Container werden beim Logistikunternehmen Eurokombi im Hafen in Hamburg verladen | dpa

Corona-Folgen für Lieferketten Logistikfirmen trotzen der Krise

Stand: 14.04.2021 08:27 Uhr

Die Logistikbranche in Deutschland steckt die Pandemie überraschend gut weg. Die Zeichen stehen bei vielen Unternehmen sogar auf Wachstum. Allerdings warten auch Herausforderungen.

Von Thomas Pösl, BR

Grenzkontrollen und harte Lockdowns in Europa: Für Logistikkonzerne begann das Jahr 2020 mit einer Belastung. Der drastische Konsumrückgang habe sich rasch auf den Speditions-, Transport- und Logistiksektor übertragen, so Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Spedition und Logistik, DSLV.

Nach dem anfänglichen Schock sei es aber rasant aufwärts gegangen. Verluste und Einbrüche, die die Unternehmen vor einem Jahr erfahren haben, seien schon wenige Monate später mehr als überkompensiert worden, so Huster. Beispiel: der Logistiker Dachser im Allgäu. Auch bei der Kemptener Firma ging es im zweiten Halbjahr wirtschaftlich nach oben. 

Dachsers Umsatz auch im Coronajahr nahezu konstant

Das bayerische Familienunternehmen Dachser mit 30.000 Mitarbeitern weltweit habe sich der Situation angepasst und konnte wirtschaftlichen Schaden weitgehend abwenden. Bei der Jahrespressekonferenz - es ist bereits die zweite, die rein virtuell abgehalten werden muss - präsentierte Vorstandschef Burkhard Eling nun Zahlen. Laut Eling ging der Umsatz nur um knapp ein Prozent zurück auf 5,6 Milliarden Euro. Darüber zeigt er sich sehr zufrieden: "Es war in jeder Hinsicht ein forderndes und außergewöhnliches Jahr, das von der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen auf die internationalen Lieferketten geprägt war." Eling, der seit diesem Jahr als CEO bei Dachser die Geschäfte leitet, spricht von "insgesamt erfreulichen Kennzahlen".

Luft- und Seefracht die Gewinnbringer

Schmerzhaft zu spüren bekamen Logistiker im Coronajahr 2020 zunächst die Produktionsstopps in der Industrie. Weil unter anderem die Bänder bei den Autoherstellern stillstanden, blieben auch viele Lkw auf den Ladehöfen. Als Gewinnbringer erwiesen sich Dachser zufolge allerdings später die Luft- und Seefracht. Laut Vorstandschef Eling konnte das Unternehmen die Umsätze um 5,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro steigern. Ein Plus von knapp zwei Prozent verzeichnet Dachser auch im Bereich Lebensmittel-Logistik. 982 Millionen Euro beträgt hier der Jahresumsatz. Zu den Gewinnen macht das Allgäuer Familienunternehmen keine Angaben. 

Logistiker vor "Herkulesaufgabe"

Die Auswirkungen von Corona bleiben für Logistiker wie Dachser eine Dauerbelastung. Laut dem Allgäuer Unternehmen stehen die Zeichen dennoch auf Wachstum. Auch der Bundesverband der Spediteure erwarte ein Plus in diesem Jahr gegenüber 2020, so DSLV-Hauptgeschäftsführer Huster. Wegen der Pandemie sei eine Prognose dennoch schwierig. Huster zufolge haben die deutschen Logistiker in der Pandemie zwar ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Mit der Überwindung der Corona-Krise, der Umstellung auf alternative Antriebe und einem anhaltenden Fachkräftemangel habe die Logistikbranche aber jetzt drei Herkulesaufgaben gleichzeitig zu bewältigen. Langfristig sollen Investitionen die Umsätze befeuern.

Auch der Allgäuer Logistiker Dachser werde Geld in die Hand nehmen, hieß es. 190 Millionen Euro sollen in diesem Jahr unter anderem in die Bereiche Machine Learning und künstliche Intelligenz fließen. So sollen zum Beispiel eingehende Warensendungen besser vorhergesagt werden können. Das spare am Ende wieder Kosten.

Über dieses Thema berichtete BR in der Sendung Mittags in Schwaben am 13. April 2021 um 12:05 Uhr.