Corona-Impfstoff | dpa

Von Pfizer bis CureVac Wer mit Impfstoffen Geld verdient

Stand: 02.02.2021 15:57 Uhr

Der Konzern AstraZeneca will seinen Corona-Impfstoff zum "Selbstkostenpreis" abgeben - solange die Pandemie andauert. Andere Hersteller erwarten das Geschäft ihres Lebens: Das zeigen die neuesten Pfizer-Zahlen.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

"Wer am Ende einen Corona-Impfstoff hat und den vertreiben kann, der wird mit diesem Mittel sehr viel Geld verdienen", prophezeite im vergangenen Herbst Gabriel Felbermayr, der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Tatsächlich sind die Erwartungen immens. US-Analysten sprechen von bis zu 50 Milliarden Dollar zusätzlichen Einnahmen in diesem Jahr.

Dabei kommt es natürlich auf die Menge der verkauften Vakzine an. Denn spätestens seit einem inzwischen gelöschten, aber nie dementierten Tweet der belgischen Staatssekretärin Eva De Bleeker sind die zuvor geheim gehaltenen Preise bekannt. Demnach kostet eine Dosis des Moderna-Impfstoffs umgerechnet rund 15 Euro, eine von BioNTech/Pfizer zwölf Euro, eine von AstraZeneca nur 1,78 Euro.

Doch die Zahl der erwarteten Impfdosen geht in die Milliarden. Allein das Mainzer Unternehmen BioNTech will 2021 gemeinsam mit seinem Partner Pfizer zwei Milliarden Dosen seines Vakzins herstellen und damit die bisher erwartete Produktion von 1,3 Milliarden Dosen um mehr als 50 Prozent steigern.

Aktienkurse vervielfacht

Basierend auf diesen Zahlen und der Aussicht auf milliardenschwere Geschäfte mit den neuen Vakzinen sind die Aktienkurse einiger Impfstoffhersteller in die Höhe geschossen. So hat sich der Wert von BioNTech im vergangenen Jahr verdreifacht - auf inzwischen fast 27 Milliarden Dollar. Hinter diesem Höhenflug steht die Erwartung, dass das Unternehmen im laufenden Jahr einen Umsatz von gut 6,5 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von 4,4 Milliarden Euro erzielen wird - verglichen mit einem Verlust von 270 Millionen Euro bei einem Umsatz von knapp 500 Millionen im letzten Jahr.

Die Schätzungen zeigen, welche Dimensionen die Herstellung und der Vertrieb des Corona-Impfstoffs angenommen haben. Auch für Moderna als verhältnismäßig kleines und junges Biotech-Unternehmen verspricht der Impfstoff ein gigantisches Geschäft. Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass das erst 2010 in Cambridge, Massachusetts, gegründete Unternehmen in diesem Jahr einen Umsatz von 13,2 Milliarden Dollar mit dem Impfstoff erwirtschaften wird. Ein Quantensprung für ein Unternehmen, dessen Umsatz noch 2019 bei bescheidenen 60 Millionen Dollar lag. Inzwischen ist Moderna an der Börse 62 Milliarden Dollar wert, in etwa so viel wie der ungleich größere deutsche Bayer-Konzern.

Pfizer erwartet 15 Milliarden Dollar Mehreinnahmen

Gesetzte Pharmakonzerne wie die weltweite Nummer drei der Branche, das US-Unternehmen Pfizer, werden ebenfalls an den Covid-Impfstoffen mitverdienen. Der New Yorker Konzern erhofft sich im laufenden Jahr von dem gemeinsamen Vakzin mit BioNTech Einnahmen von 15 Milliarden Dollar, was rund ein Viertel des Gesamtumsatzes entspricht.

Für das Gesamtjahr erwartet das Management einen Umsatzsprung auf bis zu 61,4 Milliarden Dollar - rund 47 Prozent mehr als im Vorjahr. Pfizer machte den Angaben zufolge schon im Schlussquartal mit dem Medikament 154 Millionen Dollar Umsatz. Der Gewinn pro Aktie dürfte nach derzeitigen Annahmen um 40 Prozent auf 3,10 bis 3,20 Dollar steigen.

Aufhorchen ließ in diesem Zusammenhang die Zusage des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca, seinen Corona-Impfstoff zum "Selbstkostenpreis" abzugeben, damit also keinen Gewinn machen zu wollen. Allerdings ist dieses Versprechen offenbar zeitlich begrenzt. Wie die "Financial Times" unter Berufung auf ein internes Dokument berichtete, verfällt dieses Angebot im Juli. Ein kleiner, aber wichtiger Zusatz der Aussage von Konzernchef Pascal Soriot hatte darauf hingedeutet, dass der Selbstkostenpreis nur gelte, "solange die Pandemie andauert".

Milliarden an Fördergeldern

Ein konkretes Datum hatte AstraZeneca zwar nicht genannt. Aber aus der Absichtserklärung zwischen dem Konzern und der brasilianischen Gesundheitsbehörde geht hervor, dass der Konzern ein Ende der Pandemie für diesen Sommer eingeplant hat. Ob das auch so kommt, bleibt abzuwarten. AstraZeneca will das nicht kommentieren.

Gut möglich also, dass der Preis für die Impfstoffdosen ab der zweiten Jahreshälfte teurer wird. Die Hersteller verweisen auf die hohen Kosten, die sie in die Entwicklung sowie in die Produktion investiert haben. Allerdings haben die Firmen auch viele Milliarden Dollar an Fördergeldern für die rasche Entwicklung der Impfstoffe erhalten. So bekam Moderna 955 Millionen Dollar, Pfizer 1,95 Milliarden Dollar. Die deutschen Firmen BioNTech, CureVac aus Tübingen und IDT Biologika aus Dessau erhielten insgesamt 750 Millionen Euro Fördergelder.

Nur von begrenzter Dauer?

CureVac, das einen Corona-Impfstoff für diesen Sommer in Aussicht stellt, hat bereits angekündigt, dass es damit auch Geld verdienen will. "Wir können das nicht zum Selbstkostenpreis machen. Wir haben Investoren, die seit zehn Jahren Geld in das Unternehmen stecken, also sollte es eine kleine Rendite für sie geben", sagte CureVac-Finanzchef Pierre Kemula der "Financial Times".

Allerdings könnte das Milliardengeschäft mit Vakzinen gegen Covid-19 nur von begrenzter Dauer sein. Die meisten Experten gehen derzeit davon aus, dass die Impfungen nicht regelmäßig aufgefrischt werden müssen. Im Fall von Moderna prophezeien Analysten im Durchschnitt bereits für 2022 einen Umsatzrückgang von 40 Prozent. Ein ähnlich schwerwiegender Einbruch von 44 Prozent droht auch BioNTech.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2020 um 18:40 Uhr.