Lastwagen von Daimler Truck beim Aufladen | dpa

Reaktion auf Ukraine-Krieg Firmen stoppen Russland-Geschäfte

Stand: 28.02.2022 14:35 Uhr

Volvo produziert nicht mehr in Russland, Daimler Truck friert seine Zusammenarbeit mit einem russischen Partner ein und TUI Cruises fährt St. Petersburg nicht mehr an: Wie westliche Firmen auf den Krieg in der Ukraine reagieren.

Eine wachsende Zahl von Unternehmen reagiert auf den russischen Einmarsch in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland. Teilweise verkündeten Konzerne den Stopp von Lieferungen oder legten Geschäftsbeziehungen auf Eis. Einige Reiseanbieter stornierten Verbindungen oder Angebote mit Zielen in Russland.

Der weltgrößte Lkw-Hersteller Daimler Truck gab bekannt, dass er die Kooperation mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz einfriere. Die geschäftliche Aktivität in Russland werde angesichts der Ereignisse der vergangenen Tage mit sofortiger Wirkung und bis auf Weiteres eingestellt, teilte Daimler Truck. Das Joint Venture von Daimler Truck und Kamaz mit der Namen Kamaz Rus baue Kabinen für Kamaz und nicht-militärische Mercedes-Lkw. "Wir haben mit militärischen Fahrzeugen von Kamaz nie etwas zu tun gehabt", so der Sprecher.

Kamaz Rus gehört zu gleichen Teilen dem russischen und dem deutschen Unternehmen und beschäftigt rund 1000 Menschen in Moskau und Chelny (Tartastan). Von deutscher Seite sei die Produktion dort heruntergefahren worden, hieß es.

Volvo stoppt Produktion in Russland

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Volvo stellte die Produktion in seiner Fabrik im russischen Kaluga und den Verkauf in Russland vorübergehend ein. "Diese Entscheidung tritt sofort in Kraft und gilt bis auf Weiteres", sagte ein Unternehmenssprecher. In der Fabrik südlich von Moskau arbeiten 700 Mitarbeiter. Mit Verkauf, Wartung und Reparatur seien in Russland weitere 600 Mitarbeiter beschäftigt.

Einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge stoppte der VW-Konzern die Auslieferung von Neuwagen, die sich bereits in Russland befinden, an die dortigen Händler. Eine offizielle Bestätigung dieser Angaben durch den Konzern gibt es bisher nicht.

Bereits Ende der vergangenen Woche hatte VW erklärt, dass in dieser Woche die Produktion in den Werken in Zwickau und Dresden jeweils für einige Tage ausgesetzt werde. Als Grund dafür wurden fehlende Materiallieferungen aus der Ukraine genannt - unter anderem mangele es an Kabelsätzen, die dort hergestellt werden.

TUI Cruises läuft St. Petersburg nicht mehr an

Die Kreuzfahrtreederei TUI Cruises teilte unterdessen mit, dass sie wegen des Angriffs auf die Ukraine die russische Hafenstadt St. Petersburg aus ihrem Programm streiche. "Vor dem Hintergrund der Ereignisse haben wir uns aus ethischen und moralischen Gründen entschieden, die Fahrpläne unserer Ostsee-Kreuzfahrten von Mai bis Oktober 2022 anzupassen: Wir werden St. Petersburg nicht mehr anlaufen", teilte eine Sprecherin mit. Aida Cruises dürfte dem Schritt bald folgen.

Die Lufthansa hat im Zuge der Luftfahrt-Sanktionen gegen Russland Verbindungen zu russischen Zielen gestrichen und überfliegt auch den Luftraum des Landes nicht mehr. Auch die Konzerntochter Swiss sagte am Nachmittag eine geplante Verbindung nach Moskau ab und kündigte an, keine Maschinen mehr über Russland fliegen zu lassen. Die EU-Staaten hatten zuvor russischen Fluggesellschaften wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine die Nutzung des europäischen Luftraums untersagt. Russland hat im Gegenzug Airlines aus insgesamt 36 Ländern die Nutzung des russischen Luftraums verboten - darunter Deutschland.

Die Bundesregierung erwartet als Folge der Sanktionen negative Auswirkungen auf deutsche Firmen. "Diese sind nicht zu vermeiden", sagt eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Regierung werde helfen, wenn Unternehmen deswegen in die Knie gingen. Grundsätzlich gebe es aber nach EU-Sanktionen keine Entschädigungspflicht.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 am 24. Februar 2022 um 15:00 Uhr.