Norwegian Air Shuttle  | Jorgen Syversen

Konflikt in Osteuropa Wird der ukrainische Luftraum zum Risiko?

Stand: 14.02.2022 14:01 Uhr

Die Angst vor einem Krieg in der Ukraine wächst. Nun stellen die ersten internationalen Fluggesellschaften Flüge in und über der Ukraine ein. Erinnerungen an die Katastrophe von 2014 werden wach.

Die Fluggesellschaft Norwegian meidet künftig den ukrainischen Luftraum. Das sagte Norwegian-Kommunikationschef Esben Tuman dem norwegischen Sender TV2. Die zugespitzte Sicherheitslage rund um den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland habe zu dieser Entscheidung geführt. Direktflüge in die Ukraine bietet die Fluggesellschaft nach eigenen Angaben nicht an, überfliegt aber auf Strecken etwa ins türkische Antalya gelegentlich westliche Teile des ukrainischen Luftraums. Hier werde man künftig einen Umweg nehmen, östliche Teile des Landes meide man nach dem Abschuss des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 im Jahr 2014 bereits seit Jahren.

Die niederländische Fluggesellschaft KLM hatte am Wochenende mitgeteilt, ihre Flugverbindungen in die Ukraine einzustellen. Die Entscheidung sei aufgrund einer "umfassenden Analyse der Sicherheitslage" getroffen worden, hieß es.

Fast 300 Tote bei Absturz der MH17

Die schmerzhaften Erinnerungen an den Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 dürften bei der Entscheidung eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Der Flieger war 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit 298 Menschen an Bord abgestürzt, darunter 198 aus den Niederlanden. Knapp drei Stunden nach dem Abflug gab es den letzten Kontakt mit den Fluglotsen, die Maschine war über pro-russischem Gebiet von Buk-Raketenwerfer abgeschossen worden. Als Reaktion war der Luftraum über dem Donbass durch die ukrainische Regierung voll gesperrt worden.

Ukraine will Luftraum offen halten

Nun ist die Situation in der Ukraine wieder extrem angespannt: Die Regierung in Kiew rät derzeit von Flügen über das Schwarze Meer ab. Diese Empfehlung gelte von Montag bis Samstag, teilt die ukrainische Luftverkehrsbehörde mit. Als Grund nannte die Regierung ein geplantes Marinemanöver Russlands auf dem Schwarzen Meer, welches im Januar angekündigt wurde.

Ungeachtet dessen will Kiew den Luftraum über der Ukraine aber weiterhin offen halten: In einer außerordentlichen Sitzung hatte die Regierung beschlossen, mehr als 16,6 Milliarden Hrywnja (520 Millionen Euro) bereitzustellen, um in der aktuellen Krise den Flugverkehr in ihrem Luftraum zu gewährleisten.

Lufthansa setzt ihre Flüge über die Ukraine fort

Bereits gestern musste ein Flug vom Flughafen Funchal auf Madeira auf dem Weg nach Kiew in die Republik Moldau umgeleitet werden. Die betroffene Fluglinie SkyUp teilte zur Begründung auf Facebook mit, das ausländische Leasingunternehmen für das Flugzeug habe aufgrund der US-Kriegswarnungen den Flug in den ukrainischen Luftraum verboten. Die USA bekräftigen am Wochenende die Befürchtung, ein Angriff Russlands auf die Ukraine könne unmittelbar bevorstehen.

Auch andere Airlines prüfen bereits ähnliche Schritte. Die deutsche Lufthansa setzt ihre Flüge in die Ukraine derzeit fort. "Dies entspricht auch der Einschätzung nationaler und internationaler Behörden", erklärt die Airline heute Morgen und betont, man verfolge die Lage weiter intensiv: "Die Sicherheit unserer Fluggäste und Besatzungsmitglieder hat zu jeder Zeit oberste Priorität."