Logo der Fluggesellschaft Lufthansa auf einer wehenden Fahne | AFP

Fluglinie in der Krise Lufthansa will Staatseinfluss loswerden

Stand: 15.06.2021 09:45 Uhr

Die größte deutsche Airline will sich am Kapitalmarkt zusätzliches Geld für ihre Neuausrichtung beschaffen. Damit versucht der Konzern, möglichst schnell die Einflussmöglichkeiten des Bundes zu verringern.

Die Lufthansa hat ihre geplante Kapitalerhöhung in die Wege geleitet. Der Luftfahrtkonzern hat laut einer Pflichtmitteilung vom gestrigen Abend vier Banken mit der Durchführung der Maßnahme mandatiert. Allerdings haben laut der Mitteilung "Vorstand und Aufsichtsrat noch keine Entscheidung über Umfang und Zeitpunkt einer möglichen Kapitalerhöhung getroffen". Dabei beschaffen sich Unternehmen Kapital über die Ausgabe von zusätzlichen Aktien; die Anteile der Altaktionäre werden somit verwässert.

Damit setzt das Unternehmen die auf der Hauptversammlung im Mai erhaltene Zustimmung der Aktionäre nun um. Bis zu 5,5 Milliarden Euro an frischem Kapital darf die Airline am Kapitalmarkt aufnehmen. Medienberichten zufolge will das Management zunächst aber nur rund drei Milliarden Euro mobilisieren, um den Konzernumbau voranzutreiben.

Milliardenschweres Rettungspaket

Auch den staatlichen Einfluss will die Lufthansa über die Kapitalerhöhung wieder verringern. Die Lufthansa war durch die Corona-Krise in Existenznot geraten und musste mit einem Finanzrahmen von neun Milliarden Euro von Deutschland und ihren anderen Standorten gestützt werden. Auf Deutschland entfielen insgesamt 6,8 Milliarden Euro des staatlichen Rettungspakets für die Lufthansa.

Von den zugesicherten Mitteln hat die Airline-Gruppe aber nur rund zwei Milliarden Euro in Anspruch genommen. Die Hälfte davon wurde mit dem Geld aus neuen Anleihen schon wieder getilgt, sodass die Lufthansa dem Staat derzeit rund eine Milliarde Euro schuldet. Eine Kapitalerhöhung im Volumen von drei Milliarden Euro würde es dem Unternehmen damit ermöglichen, diese Summe schon früher als bisher geplant zurückzuzahlen. Der Staat müsste dann sein Aktienpaket, für das er rund 300 Millionen Euro zahlte, bald verkaufen.

Konzern will Kosten drastisch senken

Mit dem Rückzug der staatlichen Beteiligung hätte die Lufthansa wieder mehr Spielräume. Denn im Gegenzug die für staatliche Hilfe muss sich das Unternehmen an verschiedene Auflagen halten: etwa ein Verbot, Dividende an Aktionäre zu zahlen oder Zinsen an Anleihebesitzer auszuschütten. Auch Bonuszahlungen an Führungskräfte sind bislang nicht möglich. Bisher war geplant, die Staatshilfe erst 2023 zu tilgen.

Auch drastische Kosteneinsparungen sind wohl ohne den staatlichen Einfluss leichter umzusetzen. Nach früheren Angaben will die Lufthansa etwa die Beschäftigtenzahl in Deutschland um weitere 10.000 auf dann noch 100.000 senken. Dazu will die Lufthansa Tarifstandards senken, Arbeitnehmer zum freiwilligen Ausscheiden bewegen, aber auch betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Die Gewerkschaften hatten in der Corona-Krise bereits Zugeständnisse gemacht, zuletzt der Lufthansa aber Tarifflucht vorgeworfen.

Zustimmung des staatlichen Fonds steht noch aus

Der mit 20 Prozent an der Lufthansa beteiligte staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes will voraussichtlich bei der Kapitalerhöhung mitziehen - allerdings ohne dafür zusätzliches Geld des Steuerzahlers auszugeben. Der WSF müsse dem Plan noch zustimmen, erklärte die Lufthansa dazu. Der Corona-Finanzhilfefonds wolle sich mit einer sogenannten "Operation Blanche" an der Kapitalerhöhung beteiligen. Dabei verkauft ein Aktionär einen Teil seiner Bezugsrechte für die neuen Aktien, um mit der Einnahme daraus die verbliebenen Bezugsrechte auszuüben. Für diese Transaktion werden also keine zusätzlichen Steuermittel benötigt.

Der MDAX-Unternehmen hat am Abend auch ein neues Gewinnziel für 2024 verkündet. Bis dahin soll die Luftfahrt nach Expertenschätzungen das Vorkrisenniveau wieder erreichen. Die bereinigte operative Marge, also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz, soll dann mindestens acht Prozent erreichen, die Kapitalrendite bei mindestens zehn Prozent liegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juni 2021 um 07:35 Uhr.