Carsten Spohr | dpa

Lufthansa in der Krise Der nächste Milliardenverlust

Stand: 29.04.2021 11:25 Uhr

Der staatlich gestützten Lufthansa hilft in der Corona-Krise das Frachtgeschäft, doch die Verluste des Konzerns sind immer noch enorm. Vorstandschef Spohr verbreitet trotzdem Optimismus.

Zum Jahresbeginn ist es der Lufthansa gelungen, den coronabedingten Verlust immerhin zu begrenzen. In den Monaten von Januar bis März reduzierte die Fluglinie den Verlust um 60 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Das erste Quartal des Vorjahres hatte das Unternehmen noch mit einem Minus von 2,12 Milliarden abgeschlossen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet zwar weiterhin eine stark steigende Nachfrage ab dem Sommer. "Ermutigende Signale, wie die Ankündigung der EU-Kommission, geimpften Fluggästen aus den USA die Einreise nach Europa wieder zu ermöglichen, bestätigen unsere Zuversicht", erklärte Spohr. Je länger die Krise dauert, desto größer werde die Sehnsucht der Menschen wieder zu reisen.

Prognose wieder zurückhaltender

Auf der anderen Seite kippte der Konzern aber seine Prognose, wonach er im Gesamtjahr bis zu 50 Prozent seiner Jahreskapazität von 2019 werde fliegen können. Nun werden bei einer starken Konzentration auf touristische Ziele noch etwa 40 Prozent erwartet.

Bis 2024 prognostiziert die Lufthansa eine Angebotskapazität von 90 bis 95 Prozent, wobei sich die Nachfrage nach Ferienflügen stärker erholt als die nach Geschäftsreisen. Im ersten Quartal hatten Lufthansa und die übrigen Konzernmarken nur 21 Prozent ihres 2019er-Angebots geflogen und mit 3 Millionen Fluggästen nur ein Zehntel der damaligen Passagierzahl erreicht.

Analysten äußern sich zurückhaltend zu den Aussichten der Gesamtbranche. Die Ratingagentur Moody's erklärte, die Sommerreise-Saison werde in Europa erst ab Mitte August Fahrt aufnehmen. Dafür müsse sich das Impftempo aber deutlich beschleunigen.

"Das Risiko wächst, dass die lang erwartete Erholung sich auf 2022 verschiebt", erklärte Bernstein Research. In diesem Jahr werde keine Fluggesellschaft wieder schwarze Zahlen schreiben.

Erfolgreiche Frachtsparte

Dass die Lufthansa von der Gewinnzone nicht noch weiter entfernt ist, hat sie der erfolgreichen Frachtsparte zu verdanken. Lufthansa Cargo erreichte mit einem operativen Rekordergebnis von 314 Millionen Euro wieder die Gewinnzone. Die Lufthansa Technik konnte von einem erstarkten Wartungsgeschäft in den USA und Asien profitieren und lieferte ein operatives Ergebnis von 16 Millionen Euro ab.

Außerdem versucht das Management durch Stellenabbau, Kurzarbeit und stillgelegte Jets Kosten einzusparen. Mittlerweile beschäftigt der Konzern mit rund 111.000 Mitarbeitern fast ein Fünftel weniger als noch im Vorjahr.

Flüssige Mittel reichen für 2021

Der monatliche Mittelabfluss wurde deshalb auf durchschnittlich 235 Millionen Euro begrenzt. Zeitweise war er mehr als doppelt so hoch. Im zweiten Quartal soll er weiter sinken auf 200 Millionen Euro. Der Konzern könnte so mit seiner Liquidität in diesem Jahr auskommen, will sich auf der Hauptversammlung kommende Woche aber die Option auf bis zu 5,5 Milliarden Euro Kapitalerhöhung genehmigen lassen.

Der Verlust sei geringer als angenommen, kommentierte Goldman-Sachs-Analyst Patrick Creuset. Das sei vor allem einem guten Frachtgeschäft zu verdanken. Aber auch bei den Kosten habe sich die Fluggesellschaft besser geschlagen als erwartet.