Jeff Bezos vor der Blue Origin Rakete New Shepard

Online-Auktion Jeff Bezos versteigert Flug ins All

Stand: 06.05.2021 10:50 Uhr

Amazon-Gründer Jeff Bezos will mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin schon im Juli erstmals Touristen ins All befördern. Damit beginnt eine neue Episode im "Krieg der Sterne" mit seinem Rivalen Elon Musk.

Das US-Raumfahrtunternehmen Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos hat seinen ersten bemannten All-Flug mit Touristen an Bord für Juli angekündigt. Ein Platz in der Rakete "New Shepard" mit ihren großen Panoramafenstern wird versteigert. "Dieser Sitz wird verändern, wie du die Welt siehst", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Platz für sechs Menschen

Insgesamt haben in der Astronauten-Kapsel sechs Menschen Platz. Wer auf den anderen Sitzen Platz nehmen soll, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit. Eines ist aber gewiss: Das Auktionsspektakel selbst ist komplett durchorchestriert.

Seit Mittwoch und bis zum 19. Mai können Interessenten geheim bieten - einen beliebigen Betrag, ihr Gebot wird nicht öffentlich gemacht. Ab dem 19. Mai werden die Gebote öffentlich, und Teilnehmer müssen das höchste Gebot übertrumpfen, um in der Auktion zu bleiben. Am 12. Juni findet zum Abschluss eine Live-Auktion statt, bei der schließlich der Gewinner ermittelt wird.

Vier Minuten Schwerelosigkeit

Der Höchstbietende soll für sein Geld einen rund zehnminütigen Flug erhalten in eine Höhe von etwas mehr als 100 Kilometern und dann zurück zur Erde. Vier Minuten davon sollen die Passagiere oberhalb der sogenannten Kármán-Linie verbringen, die die Grenze zwischen der Erdatmosphäre und dem Weltraum markiert. Die Crew an Bord kann dann Schwerelosigkeit erleben und die Krümmung der Erde vom Weltraum aus betrachten. Der Start sei für den 20. Juli geplant, hieß es.

Passagiere in der Raketenkapsel von Blue Origins New Shepard

So sieht die Raketenkapsel von Blue Origin von innen aus.

Die Passagierkapsel wird von einer kleinen, wiederverwendbaren Rakete angetrieben, die nach dem Erreichen der Flughöhe getrennt von der Kapsel zur Erde zurückkehren soll. Die Kapsel selbst gleitet von Fallschirmen gebremst zurück zur Erdoberfläche.

Erster bemannter Flug

Geht es nach Bezos, wäre der erste Touristen-Flug seiner Raumfahrtfirma erst der Anfang: Blue Origin möchte künftig Touristen kurze Reisen in den Weltraum anbieten. Mit Menschen an Bord ist die Passagierrakete "New Shepard" zwar noch nie geflogen. Sie hat aber bereits 15 unbemannte Testläufe erfolgreich absolviert, den letzten davon im April.

Teststart der Blue Origin Rakete New Shepard

Teststart der New-Shephard-Rakete.

Mit der Ankündigung eines ersten Touristen-Fluges geht der Wettstreit zwischen Jeff Bezos und Elon Musk um das Weltraum-Geschäft in eine neue Runde. Zuletzt hatte das von Musk gegründete Raumfahrtunternehmen SpaceX punkten können und den NASA-Auftrag um die neue Mondfähre gewonnen, die ab 2024 wieder US-Astronauten auf den Erdtrabanten bringen soll.

Egos im Wettstreit

Bezos' Firma legte daraufhin vergangene Woche Widerspruch beim US-Rechnungshof wegen einer "fehlerhaften" Ausschreibung ein und warnte, die Entscheidung der US-Raumfahrtbehörde für SpaceX gefährde "Amerikas Rückkehr zum Mond". Musk reagierte mit einem Kommentar unterhalb der Gürtellinie: "Kriegt ihn nicht hoch (in den Orbit)", spottete er in Online-Netzwerken über Blue Origin.

"Das ist mehr als eine Schlacht im Weltraum", sagt Analyst Daniel Ives von der US-Investmentfirma Wedbush Securities mit Blick auf Musk und Bezos. "Da kommen auch ein paar Egos ins Spiel."

Milliardenerlöse durch Aktienverkauf

Während Musk derzeit im All in Führung liegt, hat Bezos bei den finanziellen Mitteln die Nase vorn. Mit einem geschätzten Vermögen von aktuell 191 Milliarden Dollar ist Bezos laut "Forbes" der reichste Mensch der Welt. Der 49-jährige Musk belegt derzeit mit knapp 166 Milliarden Dollar den dritten Platz.

Bezos hat allein in dieser Woche Aktien seines Konzerns im Wert von fast zwei Milliarden Dollar verkauft. Das ging am Mittwoch (Ortszeit) aus Mitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC hervor. Bezos hatte in jüngerer Vergangenheit schon mehrmals in größerem Stil Amazon-Aktien zu Geld gemacht. Im Februar und November 2020 trennte er sich von Papieren im Wert von insgesamt über sieben Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Mai 2021 um 06:38s Uhr.

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Moderation 06.05.2021 • 21:46 Uhr

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