Arbeiten mit einem Bagger in Hönningen am Ufer der Ahr | dpa

Immer mehr Schäden Katastrophenjahr für Versicherer?

Stand: 15.09.2021 14:07 Uhr

Naturkatastrophen wie die Flutwelle in Deutschland haben sich zuletzt gemehrt, Schäden schnellen in Milliardenhöhen. Für die Versicherer ist der Klimawandel eine große Herausforderung, genau wie für die Politik.

Immer kürzere Abstände zwischen Naturereignissen mit hohen Schäden wie bei der jüngsten Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen beschäftigen die Versicherungsbranche. Die Schäden gehen in die Milliarden, die Versicherer müssen sich auf hohe Belastungen einstellen.

Rückversicherer erwarten mehr Schäden

Beim heute endenden traditionellen Treffen der größten Rückversicherer dürfte der Klimawandel und seine Folgen eines der wichtigsten Themen gewesen sein. Wie schon im vergangenen Jahr findet die Zusammenkunft coronabedingt aber im virtuellen Raum statt und nicht wie üblich im mondänen Monte Carlo. Die Rückversicherungsgesellschaften sichern die sogenannten Erstversicherer ab, die wiederum Privat- und Firmenkunden versichern, auch gegen Elementarschäden wie Überschwemmungen.

Einer der weltgrößten Branchenvertreter hat bereits vor Beginn der Konferenz Zahlen und Prognosen sprechen lassen. Nach Berechnungen der Swiss Re werden Schäden durch Naturkatastrophen in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Bis zum Jahr 2040 rechnet das Unternehmen mit einer Zunahme der versicherten wetterbedingten Katastrophenschäden in Industrieländern um 30 bis 63 Prozent. In Deutschland könnten die Schäden um 90 Prozent zunehmen, in China oder Großbritannien sich sogar mehr als verdoppeln.

Prämienanstieg finanziert die Versicherer

Um diese Schäden abdecken zu können, werden die Versicherungsprämien in den kommenden Jahren wohl kräftig steigen. Swiss Re-Experte Jerome Haegeli erwartet einen Prämienanstieg um weltweit bis zu rund 180 Milliarden Dollar bis 2040 allein für die Versicherung von Gebäuden. Insgesamt werde sich das Volumen der Versicherungsprämien sogar auf bis zu 1,3 Billionen Dollar verdreifachen.

Für die Rückversicherer ist das auch eine gute Nachricht. Die Aktienkurse vieler Branchenvertreter, darunter auch die der deutschen Münchener Rück und Hannover Rück, haben sich in den vergangenen Wochen gut geschlagen; Prämienerhöhungen schlagen sich auch in Gewinnsteigerungen der Konzerne nieder.

Prävention und höhere Versicherungsdichte gefordert

Die Münchener Rück konnte dank mehrerer Prämienerhöhungen für das laufende Jahr einen Rekordumsatz in Aussicht stellen. Der Konzern ist mit seiner Tochter Ergo auch im Erstversicherungsgeschäft einer der wichtigsten Anbieter in Deutschland. Bei der Erhöhung der Prämien will es die Branche aber nicht belassen. Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek plädierte vor wenigen Tagen dafür, Naturkatastrophen durch Renaturierung von Flussläufen und die Einrichtung von Frühwarnsystemen besser in den Griff zu bekommen. Dies sei in jedem Fall billiger, als in immer kürzeren Abständen staatliche Milliardenbeträge für Hochwasserschäden auszugeben.

Verbraucherschützer aber auch Experten wie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer halten eine Pflichtversicherung für sinnvoll, um finanzielle Katastrophen zu verhindern, wie sie vielen Hausbesitzern nach der Flutkatastrophe in Deutschland nun drohen. Die Vertreter der Versicherungsbranche wollen im Herbst Vorschläge präsentieren, wie eine höhere "Versicherungsdichte" erreicht werden kann. "Über 99 Prozent aller Gebäude können per Elementarschadenversicherung problemlos versichert werden. In 90 Prozent der Fälle kostet eine entsprechende Versicherung nur rund 100 Euro zusätzlich jährlich", so Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes GDV.

Schäden bleiben versicherbar

Dass Versicherer Risiken infolge des Klimawandels gar nicht mehr versichern würden, sei derzeit nicht zu befürchten; vorausgesetzt, entsprechende Präventionsmaßnahmen für Industrie und Hausbesitzer würden ergriffen. "Wir müssen den menschengemachten Klimawandel begrenzen, so wie es im Abkommen von Paris vereinbart ist. Dann bleiben die künftigen Schäden durch die Folgen des Klimawandels auch versicherbar", so Asmussen.