Zwei Windräder schauen aus dem Dunst über der Wetterau heraus beim abendlichen Blick in die ferne vom nordöstlichen Frankfurter Stadtteil Bergen.  | dpa

Siemens Gamesa senkt Prognose Getrübte Stimmung in der Windkraftbranche

Stand: 21.01.2022 13:12 Uhr

Beim Windturbinenhersteller Siemens Gamesa läuft das Geschäft schlecht. Damit ist das Unternehmen nicht allein: Die gesamte Industrie leidet unter steigenden Kosten und langen Genehmigungsverfahren.

Siemens Gamesa musste nach einem enttäuschenden Quartalsergebnis die Umsatzprognose für das gesamte Jahr senken. Die spanische Windkraft-Tochter des Energiekonzerns Siemens Energy erzielte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, also im Zeitraum von Oktober bis Dezember, vor Sonderfaktoren einen operativen Verlust von 309 Millionen Euro. Die Aktien des Windkraftanlagen-Bauers brachen nach Verkündung der Zahlen in Madrid um elf Prozent ein.

Die Unternehmensführung machte dafür einerseits Probleme mit der Lieferkette verantwortlich. Gleichzeitig gibt es Schwierigkeiten bei der Produktion der neuen Onshore-Turbinengeneration 5.X. Diese seien durch die Lieferengpässe noch verschärft worden. Im Gesamtjahr sei nun ein operativer Verlust möglich.

Beim Umsatz stellt sich Siemens Gamesa nun auf einen Rückgang von bis zu neun Prozent ein. Auch der Mutterkonzern musste seine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2021/22 nach unten korrigieren. Siemens Energy kalkuliert für das laufende Geschäftsjahr jetzt mit einen Umsatzrückgang von bis zu zwei Prozent.

Erneuerbare Energien als Hoffnungsträger

Die Windkraft-Tochter war eigentlich der große Hoffnungsträger für die Energiewende innerhalb des Energiekonzerns. Doch Siemens Gamesa sorgte mit Gewinnwarnungen immer wieder für schlechte Nachrichten und ist seit Jahren das Sorgenkind von Siemens Energy. "Die Gewinnwarnung von Siemens Gamesa macht deutlich, dass die Windkraftindustrie unter steigenden Kosten leidet, während der technologische Wettkampf die Markteinführung neuer Produkte beeinträchtigt", kritisierte Analyst Akash Gupta von der Bank JPMorgan.

Auch der Konkurrent Vestas leidet unter den Lieferschwierigkeiten infolge der Pandemie. Das Betriebsergebnis des dänischen Konzerns sank im dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres um 87 Millionen Euro. Bei der Verkündung der Zahlen im November sagte Konzernchef Henrik Andersen: "Angesichts der Instabilität der Lieferkette und der hohen Komponenten-, Material- und Transportkosten, die voraussichtlich bis 2022 andauern werden, liegt unser Fokus voll und ganz darauf, die Auswirkungen externer Faktoren zu mindern, um die Rentabilität zu schützen und unsere Ziele zu erreichen."

Ausbau der Windenergie stagniert seit Jahren

Die Zuwachszahlen der Windenergieanlagen in Deutschland legen das Problem der Industrie hierzulande offen. Der Ausbau der Windenergie stagniert seit Jahren: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 484 Onshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 1925 Megawatt errichtet, wie der Bundesverband Windenergie sowie der Fachverband VDMA Power Systems mitteilten.

Damit stieg der Zubau im Vergleich zum Vorjahr zwar wieder an. Allerdings finden die Zuwächse nach wie vor auf kleinem Niveau statt, besonders verglichen mit dem Jahr 2017. Damals wurden Onshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 5333 Megawatt in Betrieb genommen. "Der Zubau steigt, allerdings nur regional und insgesamt mit zu geringem Tempo", sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie.

Fast drei Viertel der neu installierten Leistung wurde 2021 in Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein realisiert. Spitzenreiter mit jeweils 104 neuen Anlagen waren Niedersachsen und Brandenburg. Der geringste Zubau, abgesehen von den Stadtstaaten, erfolgte in Bayern, dem Saarland und Sachsen. Einer der Gründe für den langsamen Ausbau sind die langen Genehmigungsverfahren, die sich über Jahre hinziehen können, behaupten Fachleute.

Habeck führt Gespräche in den Ländern

Um die Klimaziele zu erreichen, will der Klimaschutzminister Robert Habeck den Ausbau der Windkraft nun deutlich beschleunigen und dabei auch die Bundesländer beteiligen. Bei einem Besuch in München sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag, der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse bundesweit von einem "ökologischen Patriotismus" getrieben sein.

Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder kündigte seinerseits ein Entgegenkommen an. Spätestens bis März will Bayern Vorschläge machen, wie die Windkraft im Land ausgebaut werden könnte. Mit den Vorschlägen wolle Bayern aber auch Wünsche auf den Tisch legen, kündigte Söder an und verwies auf Forderungen zum Ausbau der Energieleitungen.

Probleme auch bei der Windkraft auf See

Auch beim Ausbau der Offshore-Windenergieanlagen gibt es Probleme: Die Chefin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Karin Kammann-Klippstein, wies zuletzt auf zahlreiche Nutzungskonflikte in Nord- und Ostsee hin. "Der Koalitionsvertrag sieht zehn Prozent der Fläche vor, die frei sein soll von jeglicher schädlicher Nutzungsart. Zehn Prozent wären schon mal vollständig für Naturschutzgebiete reserviert", sagte die BSH-Präsidentin.

Außerdem würden Meeresflächen von Landwirtschaft und Militär genutzt, und es gebe die völkerrechtliche Pflicht, internationale Schifffahrtsstraßen offen zu halten: "Da gibt es Einschränkungen für die Bebauung durch Windparks."