Eingang der Bank Monte dei Paschi | REUTERS

Verhandlungen mit UniCredit Verkauf der Krisenbank Monte dei Paschi geplatzt

Stand: 24.10.2021 21:38 Uhr

Der Verkauf der Krisenbank Monte dei Paschi an UniCredit ist gescheitert. Uneinigkeit habe vor allem über weitere Kapitalspritzen bestanden, sagten Insider. Nun muss Mehrheitseigner Italien einen anderen Weg finden, das Geldhaus zu retten.

Der mögliche Verkauf der verstaatlichten italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) an den Rivalen UniCredit ist geplatzt. Die Verhandlungen seien abgebrochen und würden auch nicht mehr fortgesetzt, teilten UniCredit und das Wirtschaftsministerium mit.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtet, die Gespräche seien wegen Unstimmigkeiten über eine weitere Kapitalspritze für Monte dei Paschi sowie über die Geschäfte, die auf UniCredit übertragen werden sollen, gescheitert.

Unterschiede bei Bewertung

Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, beide Seiten seien sich bei finanziellen Aspekten nicht einig geworden. So habe UniCredit gefordert, dass der Staat angesichts erforderlicher Korrekturen in den Büchern der MPS weitere 6,3 Milliarden Euro in Monte die Paschi stecken müsse. Das Finanzministerium habe diese Anpassungen aber in weiten Teilen für nicht gerechtfertigt gehalten.

Zudem habe Unicredit die Teile der MPS, die sie habe kaufen wollen, mit nur 1,3 Milliarden Euro bewertet. Das Finanzministerium sei indes von 3,6 bis 4,8 Milliarden Euro ausgegangen. Somit hätten die Forderungen der UniCredit das Ziel der Regierung durchkreuzt, die MPS nicht unter Wert zu verkaufen. Die UniCredit wollte sich zu den Angaben nicht äußern.

Mit 5,4 Milliarden Euro 2017 gerettet

Das Aus erschwert die Bemühungen von Ministerpräsident Mario Draghi, die Monte dei Paschi wie mit der EU vereinbart bis Mitte 2022 wieder zu verkaufen. Italien hatte die älteste Bank der Welt 2017 mit 5,4 Milliarden Euro vor dem Kollaps gerettet und hält seitdem 64 Prozent der Anteile, die sie bis Jahresende abgeben muss.

Nun muss Italien eine Genehmigung aus Brüssel einholen, mehr Geld in die Krisenbank pumpen zu dürfen, ohne ein Szenario für den Ausstieg des Staates bei der MPS zu haben. Die mehrere Hundert Jahre alte Monte dei Paschi gilt als der größte Sanierungsfall des italienischen Bankensektors.

Gibt es einen Plan B?

Die Regierung hatte seit langem eine Fusion mit einem stärkeren Partner als beste Lösung für die toskanische Bank gesehen. UniCredit und Italien verhandelten seit Monaten über die Einzelheiten eines komplexen Deals, der letztendlich die Zerschlagung von Monte dei Paschi bedeutet hätte.

Ein Insider sagte, die Regierung könnte nun einen "Plan B" ausarbeiten. Diese habe bereits mögliche Vorteile einer Eigenständigkeit der MPS geprüft. Das Finanzministerium könnte eine Kapitalerhöhung von mehreren Milliarden Euro vornehmen. Die Regierung werde dazu wahrscheinlich das Management bei Monte dei Paschi umbauen und die faulen Kredite der MPS an die staatliche Auffanggesellschaft AMCO übertragen.