Mitarbeiter wird bei ThyssenKrupp gegen Covid-19 geimpft | dpa

Lieferungen an Unternehmen Betriebe warten auf mehr Impfstoff

Stand: 14.06.2021 12:44 Uhr

Seit einer Woche dürfen Betriebsärzte ihre Mitarbeiter impfen. Doch die zugeteilten Impfstoffmengen reichen nicht annähernd aus. In der zweiten Woche werden noch weniger Impfdosen geliefert als in der ersten.

Von Jens Eberl, WDR

BMW hat sich viel vorgenommen. Insgesamt 29 Impfstraßen hat der Automobilhersteller an seinen Standorten in Deutschland aufgebaut. Allein in München stehen sechs Impfstraßen an zwei Standorten bereit. Das Unternehmen teilt mit, dass es so bis zu 2500 Impfungen pro Tag durchführen könnte. Damit könne die gesamte Belegschaft in Deutschland innerhalb weniger Wochen geimpft werden. Das Problem: Es gibt nicht genügend Impfstoff. So wurden in der ersten Woche etwas mehr als 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft.

Jens Eberl

Ähnlich sieht es beim Konsumgüterhersteller Henkel aus. In unmittelbarer Nähe des Werksgeländes in Düsseldorf wurde in einem Betriebsgebäude ein Impfzentrum eingerichtet. Bis zu 1500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen pro Woche könne man impfen. In der ersten Woche waren es aber nur 640.

Weniger Impfdosen in der zweiten Woche

"Viele Betriebe haben sich richtig gut vorbereitet", sagt Wolfgang Panter, der Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW). "6300 Betriebsärzte stehen bundesweit bereit, haben Impfstoff bestellt." Doch der komme nur schleppend an.

Die Verteilung richtet sich nach der Anzahl der Betriebsärzte im Unternehmen. In der vergangenen Woche waren es 102 Dosen pro Arzt. In dieser Woche sollen es 84 sein. "Ursprünglich waren pro Kopf 804 Dosen vorgesehen, es war aber klar, dass es nie so kommen wird", so Panter. Die Betriebsärzte setzen nun stark auf den Juli. Hier rechne man damit, dass der Impfturbo eingeschaltet werde. Man sei vorbereitet.

Hohe Nachfrage beim Personal

Bei Thyssenkrupp wird am Standort Essen im Fünf-Minuten-Takt geimpft, an vier Impfstraßen, mit sieben Ärztinnen und Ärzten von 8 bis 17 Uhr. Sollte mehr Impfstoff geliefert werden, könne auch am Abend und am Wochenende geimpft und zudem eine 5. Impfstraße genutzt werden.

50.000 Menschen arbeiten bei Currenta, das eines der größten Chemie-Areale managt und betreibt. 20.000 Dosen hatte man hier bestellt, wären diese eingetroffen, wäre man in zwei bis drei Wochen mit dem Impfen fertig. Es kamen aber nur 3000.

Die Impfstraßen der Deutschen Telekom haben nach Unternehmsangaben eine Kapazität von bis zu 10.000 Impfungen pro Woche. Die Telekom hat in Deutschland 89.000 Beschäftigte. Aufgrund der Freigabe der Priorisierungsgruppe 3 durch die Bundesländer sei im Betrieb bereits geimpft worden. Das Unternehmen erwartet, dass bis zu 30.000 Mitarbeitende von dem Angebot Gebrauch machen, sich von den Betriebsärztinnen und Betriebsärzten impfen zu lassen. Die Telekom hat dafür bundesweit 18 eigene Impfstraßen eingerichtet.

IT erleichtert zügige Abläufe

Viele Unternehmen haben sich auch mit ihrer IT auf das Impfen eingestellt. So hat BASF zusammen mit einem IT-Dienstleister ein eigenes Online-Buchungssystem entwickelt. Hierüber können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter registrieren. Die Navigation entlang der gesamten Impfstraße ist vom Check-In bis zum Check-Out komplett digitalisiert.

Das Impfzentrum wurde bereits am 14. April in Betrieb genommen. Bis einschließlich Freitag hatten etwa 16.000 BASF-Mitarbeitende eine Erstimpfung erhalten. Zunächst habe man sich dabei an die durch das Land Rheinland-Pfalz vorgegebenen Impfreihenfolge gehalten und die Priorisierungsgruppen II und III geimpft. Seit dem 7. Juni können sich alle Mitarbeitenden der BASF am Standort Ludwigshafen für einen Impftermin registrieren.

Beim Immobilienkonzern Vonovia ermittelt auf Basis der ausgeübten Tätigkeit ein Zufallsgenerator unter allen Anmeldungen, wer für welchen Standort ein Impfangebot erhält. Zunächst wählt der Zufallsgenerator Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt aus.

Priorisierung vielerorts aufgehoben

Inzwischen haben viele Unternehmen die Priorisierung komplett aufgehoben. So heißt es von der Deutschen Post, dass es bei der Impfreihenfolge keine personenbezogene Priorisierung mehr gebe. "Durch die Standortwahl und Terminvergabe stellen wir sicher, dass Beschäftigte im operativen Bereich mindestens gleichwertigen Zugriff auf betriebliche Impftermine erhalten", so das Unternehmen. 

Bei RWE können Mitarbeitende seit vergangenem Montag über ein Online-Tool oder telefonisch Termine vereinbaren. Eine Impfpriorisierung sei bei RWE nicht vorgesehen.

Der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte hat festgestellt, dass jedes Unternehmen anders bei der Priorisierung vorgeht. Aus seiner Sicht müssten nach wie vor Angestellte, die einem höheren Risiko ausgesetzt sind, bevorzugt werden, also beispielsweise Außendienstmitarbeiter oder Monteure; Personen, die viele Kontakte haben. Vorschreiben könne man das natürlich nicht, sagt Panter.

Über dieses Thema berichtete BR Fernsehen am 07. Juni 2021 um 16:00 Uhr in der Sendung "Rundschau" und MDR Aktuell am 14. Juni 2021 um 10:12 Uhr.