Schild vor der Vonovia-Firmenzentrale | dpa

Bauen in Deutschland Warum der Immobilienboom enden könnte

Stand: 25.05.2022 08:16 Uhr

Bauzinsen steigen, Materialknappheit erschwert und verteuert Bauarbeiten. Endet nun der jahrelange Immobilienboom? Wichtige Hinweise liefert die Entwicklung der Aktienkurse von Immobilienkonzernen.

Von Constantin Röse, ARD-Börsenstudio

Wohnraum in Deutschland ist an vielen Orten knapp, doch der vielzitierte Bau-Boom der vergangenen Jahre kühlt sich ab. Dafür sprechen auch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Die Zahl neu gebauter Wohnungen ist im vergangen Jahr im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen - zum ersten Mal seit zehn Jahren. Das liegt zum Beispiel an knappem Material und hohen Preisen für Baustoffe.

Lage in Großstädten unterschiedlich

Dabei werden Wohnungen besonders in den Ballungszentren und Speckgürteln deutscher Großstädte dringend benötigt, sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). "Wir haben einige Großstädte, da läuft es ganz gut, Hamburg oder Frankfurt zum Beispiel", so der Immobilienexperte. "Aber in manchen Großstädten wie Köln oder Stuttgart ist die Bautätigkeit nach wie vor zu gering; das heißt, die Anspannung bleibt hoch im Wohnungsmarkt."

Das ist ein Grund, warum auch die Mieten hoch bleiben. Menschen, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind, spüren das besonders. Immobilienkonzerne wie Vonovia oder TAG Immobilien hingegen profitieren von steigenden Mieteinnahmen.

"Beste Zeit erstmal vorbei"

Sorgen bereiten der Branche besonders die steigenden Bauzinsen, die Kredite teurer machen, erklärt Immobilienfondsexpertin Sonja Knorr von der Ratingagentur Scope: "Gerade für den privaten Häusle-Bauer spielt das natürlich eine sehr große Rolle. Wenn wir Richtung Gewerbeimmobilien gucken: Hier ist immer noch sehr, sehr viel Geld im Markt", so Knorr.

Die Zinsen zehnjähriger Darlehen beispielsweise haben sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt. Das bekommt eine ganze Branche jetzt zu spüren. "Die beste Zeit für Immobilienwirtschaft ist erstmal vorbei", sagt IW-Experte Voigtländer. Die Wende komme jetzt, und das bedeute, dass Konzerne den Wert ihrer Immobilien angesichts der höheren Zinsen neu bewerten müssten.

Sinken jetzt die Preise?

Heißt also, die Immobilienpreise könnten sich entspannen. Nach dramatischen Steigerungen in den vergangenen Jahren schätzt das Online-Portal Immowelt, dass in vielen Städten die Kaufpreise von Wohnimmobilien stagnieren oder sogar leicht sinken könnten. Das zeigt auch an der Börse Wirkung. Die Aktienkurse der großen Immobilienkonzerne Vonovia, Aroundtown oder TAG Immobilien kennen in den vergangenen Monaten nur eine Richtung: und zwar nach unten.

Immobilienfonds hingegen seien für Anleger aktuell noch attraktiv, sagt Fondsexpertin Knorr. "Sachwertanlagen sind ja grundsätzlich in Zeiten steigender Inflation auch interessant", sagt sie. "Am Ende des Tages guckt der Investor ein Stück weit auch auf die Attraktivität der Alternativanlage." Das zeigt: Immobilien bleiben für viele Menschen eine interessante Anlagemöglichkeit, trotz hoher Inflation und steigender Zinsen. Die Zeit des Immobilienbooms an der Börse hingegen ist erstmal vorbei.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 18. April 2022 um 12:00 Uhr.