Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | dpa

Kampf gegen den Klimawandel Firmen wollen weniger investieren

Stand: 30.11.2021 11:23 Uhr

Deutsche Unternehmen wollen weniger investieren. Dabei macht gerade der Kampf gegen den Klimaschutz erhebliche Investitionen notwendig. Wo liegen die Gründe für die mangelnde Bereitschaft?

Von Lilli Hiltscher, tagesschau.de

Um die deutsche Industrie fit für den Kampf gegen den Klimawandel zu machen, müssten Unternehmen deutlich mehr Geld in neue Produkte stecken. Doch immer mehr Firmen wollen genau diese Investitionen nicht tätigen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor. Nur 35 Prozent der Industrieunternehmen wollen aktuell noch in Klimaschutzmaßnahmen investieren - damit sank die Bereitschaft seit Jahresbeginn um zwei Prozentpunkte. Auch Unternehmen des deutschen Mittelstands sind zurückhaltend: Hier wollen nur noch 30 Prozent der Unternehmen mehr Geld für den Kampf gegen den Klimawandel ausgeben.

Lilli Hiltscher

Investitionen der Industrie sanken

Deutsche Unternehmen investierten, bedingt durch die Corona-Krise, zuletzt so wenig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Investitionen der Branche sanken um fast 14 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zwar stimmen die vollen Auftragsbücher optimistisch, und die meisten Unternehmen wollen ab dem kommenden Jahr auch wieder mehr investieren. Dies hängt aber auch von der Pandemie-Entwicklung ab.

Momentan werden nach Angaben des DIHK aber vor allem Maßnahmen für den Klimaschutz zurückgestellt: "Steigende Energie- und Rohstoffpreise, der zunehmende Fachkräftemangel und im internationalen Vergleich höhere Belastungen durch die deutsche Klimapolitik könnten diese Pläne verhageln", sagt DIHK-Präsident Peter Adrian.

Trend zu mehr Klimaschutz

Dabei ging der Trend zuletzt noch in die entgegensetzte Richtung: 2019 waren die Ausgaben für den Klimaschutz mit insgesamt rund 3,46 Milliarden Euro so hoch wie noch nie. Damit haben sich die Investitionen für den Kampf gegen den Klimawandel innerhalb von zehn Jahren verdoppelt, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Die Behörde sieht vor allem gesetzliche Regelungen wie auch staatliche Förderprogramme als Grund für die gestiegenen Investitionen im Jahr 2019.

Ampel setzt auf private Investitionen

Die Ampelparteien wollen an die Zahlen von 2019 anknüpfen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Neben staatlicher Förderung wollen sie aber besonders die privaten Investitionen stärken. Besonders die staatliche Förderbank KfW will die Ampel stärker in den Blick nehmen: Sie soll weiter ausgebaut werden und Investitionen der Privatwirtschaft besser unterstützen.

Auch andere andere Ansätze des Koalitionsvertrages gehen in die richtige Richtung, so Adrian: "Dazu zählen etwa die vollständige Übernahme der EEG-Umlage in den Bundeshaushalt ab 2023, der Verzicht auf kurzfristige Preiserhöhungen im nationalen Emissionshandel sowie mehr Unterstützung für den Wasserstoff-Hochlauf." Außerdem sollen Kosten für Klimaschutzmaßnahmen und digitale Güter in den kommenden Jahren vom steuerlichen Gewinn abgezogen werden können. Doch das reiche nicht aus: "Um tatsächlich zum Gestalter der Transformation zu werden, brauchen die Industrieunternehmen deutlich mehr Anreize für Investitionen", fordert der DIHK-Präsident.

Steigende Energiepreise werden zum Problem

Ein Problem für den Standort Deutschland seien etwa die hohen Energiepreise, so Adrian: "Nachdem Deutschland bei den Strompreisen bei fast allen gewerblichen Verbrauchern europäischer Spitzenreiter ist, schlägt sich seit Jahresanfang die nationale CO2-Bepreisung auf fossile Brenn- und Treibstoffe zusätzlich nieder." 28 Prozent der Unternehmen würden deshalb ihre Investitionen zurückfahren.

Dennoch haben die Unternehmen die Notwendigkeit der Investitionen in Umweltschutz erkannt: 26 Prozent nannten dies in der aktuellen DIHK-Umfrage als Hauptgrund für Investitionen. Denn mit Investitionen in erneuerbare Energien könnten die hohen Preise umgangen werden. Damit setze sich ein langfristiger Trend fort, der momentan allerdings durch die Auswirkungen der Corona-Krise ausgebremst wird.