Das Logo des Karriere-Netzwerks LinkedIn ist unter einer Lupe auf einem Computermonitor zu sehen. | dpa

Wegen strenger Regulierung Microsoft macht LinkedIn in China dicht

Stand: 15.10.2021 14:29 Uhr

Microsoft schließt sein Karrierenetzwerk Linkedin in China. Strenge Regulierung habe den Erfolg verhindert, teilt der US-Softwarekonzern mit. Aber ganz möchte Microsoft den chinesischen Markt nicht aufgeben.

Der US-Konzern schließt seine Social-Media-Plattform LinkedIn in China und ersetzt sie mit einer reinen Jobbörse. Das vor allem für Berufstätige gedachte Netzwerk sei wegen der strengen Regulierung in China nicht so erfolgreich wie im Rest der Welt, begründete der Konzern die Entscheidung und sprach von einem "herausfordernden Betriebsumfeld". Die Plattform ist das einzige US-Social-Media-Netzwerk in China.

"Während wir erfolgreich darin waren, chinesischen Nutzern zu helfen, Jobs und wirtschaftliche Chancen zu finden, hatten wir nicht denselben Erfolg bei den sozialeren Aspekten, zu teilen und informiert zu bleiben." Das neue Portal namens InJobs werde noch in diesem Jahr gestartet, heißt es weiter. Jedoch wird das Portal nicht die Social-Media-Funktionen des Vorgängers anbieten; es gebe keine Möglichkeit für Beiträge oder zum Teilen von Inhalten.

Westliche Werte verteidigen

LinkedIn war 2014 mit einer eingeschränkten Sonderversion in China an den Markt gegangen und hatte sich den strengen Beschränkungen der chinesischen Behörden für Online-Plattformen unterworfen. In China gibt es eine strikte Zensur von Online-Netzwerken, bestimmte Inhalte im Internet sind verboten. Laut dem "Wall Street Journal" wurde LinkedIn im März von den chinesischen Aufsichtsbehörden verwarnt.

Die "Financial Times" (FT) zitiert LinkedIn mit der Feststellung, dass die Profile einiger Menschenrechtsaktivisten und Autoren in China geblockt worden seien wegen der Verbreitung von verbotenen Inhalten. Der Vorgang berührt die internationale Politik und den aktuell schwelenden Konflikt zwischen China und den USA. Deshalb wuchs der Druck auf das Unternehmen nicht nur aus China, sondern auch vonseiten der Vereinigten Staaten.

Während sich LinkedIn einerseits an die chinesischen Gesetze halten muss, um dort Geschäfte zu machen, warfen US-Politiker wie der republikanische US-Senator Rick Scott dem Unternehmen vor, Beschwichtigungspolitik zu betreiben und sich einem autoritären Regime zu unterwerfen. Im Ergebnis lautet der Vorwurf gewissermaßen, westliche Werte zu verraten.

Facebook und Twitter sind längst weg

Ein US-Offizieller sagte lauf FT, dass die internationale Gemeinschaft und der Unternehmenssektor gemeinsam entgegentreten müssten, wenn der chinesische Markt als Waffe verwendet werde, um freie Meinungsäußerung und die Unterstützung für Menschenrechte zu unterdrücken.

Microsoft hatte LinkedIn 2016 für mehr als 26 Milliarden Dollar gekauft. Weltweit hat LinkedIn mehr als 700 Millionen Nutzer, davon 180 Millionen in den USA, und rund 54 Millionen in China. Microsoft ist als einer von wenigen US-Internetriesen in China aktiv. Facebook und Twitter wurden schon vor mehr als einem Jahrzehnt aus China verbannt, Google zog sich im Jahr 2010 zurück. Der Online-Händler Amazon ist in China zwar verfügbar, konnte sich aber nie gegen chinesische Anbieter wie Alibaba oder JD.com durchsetzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Oktober 2021 um 13:46 Uhr.

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Moderation 15.10.2021 • 21:48 Uhr

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