Durch eine offene Tür kann man in ein Hotelzimmer blicken. | picture alliance / dpa

Hotelbranche Neue Betten in unsicheren Zeiten

Stand: 27.10.2021 08:23 Uhr

Noch nie blieben so viele Hotelbetten leer wie in der Pandemie. Zugleich werden immer noch neue Hotels geplant oder eröffnet. Eine Wette auf die Zukunft - mit ungewissem Ausgang.

Von Steffen Clement, HR

Sinkt die Nachfrage, sinkt auch das Angebot. Auf dem Hotelmarkt in Frankfurt am Main oder in Berlin ist dieser Grundsatz außer Kraft gesetzt. Obwohl die Nachfrage der Gäste durch Corona stark gesunken ist, werden viele Hotels neu eröffnet und immer weitere geplant oder schon gebaut. Konkret: In den kommenden Jahren sollen in Frankfurt fast 30 neue Häuser mit knapp 7000 Zimmern entstehen. In Berlin kommen mehr als 60 Hotels mit rund 11.000 Zimmern hinzu.  

Das Angebot steigt. Aber die Nachfrage, also die Zahl der Hotelgäste, erholt sich nur langsam. Und ob es jemals wieder so viele Geschäftsreisende wie vor Corona geben wird, ist mehr als zweifelhaft. "Natürlich wollen sich die Menschen wieder treffen", sagt Julius Wagner vom Hessischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). "Doch daneben werden rein digitale oder hybride Varianten ganz selbstverständlich zum Geschäftsalltag gehören." So könnte jede fünfte Dienstreise wegfallen - und zwar für immer.

Potenzial bei den Privatreisenden?

Auf dieses Szenario bereitet sich Frankfurt vor. Trotzdem soll es spätestens 2025 so viele Übernachtungen wie vor der Krise geben. Wie soll das denn funktionieren? "Bei Privatreisenden haben wir noch Luft nach oben", erklärt Thomas Feda, Geschäftsführer der Frankfurter Tourismus- und Congress GmbH. Bislang kommen zwei Drittel aus geschäftlichen Gründen nach Frankfurt und ein Drittel als Privatreisende. Vor zehn Jahren sei der Anteil der Privaturlauber noch viel geringer gewesen. So fragt Marketing-Chef Feda rhetorisch: "Warum sollte es uns nicht gelingen, noch mehr Leute zu einem Städtetrip nach Frankfurt zu locken?"

Helfen sollen dabei neue Angebote - eben neue Hotels. Eines von ihnen ist das "Designhotel Ruby Louise" in der Nähe des Frankfurter Opernplatzes. Der Neubau mit 215 Zimmern wurde im März mitten im Lockdown eröffnet. "Ein fertiges Hotel nicht zu eröffnen, macht wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn", erklärt Ruby-Marketingdirektor Felix Härtel. Das Konzept wird im schönsten Marketingdeutsch "lean luxury" genannt: Die Zimmer sind zwar hochwertig ausgebaut mit teuren Matratzen.

Was verzichtbar ist, wird eingespart

Auf der anderen Seite wird eingespart, was aus Sicht der Hotelkette inzwischen verzichtbar ist: Keine Minibar, kein Restaurant, keine Rezeption. "Der Check-In funktioniert digital innerhalb einer Minute", so Härtel. "Ebenso die Bezahlung per Kreditkarte, sodass der Gast keine Rezeption mehr braucht und am Ende einfach so das Hotel verlassen kann." All das spart teure Personalkosten. Die Folge: Der durchschnittliche Preis pro Zimmer ist mit 109 Euro rund 40 Euro günstiger im Vergleich zu anderen Hotels mit ähnlicher Zimmerausstattung.

Über solch neue und moderne Angebote in Frankfurt freut sich Dehoga-Geschäftsführer Julius Wagner auf der einen Seite. Doch der Hotelboom hat für ihn noch eine andere Seite: "Wir werden ein Überangebot an Hotelbetten haben", so Wagner. "Da kommen die bestehenden Hotels unter ganz besonderen Druck."

Traditionshäuser mussten schließen

Sein Kollege aus Berlin, Thomas Lengfelder, kennt diese Befürchtungen. In der Hauptstadt hat eine Reihe von Traditionshotels in der Pandemie die Türen für immer geschlossen. Doch selten war der Blick in die Zukunft so schwierig wie jetzt, macht der Berliner Dehoga-Geschäftsführer an einem Beispiel deutlich: Zwar wird Berlin wie auch Frankfurt in Zukunft weniger Messegäste begrüßen können. "Wenn aber hybride Messen weniger Platz brauchen", so Lengfelder, "können die dann direkt in den großen Hotels stattfinden statt auf dem Messegelände. Plötzlich profitieren dann große Hotels, die bislang nur Übernachtungsstätte waren."

Ob Berlin oder Frankfurt: Der Glaube an gut gefüllte Hotelbetten in der Zukunft besteht in beiden Städten. In der Vergangenheit waren deutsche Hotels eine gute Anlage für internationale Investoren. Auch deshalb wird der Bauboom weiter anhalten. Für die Gäste ist das eine gute Nachricht: Die Reisenden - ob geschäftlich oder privat - können in Zukunft aus einer noch größeren Vielfalt auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Oktober 2021 um 18:40 Uhr.