Lufthansa-Maschine parkt im Hintergrund bei der Landung einer Condor-Maschine | picture alliance/dpa

Streit um Zubringerflüge Lufthansa und Condor einigen sich vorerst

Stand: 11.05.2021 10:24 Uhr

Gute Nachricht für Condor-Passagiere: Im Streit um Zubringerflüge haben der Ferienflieger und Lufthansa ihre Vereinbarung bis Mai 2022 verlängert. Bis dahin wird eine Entscheidung des Kartellamts erwartet.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

Die vorläufige Prüfung von Kartellbehörden und politischer Druck aus Berlin und Brüssel zeigen Wirkung: Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa und der Ferienflieger Condor verkündeten am Vormittag in einer schmalen Presseerklärung: Es gibt eine Einigung im Streit um Zubringerflüge. Die kommerzielle Vereinbarung beider Fluggesellschaften wird zunächst um ein Jahr fortgesetzt, also bis 10. Mai 2022.

Michael Immel

Für Condor-Kunden ist das ein sehr wichtiges Signal. Denn damit wird sichergestellt, dass nicht nur ihr Gepäck durchgecheckt wird und sie eine Bordkarte für die gesamte Reise erhalten. Auch der Verspätungsfall ist weiter vollständig abgesichert. Dabei ist es egal, ob Fluggäste eine Pauschalreise oder einen einzelnen Flug mit Zubringerflug gebucht haben.

Airlines sprechen von "konstruktiver Partnerschaft"

In der gleich lautenden Presseerklärung beider Airlines wird von einer "verbindlichen Vereinbarung von Lufthansa und Condor im Sinne einer konstruktiven Partnerschaft" gesprochen. Die Vereinbarung wird das Bundeskartellamt innerhalb des kommenden Jahres in einem Hauptsacheverfahren überprüfen.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte an, das noch laufende Eilverfahren voraussichtlich einzustellen. Er erklärte: "Wir werden aber im Hauptsacheverfahren prüfen, ob die Vereinbarung über die kommenden zwölf Monate hinaus aufrecht gehalten werden muss. Lufthansa ist nach unserer vorläufigen Auffassung beim Angebot von Zubringerflügen zu den großen Flughäfen in Deutschland marktbeherrschend."

Bereits Anfang April hatte die von Condor eingeschaltete Kartellbehörde dem Ferienflieger den Rücken gestärkt. Im November vergangenen Jahres hatte Lufthansa den langjährigen Pauschal-Vertrag über Zubringerflüge für Fernreisen mit Condor gekündigt. Dadurch wären Umsteigeverbindungen erschwert worden, da diese weit schwieriger zu buchen gewesen wären. Darüber hinaus hätte es im Fall von Verspätungen beim Zubringer viel Ärger für Condor-Kunden geben können.

Kartellamt hatte Kündigung gerügt

Das Bundeskartellamt sah in der Kündigung nach einer vorläufigen Prüfung einen Missbrauch von Marktmacht. Mehrere Medien hatten in den zurückliegenden Wochen auch darüber berichtet, dass die EU-Kommission die negativen Folgen der Vertragskündigung thematisiert hatte und deshalb in Berlin vorstellig geworden sei.

Lufthansa hatte erst kürzlich angekündigt, dass der Konzern sein Geschäft künftig viel stärker auf touristische Strecken fokussieren werde, weil seit der Pandemie viele Geschäftsreisende ausbleiben. Lufthansa und ihr Tochterunternehmen Eurowings wollen in diesem Sommer mehr als hundert Urlaubsziele anfliegen. "Das ist absoluter Rekord in der Firmengeschichte", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr kürzlich in einem Zeitungsinterview.

Auch mit Blick auf die Langstrecke hat der Lufthansa-Konzern ausgefeilte Pläne. Dafür ist gerade eine neu gegründete Konzerntochter mit dem Namen "Eurowings Discover" an den Start gegangen. Dort sollen touristischen Flüge gebündelt werden. Das Vorbild für diese neue Airline sitzt in der Schweiz, heißt Edelweiß, eine Tochter von Swiss.

Lufthansa will Drehkreuze für Tourismus-Ziele ausbauen

Für Lufthansa geht es jetzt darum, das Streckennetz ab den Drehkreuzen in Frankfurt und München für möglichst viele touristische Destinationen auszuweiten. Wettbewerber wie British Airways in London, KLM in Amsterdam oder auch Air France in Paris sind da bereits weiter. Ein Verdrängungswettbewerb in der gesamten Luftfahrtbranche wird durch die Corona-Krise beschleunigt. Das merkt auch der Ferienflieger Condor. Wenn große wie kleine Fluggesellschaften künftig um touristische Kunden werben, wird die Luft für alle dünner werden.