen werden können.

Suche nach Ersatz

Betroffen ist die Teilflotte der Langstreckenflugzeuge Airbus A330/A340, für die dringend nach Ersatzpiloten für die Zeit bis Anfang Januar gesucht wird. Laut "aero.de" warnt das Unternehmen in einem internen Rundschreiben: "Nun sehen wir uns aufgrund erhöhter Krankheitsquoten nicht mehr in der Lage, alle Umläufe zu bereedern. Die Crewdisposition arbeitet bereits an Szenarien zur Ausdünnung des Flugplans." Neben den Krankmeldungen erschweren demnach auch Quarantänepflichten nach bestimmten Flügen die Personalplanung.

Erst vor kurzem hatte Europas größte Fluggesellschaft erklärt, in der Corona-Krise die bestehenden Notfallkonzepte verfeinert und flexibler gestaltet zu haben. Man habe immer Reserven im Hintergrund, hatte ein Konzernsprecher mit Blick auf die Omikron-Variante gesagt.

Mit der Personalnot steht die Lufthansa nicht alleine da. Auch die skandinavische Fluggesellschaft SAS hatte gestern bekannt gegeben, dass sie wegen ungewöhnlich vieler Krankmeldungen und wegen der Corona-Quarantänevorschriften Flüge streichen musste. Am Dienstag waren demnach 30 von rund 600 Verbindungen täglich betroffen.

Pilotenmangel auch in den USA

In den USA kämpfen die Fluggesellschaften ebenfalls mit einem Mangel an Piloten. United Airlines teilte kürzlich mit, dass 100 Flugzeuge am Boden bleiben müssten, weil das Personal dafür fehle. 44 Strecken würden ab Washington eingestellt, hieß es gestern. Weil in der Corona-Krise die Reisenachfrage einbrach und mit einer vollständigen Erholung in der Luftfahrt erst frühestens 2025 gerechnet wird, hatten viele Airlines Piloten entlassen, vorübergehend freigestellt oder frühpensioniert.

Auch die Lufthansa will die Flotte dauerhaft von 760 auf 650 Flugzeuge verkleinern. Daher sind viele Personalfragen noch ungeklärt. Zuletzt kündigte die Airline eine Vereinbarung mit der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) über eine Flottengröße von mindestens 325 Flugzeugen an. Schon seit Monaten laufen harte Verhandlungen um die künftige Kostenstruktur bei der Stammgesellschaft. Diese soll zugunsten kostengünstigerer Plattformen wie der Ferienflugmarke Eurowings Discover schrumpfen, womit der Konzern hoch bezahlte Arbeitsplätze bei der Lufthansa einsparen würde.

Bis Ende März gelten für die Piloten noch Kurzarbeitsregelungen. Für die Zeit danach hat Lufthansa aber Entlassungen für den Fall angekündigt, dass nicht andere Modelle etwa über Teilzeit gefunden werden. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr müssen aufgrund der Pandemie bis zu 1000 Vollzeitstellen eingespart werden. Auch die Gewerkschaft erklärte, dass sie ihrerseits den Gehaltstarifvertrag zum 30. Juni 2022 gekündigt hat. Ab dem Sommer sind somit theoretisch wieder Streiks möglich.

Branche hofft auf 2022

In Europa ist der Weihnachtsflugverkehr derweil voll angelaufen. Insbesondere die Gesellschaften Easyjet - mit einem Plus von 41 Prozent im Vergleich zur Vorvorwoche - und Wizz Air (plus 75 Prozent) bauten ihr Angebot in der letzten Adventswoche deutlich aus, wie aus Zahlen der europäischen Luftfahrtbehörde Eurocontrol hervorgeht. Wizz, SAS und Ryanair boten auch mehr Verbindungen an als in der gleichen Woche des Vorkrisenjahres 2019. Davon ist die Lufthansa mit 21 Prozent weniger Flügen als vor zwei Jahren weit entfernt. Kurzfristig baute sie ihr Programm nur um ein Prozent aus. Dabei bremst auch Omikron die Reiselust.

Für das kommende Jahr setzt die Branche allerdings auf eine Lockerung der Corona-Reiserestriktionen und damit stark steigende Passagierzahlen. Die Reisebereitschaft der Menschen sei unverändert hoch, erklärte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), Ralph Beisel, am Dienstag. "Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage von Privat- und Geschäftsreisenden weiter steigt, sobald die Reisebeschränkungen fallen." Im zu Ende gehenden Jahr hätten sich die Erwartungen an eine Erholung nicht alle erfüllt. Die Flughäfen zählten weniger als 80 Millionen Fluggäste, rund ein Drittel des Vorkrisenniveaus von 2019.

Auch europaweit konnten sich die Airlines noch nicht weit aus dem Tief herausarbeiten: Nach Eurocontrol-Daten belief sich die Zahl der Flüge (Passagiere und Fracht) auf 56 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Die Lufthansa und ihre Schwester-Airlines schneiden dabei mit einem Minus von 60 Prozent und mehr im Vergleich zu 2019 noch einmal schwächer ab als viele Konkurrenten. Für den Sommer kalkuliert der Konzern vorsichtig mit einer Kapazität von 80 Prozent im Sommer und 70 Prozent im Gesamtjahr.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Dezember 2021 um 15:04 Uhr.