Ein Mann steht mit Pappnase auf der Maske vor dem Dom in Köln. | dpa

Karnevalsauftakt in Köln Gemischte Gefühle bei den Jecken

Stand: 11.11.2021 07:58 Uhr

Feiern oder nicht feiern? Viele Gastwirte hadern mit dem heutigen Karnevalsauftakt. Ist es zu gefährlich? Die Stadt Köln hat bereits die Maßnahmen verschärft. Das Dreigestirn tritt wegen eines Corona-Falls nicht auf.

Von Jens Eberl, WDR

Corona und Karneval - geht das? Fakt ist: Die Stadt Köln hat am Montag die Regelungen für den Sessionsauftakt am 11.11. verschärft. In einigen Innenstadtbereichen haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt.

Jens Eberl

Wegen der angespannten Corona-Lage will der Krisenstab an den Karnevals-Hotspots der Stadt die 2G-Regel einführen. Außerdem müssen alle Karnevalsveranstaltungen in Innenräumen unter 2G-Bedingungen stattfinden. Das NRW-Gesundheitsministerium in Düsseldorf genehmigte ein entsprechendes Vorgehen.

Einige Kneipenwirte ziehen die Reißleine

Im Vorfeld des 11.11. haben einige Kneipenwirte bereits die Notbremse gezogen. Einer von ihnen ist Alex Haag von der Kölner Gaststätte Wirtz. "Aufgrund der aktuell steigenden Zahlen können wir nicht zu 100 Prozent für Eure und unsere Sicherheit sorgen", begründet Haag seine Absage für den Kneipenkarneval auf seiner Facebook-Seite.

Er befürchtet aber auch wirtschaftliche Folgen, wenn durch eine mögliche Infektion das Geschäft mit den Weihnachtsfeiern verloren gehen könnte. "Da die Situation zurzeit auch extremst schwierig ist, überhaupt jemanden zu finden, der in der Gastronomie arbeitet, würde ich so schnell niemanden finden, der sagt: 'Okay, dann stell ich mich jetzt für zwei Wochen in die Küche, wo Du in Quarantäne bist.' Und somit müsste ich zu machen", so Haag. Das Geschäft mit Weihnachtsfeiern ist aber wichtiger als der Umsatz des 11.11.

Einige Kneipen dicht, Risiko zu groß

Auch in der "Bagatelle-Bar" wird es in diesem Jahr keine Feier geben. Das gab Inhaber Daniel Rabe auf seiner Facebook-Seite bekannt. Das Risiko angesichts der steigenden Inzidenzen sei zu hoch. Sein emotionaler Kommentar:

Wir sprechen nicht von 'ner netten Versammlung oder einem Weihnachtsmarkt oder einem normalen Club, wir sprechen von unser aller Karneval. Wir stehen stundenlang, eng an eng, singen uns aus voller Kehle textsicher an, bützen uns, und von der Decke tropft Kondenswasser. Dieses Virus ist für Kölnerinnen ein doppelter Teufel, weil Karneval sein allerbester Freund ist. Nirgendwo auf der Welt hat es bessere Freunde. Nirgendwo, das muss uns klar sein!

Auch die Kneipe "Gottes Grüne Wiese" hat auf ihrer Facebook-Seite schon eine Absage veröffentlicht. Hier heißt es: "Nach langen Diskussionen haben wir beschlossen, dass die Wiese am 11.11. geschlossen bleibt. Bei der aktuellen Stimmungslage bei uns im Team und im Allgemeinen können wir uns keine ausgelassene Party vorstellen, und dann lassen wir es lieber. Sehr, sehr schade."

Andere setzen auf Sicherheitskonzepte

Andere Wirte haben beschlossen aufzumachen, setzen dabei aber auf Sicherheitskonzepte. Das Traditionslokal "Oma Kleinmann" will aufmachen. Man habe sich im Vorfeld lange Gedanken gemacht. Vorab wurden Karten verkauft. "Nur Gäste mit Karten erhalten Einlass. Es wurden weniger Karten verkauft als üblich, es sind also weniger Gäste im Lokal als in den vergangenen Jahren. Es ist eine 2G-Veranstaltung, und zusätzlich haben wir organisiert, dass alle Gäste kurz vorher nebenan bei Stammgästen im Hof noch einmal schnellgetestet werden, bevor sie dann negativ getestet in die Kneipe selbst können", schreibt Betreiberin Maureen Wolf. Außerdem habe man zwei Lüfter im Einsatz, es werde gelüftet, und überall stehe Desinfektionsmittel.

Wenige Straßen weiter befindet sich das Brauhaus Hellers. Auch hier will die Betreiberin mit einem Hygienekonzept öffnen. Der Vorverkauf der Tickets habe schon im Oktober begonnen. Zunächst wollte man Geimpften, Genesenen oder PCR-Getesteten Einlass gewähren. Doch nach der Entscheidung der Stadt gilt nun auch im Hellers 2G. "Grund für unsere Entscheidung, den 11.11. zu feiern, ist: Wir feiern gerne Karneval und unterscheiden uns mit einer Versammlungsstätte und unserem Hygienekonzept nicht von den ortsansässigen Discotheken. Dort findet jedes Wochenende Vergleichbares statt", schreibt Wirtin Anna Heller.

"Kurze Auszeit" von der Corona-Pandemie

Davide Giglio betreibt mehrere Restaurants unter dem Namen "Piccola" in Köln. Alle Filialen bleiben regulär geöffnet. Die Karnevalsparty werde aber nur in einem Restaurant im Stadtteil Ehrenfeld starten. Der Raum sei für 150 Leute ausgelegt. "Wir werden allerdings den Ticket-Vorverkauf auf 100 Gäste begrenzen. Es wird eine Abendkasse geben, welche jedoch von uns gesteuert wird, sodass die maximale Personenzahl von 150 Personen nicht bis zur Grenze ausgeschöpft wird."

Für uns ist es wichtig, während des Events eine sichere und angenehme Atmosphäre für alle Beteiligten zu schaffen", schreibt Giglio. "Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das Event dieses Jahr stattfinden zu lassen, um eine schöne Zeit mit unseren Gästen zu verbringen und um ihnen eine kurze Auszeit von der Corona-Pandemie zu ermöglichen. Natürlich haben nur Personen mit gültigem Impfnachweis Zutritt in unser Restaurant und können an der Karnevalsparty teilnehmen." 

Keine Auftritte des Kölner Dreigestirns

Einen Tag vor dem Sessionsauftakt erreichte ausgerechnet das Dreigestirn eine Hiobsbotschaft: Der designierte Kölner Karnevalsprinz wurde positiv auf das Coronavirus getetet. Er sei doppelt geimpft, habe keinerlei Symptome und fühle sich den Umständen entsprechend gut, teilte das Kölner Festkomitee mit. Bei den beiden anderen Mitgliedern des Dreigestirns seien die Tests negativ ausgefallen. Dennoch habe man entschieden, die öffentlichen Auftritte der Drei für die kommenden Tage abzusagen. "Ich muss nicht betonen, wie traurig ich bin, nicht mit den kölschen Jecken in die Session starten zu können", erklärte der Prinz Seven Oleff. "Aber Sicherheit geht vor - auch und gerade im Karneval."

Über dieses Thema berichtete der WDR am 10. November 2021 um 18:45 Uhr in der Sendung "Aktuelle Stunde".