Ein Verladekran lädt einen DHL-Container von einem Sattelschlepper auf einen Güterwaggon | dpa

ifo-Umfrage Lieferengpässe noch bis zum Sommer?

Stand: 09.11.2021 10:14 Uhr

Bis weit ins nächste Jahr hinein werden Verbraucher mit einer knappen Produktpalette im Einzelhandel rechnen müssen. Das hat eine aktuelle Umfrage des ifo-Instituts ergeben.

Die Lieferengpässe im Einzelhandel werden sich laut einer aktuellen Erhebung bis weit in den Sommer 2022 hinziehen. Für viele Kunden in Einzelhandelsgeschäften wird es damit weit über Weihnachten hinaus oft bestimmte Artikel nur mit langen Lieferzeiten geben.

Laut der Umfrage des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts ifo rechnen die Einzelhändler damit, dass die Knappheiten weitere zehn Monate andauern. "Die Produktauswahl wird zu Weihnachten und lange danach eingeschränkt sein", so der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Die Branchen sind von Problemen in der Lieferkette unterschiedlich stark betroffen: Die Fahrradhändler erwarten etwa noch durchschnittlich 18 Monate lang Lieferprobleme. Bei den Möbelhändlern sind es 12,5 Monate. Die Spielzeugeinzelhändler gehen von rund elf Monaten aus, die Baumärkte von 10,3 Monaten.

Industrie, Autos, Smartphones

Damit schlägt die weltweite Belastung der Lieferketten lang anhaltend auch auf den Einzelhandel durch. Autokonzerne wie VW, BMW und Daimler hatten wegen fehlender Komponenten und Halbleiter bereits Einbußen in der Produktion beklagt. In der Industrie führte etwa eine Verknappung von Werkstoffen wie Aluminium zur verstärkter Kurzarbeit. Hersteller von Elektronik wie Smartphones oder Spielekonsolen können seit Monaten die wieder steigende Nachfrage nach ihren Produkten nicht befriedigen.

Eine leichte Besserung in deutschen Einzelhandel zeigt sich allerdings darin, dass die Zahl der Firmen mit Lieferproblemen leicht rückläufig ist. Laut ifo ist sie von 74 auf 60 Prozent zurückgegangen. Laut ifo-Experte Wohlrabe ist "weltweite Logistik aus dem Takt. Viele Lieferungen kommen mit deutlichen Verspätungen in Deutschland an".

Umsätze belastet, aber Weihnachtsgeschäft brummt

Die Verknappung vieler Produkte dürfte auch höhere Preise zur Folge haben. Ein Großteil der Unternehmen hat demnach Preiserhöhungen angekündigt. Für die Unternehmen hat die Knappheit negative Folgen für die Erlössituation. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) geht jeder fünfte Händler davon aus, dass sich die Materialengpässe "in erheblichem Maße" auf ihren Umsatz auswirken dürften. Etwa 57 Prozent erwarten, dass es "in geringem Maße" zu Einbußen kommen werde. Rund 24 Prozent sehen keine negativen Folgen.

Immerhin brummt das Weihnachtsgeschäft auch im Einzelhandel in diesem Jahr wie schon lange nicht mehr. Auf die verfügbaren Waren stürzen sich die Konsumenten bereits Anfang November, um einen vollen Gabentisch zum Fest sicherzustellen. Die Einzelhändler rechnen zu Weihnachten mit so hohen Umsätzen wie nie zuvor. Im Schnitt werden die Menschen in Deutschland demnach 273 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet für das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr mit Rekordumsätzen von geschätzten 112 Milliarden Euro. Das wären rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. November 2021 um 09:37 Uhr.