Instagram Foto | AP

Studie unter Verschluss Instagram schadet jungen Mädchen

Stand: 16.09.2021 10:21 Uhr

Instagram schadet der mentalen Gesundheit von vielen Jugendlichen. Die Muttergesellschaft Facebook hat entsprechende interne Erkenntnisse offenbar bewusst unter Verschluss gehalten.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Wer junge Menschen nach ihrer Instagram-Nutzung befragt, bekommt schnell kritische Töne zu hören: "Wir alle wissen, wie schädlich Instagram ist, es geht vor allem ums Vergleichen", erzählt beispielsweise Brynn, und Marianne aus Los Angeles sagt: "Ich habe mich als Außenseiterin gefühlt, nicht zugehörig, wegen Instagram." Die 16-jährige Natalia sagt, sie nutze die Plattform weniger, sie sehe, dass viele ihrer Freundinnen davon besessen seien: "Es schürt viele falsche Erwartungen, was Leute tun sollten. Die sozialen Medien repräsentieren eine Person nicht als Ganzes!"

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Facebook hielt Daten unter Verschluss

Die Kritik, dass sich die Plattform Instagram vor allem negativ auf junge Mädchen auswirkt, ist nicht neu. Doch offenbar hat der Mutterkonzern Facebook eigene Daten, die zu diesem Ergebnis kommen, teils jahrelang unter Verschluss gehalten. Dies hat das "Wall Street Journal" (WSJ) aufgedeckt.

Den Journalisten seien entsprechende Dokumente einer internen Präsentation zugespielt worden, erzählt einer der Autoren des Artikels, Jeff Horwitz, dem TV-Sender CNBC: "Der Satz lautete: 'Wir verschlechtern das Körperbild bei einem von drei Mädchen im Teenager-Alter.' Und das kann zum Teil lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Etwa sechs Prozent der Nutzer in den USA, die sich selbst verletzt haben, konnten das direkt auf Instagram zurückführen." 

Zuckerberg behauptet öffentlich das Gegenteil

Besonders pikant: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte vor dem US-Kongress betont, dass soziale Medien positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit von Menschen hätten.

22 Millionen Jugendliche nutzen täglich Instagram allein in den USA. Zum Kommunizieren mit Freunden, um sich zu informieren oder unterhalten. Psychologen betonen immer wieder, dass viele der perfekten Bilder auf Instagram Druck ausüben. "Es führt dazu, sich selbst nicht gut genug zu finden, führt zu Depressionen. Essstörungen. Es wird schlimm, wenn man glaubt, das was man dort sieht, wahr ist", so Psychologe Brad Klontz bei CNBC.

Doch Instagram sei für das Unternehmen Facebook das Tor zur jungen Zielgruppe, meint WSJ-Journalistin Georgia Wells im Interview mit Fox News: "Auch wenn Facebooks Daten zeigen, dass Instagram schädlich für Teenie-Mädchen ist, wollen sie noch mehr junge User erreichen. Das ist lebenswichtig für den Umsatz, und sie wollen ihrer Plattform nicht schaden."

Facebook interpretiert Zahlen anders

Facebook äußerte sich zu dem Artikel der Zeitung in Form eines Blogposts. Dort hieß es, 81 Prozent der Jugendlichen würden sich durch soziale Medien stärker mit ihren Freunden verbunden fühlen. 26 Prozent gäben an, sich durch soziale Netzwerke schlechter zu fühlen. Die Journalisten des WSJ hätten die Studiendaten in ein negatives Licht gerückt.

Ändern will man bei Instagram wohl erst einmal nichts. Das sei ein Unding, meint Psychologieprofessor Jonathan Haidt im US-Fernsehen: "Ich kann mir kein Produkt vorstellen, dass, wenn es einem Drittel  seiner erwachsenen Kundschaft schadet, weiter auf dem Markt sein darf."

Politik erhöht Druck auf Instagram

In den USA hat sich nun auch die Politik eingeschaltet und Instagram beziehungsweise die Muttergesellschaft Facebook unter Druck gesetzt. Dabei geht es um das geplante Projekt, Instagram für Kinder unter 13 Jahren zu entwickeln. Mehrere Senatoren schrieben Zuckerberg an, angesichts dieser Erkenntnisse die Pläne für solch ein "Kinder-Instagram" endgültig aufzugeben. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. September 2021 um 06:41 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sausevind 16.09.2021 • 21:44 Uhr

18:13 von Schrägdenker

"Glücklicherweise haben wir vieles richtig gemacht und nicht nur Medienkompetenz, sondern auch gesunde Distanz zu Social media bzw. kritischen Umgang vermitteln können. Leider ist dies jedoch mittlerweile eine Seltenheit." ,.,., Wie kommen Sie auf die Idee, dass das "mittlerweile eine Seltenheit" ist? Ich denke, das haben Sie geflunkert, aus welchen Gründen auch immer. Und ebenso frage ich mich, wieso manche Eltern sich einbilden, etwas "vermittelt" zu haben, nur weil ihre Kinder dies und jenes nicht tun? Muss gar nichts mit den Eltern zu tun haben. Auch junge Menschen sind selber wer und können sich für etwas entscheiden.