Eine Frau arbeitet im Homeoffice | dpa

Studie der Böckler-Stiftung Jeder Vierte arbeitet im Homeoffice

Stand: 16.02.2021 09:44 Uhr

Im Januar hat einer neuen Studie zufolge fast ein Viertel aller Beschäftigen die Arbeit von Zuhause aus erledigt. Die neue Homeoffice-Verordnung zeigt offenbar Wirkung. Experten halten das Potenzial indes für höher.

Eine aktuelle repräsentative Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung hat ergeben, dass rund ein Viertel der Erwerbstätigen im Januar im Homeoffice gearbeitet hat. Damit nähert sich die Quote wieder dem Wert aus dem Monat April 2020 an. Damals waren es 27 Prozent der Erwerbstätigen.

Im November hatten der Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung zufolge lediglich 14 Prozent der Erwerbstätigen von zu Hause aus gearbeitet, im Dezember dann 17 Prozent.

Regierungsverordnung wirkt offenbar

Die neue Homeoffice-Verordnung der Bundesregierung hat dabei offenbar eine wesentliche Rolle gespielt. Wenn möglich, müssen Arbeitgeber den Beschäftigten nun das Arbeiten von Zuhause aus anbieten. Gezwungen werden können Arbeitnehmer dazu aber nicht.

Rund ein Drittel der Befragten, die aktuell vorwiegend oder ausschließlich zu Hause arbeiten, gaben an, dass die Regierungsverordnung ein Grund für ihren Wechsel ins Homeoffice gewesen sei. Oftmals habe der Arbeitgeber den Wechsel erst nach der Verordnung ermöglicht. Medizinische Experten empfehlen dringend, das Homeoffice zu nutzen, um Kontakte einzuschränken und das Infektionsrisiko zu senken.

Ungenutztes Potenzial?

Aber das Potenzial für Arbeit im Homeoffice ist der Befragung zufolge noch deutlich größer. Rund 39 Prozent der Befragten gaben im Januar an, sie könnten ihren Beruf uneingeschränkt oder zu einem großen Teil in Heimarbeit erledigen.

In manchen Firmen scheine es aber "immer noch Druck auf die Beschäftigten zu geben, im Betrieb zu arbeiten, auch wenn dies zumindest nach Einschätzung der Beschäftigten nicht nötig wäre", sagte WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch.

Die gewerkschaftsnahe Stiftung hat sich in den vergangenen Monaten auch kritisch mit dem Thema Homeoffice auseinandergesetzt. Frühere Umfragen hatten ergeben, dass zwar 77 Prozent der Befragten der Ansicht waren, das Homeoffice erleichtere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch gaben 60 Prozent an, die Arbeit effektiver organisieren zu können als im Betrieb. Allerdings hatten demnach auch 60 Prozent der Befragten den Eindruck, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.

Die Hans-Böckler-Experten sprachen sich für klare Regeln aus. Sie empfehlen etwa zeitliche Obergrenzen, Zeiterfassung und realistische Arbeitsvorgaben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Februar 2021 um 08:01 Uhr.