Sony Playstation Konsole PS5 wird in einem Laden in Rotterdam angeliefert |

Konsolen im Corona-Boom Nintendo hat die Nase vorn - noch

Stand: 09.02.2021 16:08 Uhr

Die Verkaufszahlen der Nintendo Switch lassen die Konkurrenz alt aussehen - trotz neuer Konsolen von Sony und Microsoft. Chipmangel und Lieferprobleme verzerren den Wettbewerb.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Die Spielebranche sorgte in den vergangenen Tagen weltweit für glänzende Unterhaltung. Die Zockereien rund um die Aktie von GameStop, eines US-Einzelhändlers für Computerspiele, ließen die Menschen tagelang staunen und versorgten die Medien mit einer Flut von Nachrichten. Einige Spieler auf dem Börsenparkett dürften beim Börsenzocken viel Geld gewonnen haben, andere wiederum haben viel Geld verloren.

Ob der Trubel dem seit langem kriselnden Unternehmen irgend etwas genützt hat, bleibt hingegen fraglich. Schließlich ist GameStop kein Newsproduzent, sondern ein Fachhändler, der Spiele und die dazu passende Hardware verkauft - zum Beispiel Spielekonsolen.

Tumulte in Japan

Und da gab es in den vergangenen Wochen ausgerechnet während des Weihnachtsgeschäfts, von dem sicher auch der Händler GameStop profitiert hätte, massive Nachschubprobleme. Sony und Microsoft können die riesige Nachfrage nach ihren neuen Modellen, der Playstation 5 und der Xbox Series X, nicht einmal ansatzweise befriedigen.

In Japan kam es vor einigen Tagen zu Tumulten bei einem Einzelhändler, der 300 Modelle der Playstation 5 in seinem Shop vor Ort verkaufen wollte. Medienberichten zufolge musste das Chaos von der Polizei aufgelöst und der Verkauf schließlich abgesagt werden. Das hätte sich das Management von GameStop sicher auch für die eigenen Geschäfte gewünscht.

Chipmangel auch bei Spielekonsolen

Trotz der anhaltenden Lieferschwierigkeiten läuft das Geschäft mit den neuen Konsolen sowohl für Sony als auch für Microsoft bestens. Der japanische Elektronikkonzern verkaufte von der im Dezember des vergangenen Jahres erschienenen und schwer zu bekommenden Konsole bereits 4,5 Millionen Einheiten.

Denn im Weihnachtsquartal hielt der Corona-Boost für die Sony-Spielesparte an. Der Bereich steigerte den Umsatz um 40 Prozent auf sieben Milliarden Euro. Aber: "Wir sind in nicht geringem Maße betroffen vom weltweiten Chipmangel, und es wird recht schwierig werden, die Kapazität zu erhöhen", erklärte Sonys Finanzvorstand Hiroki Totoki. Das Problem teilt der japanische Konzern mit der Autobranche. Gleichwohl rechnet Sony bis zum März damit, mehr als 7,6 Millionen Konsolen zu verkaufen.

Erfolgreichster Startmonat

Microsoft hat offenbar ebenfalls Grund zum Jubeln. Anlässlich der Zahlen des Weihnachtsquartals unterstrich Microsoft-Chef Satya Nadella den Erfolg der neuen Konsole: "Der Start der Xbox Series X and Series S war der erfolgreichste Konsolenstart in der Geschichte von Microsoft mit den meisten Geräten, die jemals in einem Startmonat verkauft wurden."

Einzelheiten zu den Verkäufen publizierte der Technologiekonzern bislang nicht, aber Microsoft teilte mit, dass der Umsatz der Hardware-Sparte im Quartal um 86 Prozent gestiegen sei. Die Schätzungen der Fachleute liegen indessen bei zwischen 2,4 und 3,3 Millionen verkauften Geräten.

Sony Playstation Konsole PS5 |

Wer eine PS5 bekommt, hat Glück gehabt. Es gibt massive Lieferengpässe.

Ebenso wie der Konkurrent Sony leidet auch Microsoft unter dem Chipmangel. Der US-Chiphersteller AMD, dessen Chips in beiden Konsolen verbaut werden, gab jüngst bekannt, dass der Mangel, der mit dem Corona-Lockdown zusammenhängt, bis Mitte des Jahres dauern könnte. Deshalb bleibt es fraglich, ob die Nachfrage im laufenden Jahr überhaupt gestillt werden kann.

Nintendo liegt weit vorn

Nintendo präsentiert dagegen Zahlen, die beide Konkurrenten nicht einmal gemeinsam erreichen. Im Weihnachtsquartal verkaufte der Spielekonzern rund 11,6 Millionen Switch-Konsolen und liegt damit weit vor Sony und Microsoft. Seit dem Start im Jahr 2017 wurde die Switch rund 80 Millionen mal verkauft.

Dass Nintendo so weit an der Spitze liegt, hängt vermutlich nicht nur mit den Lieferschwierigkeiten bei Sony und Microsoft und dem günstigeren Preis zusammen. Aufgrund der längeren Lebensdauer ist das Spieleangebot deutlich umfangreicher. Außerdem ist die Zielgruppe eine andere: Nintendo bietet Unterhaltung für die ganze Familie an und richtet sich eher an jüngere Kunden.

Ende in Sicht?

Irgendwann aber wird auch dieser Lauf zu Ende gehen. Atul Goyal, Analyst bei der Investmentbank Jefferies, führt aus, dass Nintendo eine starke Pipeline an neuen Spielen und eine Auffrischung der Hardware benötigen wird, wenn dieser Erfolg fortgesetzt werden soll.

Vielleicht könnte für Sony und Microsoft der fehlende Nachschub sogar positiv zu Buche schlagen. Auf diese Weise bleiben die neuen Konsolen in den Medien präsent, die Kunden können spekulieren, wann sie ein Exemplar erhalten, die Konzerne können den Hype mit Nachrichten über neu eingetroffene Waren am Köcheln halten. Verknappung war noch immer eine gute Methode, wenn man das Begehren anstacheln will.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Februar 2021 um 07:36 Uhr.