Alexander Frolov, Target Global | picture alliance /

Von der Corona- zur Bezahl-App Luca-App mit Russland-Verbindung

Stand: 16.04.2022 04:10 Uhr

Die Luca-App will sich wandeln und hat dafür neue Geldgeber an Land gezogen. Target Global ist einer von ihnen. Der Risikokapitalgeber verfügt über enge Verbindungen nach Russland.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Die Luca-App will sich wandeln: weg von der Corona- hin zur Bezahl-App für Restaurants und Kulturschaffende. "In zwei bis drei Wochen wollen wir in ausgewählten Restaurants die App starten", erklärt Luca-Chef Patrick Hennig im Gespräch mit tagesschau.de. Schritt für Schritt sollen in dieser Vorphase bis zu 100 Restaurants integriert werden.

"Seit Anfang Januar haben wir mit vielen Gastronomen gesprochen, wie wir die Luca-App so umbauen können, dass der Gastronom wieder mehr Zeit hat, sich auf seinen Kunden zu konzentrieren und nicht mit dem Erstellen von Bons oder ähnlichem beschäftigt ist", so Hennig.

Patrick Hennig | culture4life

Unternehmenschef Patrick Hennig hat die Luca-App initiiert. Bild: culture4life

30 Millionen Euro für neue Luca-App eingesammelt

Doch für die Neuausrichtung der Luca-App braucht es Geld, viel Geld. 30 Millionen Euro haben die Macher der App jetzt auf einer Finanzierungsrunde eingesammelt. Zu den Risikokapitalgebern für die Berliner Culture4Life GmbH gehören die Unternehmen Target Global, The Delta und embedded/capital.

Unter diesen Namen ragt einer heraus: Target Global. In der Gründerszene ist der Berliner Wagniskapitalgeber kein Unbekannter. Target Global hat in zahlreiche führende deutsche Start-ups wie das Berliner Insurtech Wefox, die Banking-App Revolut und den Lieferdienst Flink investiert. Beim mittlerweile börsennotierten Gebrauchtwagenhändler Auto1 gehörte Target Global sogar zu den ganz frühen Wagniskapitalgebern.

Insgesamt verwalte Target Global "Fonds mit einem Anlagevolumen von über drei Milliarden Euro, in die einige der größten und vertrauenswürdigsten Namen der Branche investiert haben", erklärt die Londoner Kommunikationschefin Seda Ambartsumian auf Anfrage von tagesschau.de.

Russischer Stahlbaron als Geldgeber

Was viele aber nicht wissen: Target Global wurde ursprünglich in Russland gegründet, CEO und Mitgründer ist Alexander Frolov. Dessen Vater, der auf den gleichen Namen hört, ist ein russischer Oligarch, der laut "Forbes" über ein Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar verfügt. Alexander Frolov Senior galt bislang als einer der Geldgeber von Target Global. Sein Geld machte er als Stahlbaron unter Putin.

Bis zum vergangenen Jahr war Frolov Chef des russischen Stahlkonzerns Evraz, an dem er einen Anteil von knapp zehn Prozent hält. Größter Aktionär ist der Oligarch Roman Abramowitsch mit einem Anteil von 29 Prozent. Noch bis vor kurzem saß Frolov im Evraz-Aufsichtsrat. Doch im März wurden Sanktionen gegen Abramowitsch verhängt, der Handel mit den an der Londoner Börse notierten Evraz-Aktien ausgesetzt. Zehn der zwölf Kontrolleure, darunter auch Frolov, traten zurück, worüber insbesondere die britische Presse ausführlich berichtete.

Noch auf keiner Sanktionsliste

Fakt ist: Frolov gehört zu den russischen Oligarchen, die noch auf keiner Sanktionsliste stehen. Target Global kann also guten Gewissens behaupten - und tut das auch -, dass es sich bei keinem seiner sogenannten Limited Partner um sanktionierte Individuen oder Mitglieder der russischen Regierung handele.

Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" zählte zuletzt insgesamt 45 russische Oligarchen, die bislang nicht sanktioniert wurden. Doch auch wenn ihre Gelder nicht eingefroren und ihre Yachten nicht beschlagnahmt wurden, so ist es doch eine Tatsache, dass diese Oligarchen unter Putins Herrschaft reicher wurden. Ihre Macht und ihr Vermögen stärkten die Putin'sche Kleptokratie.

Auf die direkte Nachfrage von tagesschau.de bei Target Global in London, wer zu den Geldgebern hinter Target gehört und ob Alexander Frolov Senior einer von ihnen sei, antwortet das Unternehmen nur ausweichend: "Target-Investoren sind europäische, nordamerikanische und asiatische institutionelle Anleger, Family Offices und Unternehmen, die alle sorgfältig geprüft wurden", erklärt Kommunikationschefin Ambartsumian.

Luca-Chef: "Bewusst für Target entschieden"

Gegenüber tagesschau.de betont Luca-Chef Hennig derweil, die Culture4Life GmbH habe die Gespräche mit Target Global schon im Januar und damit vor dem russischen Überfall auf die Ukraine beendet. Zudem komme ein Großteil des Kapitals von Target Global aus Europa. Target sei dabei, den Anteil russischen Geldes Stück für Stück zurückzuführen.

"Insofern ist das für uns okay", erklärt Hennig. Die Russland-Verbindungen von Target beunruhigten ihn nicht. "Wir haben uns bewusst für Target entschieden aufgrund ihrer Expertise und ihrer Kenntnis des Ökosystems in Deutschland und Europa."