Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | dpa

"Made in Germany" Corona forciert Strukturwandel

Stand: 23.04.2021 15:00 Uhr

Bringt die Corona-Krise das Gütesiegel "Made in Germany" zu Fall, oder ermöglicht sie neue Chancen für die Wirtschaft? Die Industrie gibt sich gerüstet für Veränderungen.

Der Einschnitt der Corona-Rezession sei mehr als eine einfache Konjunkturkrise, stellte Friedrich Heinemann, Experte beim ZEW, bereits im vergangenen Jahr fest. "Die deutsche Politik und Gesellschaft muss einen Fehler nun unbedingt vermeiden: Und das wäre, der erfolgreichen Rettungspolitik eine chancenlose Konservierungspolitik mit Subventionierung der Vor-Corona-Welt folgen zu lassen." Die anhaltende Pandemie werde den Strukturwandel in Richtung der digitalen Ökonomie nun rasch beschleunigen, so der Fachmann.

Alle Bürger spüren den Wandel längst, denn der Trend zur Digitalisierung hat sich massiv beschleunigt. Das betrifft bei weitem nicht nur die persönliche Arbeitswelt oder das Homeoffice. Wie eine aktuelle Umfrage des ifo-Instituts heute zeigt, droht die zunehmende Digitalisierung des Einzelhandels und der Trend zum Online-Einkauf, im Ergebnis zu verödeten Innenstädten zu führen. Das hätte gravierende Folgen für die Lebenswirklichkeit der Menschen. Hier hat die Digitalisierung Konsequenzen, die für alle sichtbar sein werden.

Vorteil bei der Industrie

Aber auch in der Industrie gibt es den Druck zur Veränderung. Dabei ist sie bislang anders als andere Branchen, etwa die Dienstleister, gut durch die Krise gekommen, wie Konjunkturdaten aus Deutschland immer wieder zeigen.

Denn Deutschland hat in diesem Segment einen gewissen Vorsprung: "Der Industrieanteil hierzulande beträgt 20 Prozent", erklärt Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Er ist während der Finanzmesse Invest digital zu Gast auf der ARD- und Phoenix-Bühne zum Thema "Corona attackiert Made in Germany - Endspiel oder Neuanfang?". Kein Land habe so viel Industrie wie Deutschland, so der Experte.

Weltspitze bei Zukunftstechnologien

Die Pandemie beschleunigt hier Veränderungen, die für viele Bürger nicht unmittelbar sichtbar sind. Deutschland sei führend im Bereich von Zukunftstechnologien, unterstreicht Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister von Tübingen.

Es gebe viele kreative Menschen hierzulande, auch die Universitäten würden einen wichtigen Beitrag für den Standort leisten: "Bei Impftechnologien und im Bereich Künstliche Intelligenz sind wir Weltspitze." Über die Hälfte der Patente für autonomes Fahren komme aus Deutschland, unterstreicht Hüther eine allgemein wenig bekannte Tatsache.

Wird es der Wettbewerb richten?

"Unsere Wirtschaft ist industriebasiert, und daraus resultiert auch die Art der digitalen Transformation", führt der Chef des arbeitgebernahen IW aus. Für die Öffentlichkeit sei beispielsweise das Thema Industrie 4.0 sehr abstrakt. Damit ist die digitale und vernetzte Industrie gemeint. Der Staat müsse den Unternehmen beim Wandel einen verlässlichen Rahmen und die erforderliche Infrastruktur bieten.

Vor allem der Wettbewerb spielt für Hüther bei der Bewältigung der Corona-Krise und eine entscheidende Rolle: "Wettbewerb ist immer ein Neuanfang."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. April 2021 um 14:07 Uhr.