Bierbrauer | picture alliance / dpa

Folgen der Energiekrise Kohlensäuremangel plagt Brauereien

Stand: 18.09.2022 15:04 Uhr

Brauer und Mineralwasserhersteller in Deutschland haben nicht genug Kohlensäure. Das hat weitreichende Folgen für die Betriebe und Konsumenten. Der Grund liegt bei der Düngemittelindustrie.

Deutschlands Getränkeindustrie fehlt es nach eigenen Angaben an Kohlensäure. Äußerst besorgniserregend nennt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele, diese Entwicklung. Derzeit seien nach Schätzungen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie nur noch 30 bis 40 Prozent der üblichen CO2-Liefermengen verfügbar, sagt er. Immer mehr Unternehmen, die auf Kohlensäure angewiesen seien, müssten ihre Produktion erheblich einschränken.

"Für viele betroffene Betriebe hat das dramatische Auswirkungen", warnt Eichele. Vor allem bei der Herstellung von Erfrischungsgetränken und Wasser sei zu befürchten, dass die Produktion und Abfüllung immer häufiger unterbrochen werden müsse.

Hersteller drosselten Ammoniak-Produktion

Brauereien brauchen Kohlensäure vor allem, um Tanks, Flaschen und Fässer "vorzuspannen", damit das Bier beim Füllen nicht mit Luft in Kontakt kommt und beim Abfüllen nicht schäumt. Viele Brauereien stellen auch Softdrinks her, für die umso mehr Kohlensäure nötig ist.

Technische Kohlensäure entsteht vor allem als Nebenprodukt in der Ammoniak-Produktion, etwa bei der Herstellung von Düngemittel. "Als die Gaspreise extrem gestiegen sind, haben die Hersteller ihre energieintensive Produktion zurückgefahren", erklärt der Sprecher der Genossenschaft Deutscher Brunnen, Tobias Bielenstein. Der Zusammenhang ist also: weniger Düngemittel gleich weniger Kohlendioxid gleich weniger Kohlensäure.

"Weitere Produktionsrückgänge"

Auch sonst habe es im Sommer, wenn weniger Dünger hergestellt wird, immer mal Phasen mit Engpässen bei Kohlensäure gegeben, sagt Bielenstein. Aber diesmal sei es deutlich schlimmer. Nicht zuletzt die Mineralwasserhersteller haben ernsthafte Probleme. "An einzelnen Stellen wurde die Produktion schon zurückgefahren." Viele Hersteller bekommen zurzeit weniger CO2, als sie bestellt haben.

Die Verunsicherung sei groß. "So eine Situation haben wir noch nie gehabt."

Keine Aussicht auf Besserung

"Die ersten Brauereien stehen, weil sie eben nicht mehr genügend technische Kohlensäure erhalten", sagte der Vorsitzende der privaten Brauereien in Deutschland, Roland Demleitner, dem Fernsehsender Welt24.

Solange die Energiekosten hoch blieben oder noch steigen sollten, werde es zu einer weiteren Verknappung kommen, sagt der Geschäftsführer der Augsburger Brauerei Riegele, Sebastian Priller. Planen sei derzeit unmöglich. Die Aktienbrauerei Kaufbeuren schränkte die Produktion schon ein. "Seit vergangener Woche stellen wir keine Limonade mehr her", sagt Geschäftsführer Gottfried Csauth.

Oetker-Konzern ist optimistisch

Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe mit Biermarken wie Jever, Clausthaler oder Schöfferhofer sieht hingegen noch keine Probleme: "Da wir vornehmlich Gärungskohlensäure aus unserer eigenen Produktion in unseren Brauereien einsetzen, sehen wir kurzfristig kein Ausfallpotenzial."

Auch bei den Mineralwasserherstellern müssen sich manche keine Sorgen machen: Bei der Abfüllung des Gerolsteiner-Mineralwassers setze man "ausschließlich natürliche Quellkohlensäure" ein, sagt Ulrich Rust aus der Geschäftsführung der Gerolsteiner Brunnen.

Über dieses Thema berichtete BR in der Sendung "Abendschau - Der Süden" am 14. September 2022 um 17:30 Uhr.