Lufthansa-Maschinen parken auf einer geschlossenen Landebahn am Flughafen Frankfurt im März 2020. | AP

Corona-Flaute Lufthansa nutzt Landebahn als Parkplatz

Stand: 17.12.2020 19:05 Uhr

Die Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen wird in der Corona-Flaute erneut als Parkplatz für Flugzeuge genutzt. Lufthansa stellt dort Großraumflugzeuge ab - trotz offenbar hoher Gebühren.

Anders als im März parkt die Lufthansa dieses Mal Großraumflugzeuge auf der Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen, wie Sprecher der Fluggesellschaft und des Flughafenbetreibers Fraport bestätigten. Im Frühjahr waren auf der jüngsten Frankfurter Piste vor allem kleinere Mittelstreckenjets vom Typ Airbus A320 abgestellt.

Nach Angaben der Lufthansa stehen derzeit sechs Boeing-Jumbos vom Typ 747-8 und ein Airbus A340-300 auf der Bahn. Insgesamt könne man dort bis zu zehn Großraumflugzeuge parken, sagte ein Sprecher. Man brauche die Nähe zu den Wartungseinrichtungen in Frankfurt.

Streit über Parkgebühren

Dabei lagen die beiden Unternehmen zuletzt im Clinch. Ursprünglich hatte Lufthansa die hohen Parkgebühren der Fraport kritisiert. Der Konzern habe mit den Betreibern seiner Drehkreuze München, Zürich, Wien und Brüssel Vereinbarungen für ein Wiederhochfahren des Geschäfts erzielt.

"In Frankfurt führten nicht einmal die Verhandlungen über Gebühren für geparkte Flugzeuge zu einem marktüblichen Kompromiss, sodass wir jetzt weitere, nicht benötigte Flugzeuge zum Parken ausfliegen", hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch am Freitag gegenüber der "Wirtschaftswoche" betont. Nun haben sich die Konzerne offenbar doch geeinigt.

Passagierzahlen im November rasant gefallen

Trotz einer Belebung rund um die Weihnachtstage herrscht am größten deutschen Flughafen weiterhin Corona-Flaute. Wegen des geringen Flugverkehrs wurde die Landebahn Nordwest am Montag bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr aus dem System genommen.

Die übrigen drei Frankfurter Bahnen bleiben im Betrieb. Geschlossen sind auch das Passagier-Terminal 2, Teile des Terminals 1 sowie ab Samstag die Konzernzentrale der Lufthansa. Im November hatte sich der Rückgang der Passagierzahlen im Vergleich zu den Vormonaten deutlich beschleunigt.

Die Zahl der Fluggäste am größten deutschen Airport sei im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent auf 656.420 gefallen, hatte der Flughafenbetreiber am Freitag mitgeteilt. In den ersten elf Monaten des Jahres ging die Passagierzahl um fast 73 Prozent zurück. Der Kurs der im MDax notierten Aktie sackte in diesem Jahr an der Börse trotz einer rasanten Erholung infolge der Impfstoff-Hoffnungen um knapp 35 Prozent ab.

Lufthansa droht Piloten mit Entlassung

Auch die Lufthansa ist von der Corona-Krise weiter stark gebeutelt. Zuletzt drohte Spohr erneut mit Entlassungen von Piloten im Frühjahr. Mit Piloten der Kerngesellschaft sei bislang noch kein langfristiger Sanierungsvertrag zu Einsparungen während der Corona-Krise zustande gekommen. Mangels Einigung müssten daher bereits im ersten Quartal 2021 rund 500 Kapitäne und 500 Erste Offiziere den Konzern verlassen - rund 20 Prozent der Mannschaft.

Die Piloten haben die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben, mit umfassenden Teilzeitmodellen coronabedingte Massenentlassungen vermeiden zu können. Man werde dem Unternehmen entsprechende Vorschläge unterbreiten, kündigte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zu Wochenbeginn an.

Carsten Spohr | picture alliance / dpa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr drohte zuletzt erneut mit Entlassungen. Bild: picture alliance / dpa

Die staatliche gerettete Lufthansa musste in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 5,6 Milliarden Euro Verlust hinnehmen und ihr Flugangebot eindampfen. Bis Jahresende sollen 29.000 Stellen im Konzern gestrichen sein.

Erholung der Branche wohl erst ab dem Sommer

Auch für die nahe Zukunft gibt es kaum Hoffnung für die Luftfahrtbranche. Fraport-Chef Stefan Schulte hatte Anfang November ein düsteres Bild von den nächsten Jahren gezeichnet. Demnach dürfte sich der Flugverkehr noch langsamer von der Krise erholen als zuvor gedacht und erst ab dem Sommer spürbar anziehen.

Ähnlich sieht es Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Das mache er auch an den jüngsten Ticketbuchungen fest. "Seit eine konkrete Aussicht auf einen wirksamen Impfstoff besteht, haben sich unsere Buchungen für den nächsten Sommer verdreifacht", sagte der Manager.