Impfampullen mit Biotech Impfstoff steht für die Vorbereitung zum Impfung bereit. | dpa
Hintergrund

Impfstoffe von BioNTech und Moderna Geht es ohne den "Rolls-Royce"?

Stand: 22.11.2021 19:07 Uhr

Corona-Impfstoff dürfte reichlich vorhanden sein - doch können alle, die sich für Impfung oder Booster das Vakzin von BioNTech wünschen, es auch erhalten? Die Lieferzusagen der Hersteller im Überblick.

BioNTech bleibt der Impfstoff, den die Deutschen am meisten nachfragen. Laut Gesundheitsministerium entfielen zuletzt 90 Prozent aller Bestellungen von Ländern und Praxen auf diesen Impfstoff. Und die Nachfrage steige von Woche zu Woche, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Gestern und heute würden insgesamt sechs Millionen Dosen des Mainzer Herstellers ausgeliefert. "Das muss jetzt erst einmal verimpft werden", so der Minister.

Dennoch wirbt Spahn verstärkt für den Impfstoff von Moderna. Nach Aussage mancher impfenden Ärzte sei das Vakzin der Hersteller BioNTech und Pfizer der "Mercedes", das von Moderna der "Rolls-Royce", sagte der CDU-Politiker. Beide Impfstoffe seien sehr sicher und wirksam. Dass Spahn sich so stark für das Vakzin des US-Herstellers einsetzt, hat viel mit den erwarteten Impfstoff-Lieferungen zu tun: Im Dezember erwartet das Gesundheitsministerium mehr Impfdosen von Moderna als von BioNTech.

Was Moderna von BioNTech unterscheidet

Die Wirkstoffe Comirnaty von BioNTech/Pfizer und Spikevax von Moderna sind hinsichtlich ihrer Wirkung und Verträglichkeit fast identisch - und verwenden beide die mRNA-Technologie. Sie unterscheiden sich aber bei der Lagerung: Comirnaty kann bis zu neun Monate bei minus 90 bis minus 60 Grad gelagert werden - und unverdünnt im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad maximal weitere 31 Tage, inklusive der Zeit zum Auftauen und für den Transport.

Der Impfstoff von Moderna wird hingegen bei weniger extremen Temperaturen von minus 25 bis minus 15 Grad gelagert und ist laut Hersteller unter diesen Bedingungen ungeöffnet sieben Monate haltbar. Eine Lagerung im Kühlschrank ist daraufhin ungeöffnet für 31 Tage möglich, wobei 12 Stunden zum Transport verwendet werden können.

Studien haben auch ergeben, dass die Impfreaktionen bei beiden Vazkinen sehr gering sind. Für beide Impfstoffe gilt zudem seit August eine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Personen ab 12 Jahren. Die STIKO empfiehlt allerdings, die Anwendung von Moderna auf die Altersgruppe ab 30 Jahren zu beschränken, weil das Risiko für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach der Impfung mit Spikevax bei Jüngeren als höher gilt als nach einer Impfung mit Comirnaty von BioNTech/Pfizer.

BioNTech-Lager leert sich rapide

Den bisherigen Angaben zufolge sollten 32 Millionen Dosen des US-Herstellers in Deutschland eintreffen, aber nur 11,2 Millionen Dosen von BioNTech. Wegen der vorhandenen Lagerbestände und der Lieferungen in dieser Woche stünden damit bis Jahresende rund 24 Millionen Impfdosen von BioNTech zur Verfügung - bei erwarteten rund 30 Millionen Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen. Ursprünglich waren es mehr, denn allein im November sollen 8,75 Millionen BioNTech-Dosen über die COVAX-Initiative an Drittstaaten gespendet werden.

Kann also nicht jeder Impfwillige mit BioNTech versorgt werden? Spahn räumte ein, dass sich das BioNTech-Lager "so schnell leert, dass wir ab der nächsten Woche vorübergehend nicht mehr als zwei bis drei Millionen Dosen pro Woche zur Verfügung stellen können". Also soll vermehrt Moderna eingesetzt werden. BioNTech könnte künftig auch vermehrt für die Impfung von Kindern gebraucht werden. Eine Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA über die Zulassung des Impfstoffs für Kinder zwischen fünf und elf Jahren wird demnächst erwartet.

50 Millionen Dosen bis Jahresende

Allerdings soll in jeden Fall genug Vakzin für alle vorhanden sein, die sich impfen oder boostern lassen wollen. Mit den 43 Millionen Dosen, die bislang allein im Dezember geliefert werden sollten, und den gut sieben Millionen Dosen BioNTech und Moderna, die bereits auf Lager sind, stehen laut Gesundheitsministerium gut 50 Millionen Dosen mRNA-Impfstoff zur Verfügung.

BioNTech will zudem möglicherweise Lieferungen an Deutschland über die vereinbarte Menge hinweg ausweiten. Aktuell prüfe das Unternehmen, ob und gegebenenfalls wie viele Dosen kurzfristig und zusätzlich geliefert werden könnten, erklärte eine Firmensprecherin. Die "Bild"-Zeitung berichtete, BioNTech sei bereit, Deutschland kurzfristig zehn Millionen Impfdosen außerplanmäßig zu liefern. Über Umdisponierungen bei Lieferungen an andere Staaten sei dies noch im November und Dezember möglich. Minister Spahn kündigte vor der Gesundheitsministerkonferenz an, BioNTech werde bereits in der kommenden Woche eine Million Dosen vorzeitig ausliefern.

Nur noch mRNA-Impfstoffe

Dabei sind die Impfstoffe von BioNTech und Moderna nach Angaben des Charité-Experten Leif Erik Sander gleichermaßen für die Grundimmunisierung und das Boostern geeignet. Auch eine Kreuzimpfung mit beiden Stoffen sei sicher und gut verträglich, sagte der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung der Charité in Berlin. Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEID) bewertet die Corona-Impfstoffe von Moderna und BioNTech als gleichwertig. Ihr Wirkungsgrad liege bei mehr als 90 Prozent, sagte Institutspräsident Klaus Cichutek in Berlin.

Die beiden sogenannten Vektorimpfstoffe Vaxzevria von AstraZeneca und Janssen von Johnson & Johnson werden in Deutschland gar nicht mehr verimpft. Deshalb soll die gesamte Lieferung der 26,6 Millionen Dosen Johnson & Johnson, die im vierten Quartal hierzulande erwartet wird, an Drittstaaten gespendet werden. Auch die 14 Millionen Dosen AstraZeneca, die Deutschland für das vierte Quartal bestellt hat, sollen komplett an Drittländer weitergereicht werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. November 2021 um 22:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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Parsec 22.11.2021 • 20:01 Uhr

BioNTec oder moderna ist keine Frage mehr

TS: "Kann also nicht jeder Impfwillige mit BioNTech versorgt werden?" . Diese Frage würde sich nicht stellen, wäre die Kommunikation nicht so unprofessionell gelaufen, was die Verfügbarkeit des BioNTech-Impfdtoffes betrifft. Bei ruhiger und eindringlicher Aufklärung würden möglicherweise eine nicht unerhebliche Anzahl Dritt-Impflinge zu Moderna umschwenken, wenn sie die Wahl hätten. . Sehr zu empfehlen: wiso heute im ZDF läuft mit einem äußerst informativen Interview mit einem Fachmann zu den zur Verfügung stehenden Impfstoffen. In der Mediathek dürfte es die Wiederholung geben. Sicherlich gibt es auch aus anderer Quelle dieselben Informationen. Fazit: egal, welchen mRNA-Impfstoff man zur Auffrischungsimpfung nimmt, man ist danach immer sehr gut geschützt. Eine "Boosterung" mit Moderna ist unabhängig vom Impfstoff aus der Zweit-Impfung (biontech, moderna, astrazeneca, Johnson&Johnson) die Wahl mit etwas höherem Schutzeffekt.