Elon Musk | picture alliance / John Nacion/S

Elon Musk gegen Homeoffice Wer nicht ins Büro kommt, fliegt raus?

Stand: 02.06.2022 11:12 Uhr

Große Tech-Konzerne in den USA haben Probleme, Beschäftigte zurück ins Büro zu locken. So auch Tesla: Firmenchef Elon Musk setzt seine Angestellten unter Druck. Doch es geht auch anders.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Elon Musk sorgt erneut für Schlagzeilen: "Jeder bei Tesla muss mindestens 40 Stunden in der Woche im Büro verbringen", schrieb Musk in einer E-Mail an die Mitarbeiter des US-Elektroautobauers. Homeoffice sei nicht länger akzeptabel. "Wenn jemand nicht erscheint, müssen wir davon ausgehen, dass diese Person das Unternehmen verlassen hat."

Später legte der Tesla-Chef auf Twitter nochmals nach: Auf die Frage, was denn mit den Mitarbeitern sei, die es für ein veraltetes Konzept hielten, ins Büro zu kommen, antwortete Musk: "Sie sollen woanders so tun, als würden sie arbeiten."

Elon Musk polarisiert - mal wieder. Dabei ist Tesla längst nicht der einzige Konzern, der Probleme hat, seine Mitarbeiter wieder fürs Büro zu begeistern. Wieder täglich ins Büro? Schwierigkeiten haben damit viele Beschäftigte, die in der Corona-Pandemie die Vorzüge des Homeoffice zu schätzen gelernt haben.

Vorbehalte gegen das tägliche Büro

Für Deutschland kommt die weltweite Arbeitsmarktstudie "Hopes and Fears 2022" der Unternehmensberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zum Ergebnis, dass nur fünf Prozent der Menschen, die im Homeoffice arbeiten, wieder täglich ins Büro fahren wollen. Zehn Prozent wünschen sich demnach, dass sie zumindest "überwiegend" von zuhause aus arbeiten können.

Arbeitsforscher sind überzeugt: Die Zukunft der Arbeit ist hybrid, besteht also aus einer Mischung von Homeoffice und Präsenzarbeitstagen. Doch wie genau soll dieser Wechsel zwischen Heim und Büro genau aussehen? Darüber rätseln auch die Chefs der großen Tech-Konzerne im Silicon Valley. Sie sehen sich besonders stark mit dem Problem konfrontiert, dass viele ihrer wertvollen Mitarbeiter einfach nicht mehr zurück ins Büro wollen.

Fragen der Produktivität und Kreativität

Das liegt nicht zuletzt daran, dass für die Tech-Konzerne viele junge Menschen arbeiten. Vor allem den sogenannten "Millennials" und "Post-Millennials", teilweise auch als Generationen Y und Z tituliert, wird nachgesagt, dass die "Work-Life-Balance" für sie einen hohen Stellenwert hat. Auch Eltern haben eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch die Arbeit von zuhause aus während der Corona-Pandemie als Vorteil erlebt. Sie sehen sich bestätigt durch zahlreiche Studien, wonach Homeoffice oftmals mit einer höheren Produktivität einhergeht als Büroarbeit.

Verfechter der Büroarbeit halten dagegen, dass kreative Lösungen Studien zufolge viel leichter durch die direkte persönliche Zusammenarbeit gefunden werden. Erfindungen - von denen gerade die Tech-Konzerne im Silicon Valley zehren - würden erschwert, wenn jeder zuhause allein vor sich hinbrütet, so das Argument.

Amazon lenkt ein, Apple besteht auf drei Büro-Tagen

Die Konzerne der Tech-Branche haben auf dieses Dilemma unterschiedliche Antworten gefunden. Auch Amazon wollte seine Beschäftigten ursprünglich wieder Vollzeit zurück ins Büro holen. Doch dann erkannte der Konzern, dass er Zugeständnisse machen muss, um seine Mitarbeiter nicht zu verlieren. Aus der Vollzeit-Büropflicht wurden zunächst drei Tage pro Woche; mittlerweile können Angestellte direkt mit ihren Vorgesetzten ein hybrides Arbeitsmodell aushandeln. Der Microsoft-Konzern handhabt es ähnlich.

Apple-Chef Tim Cook besteht auf regelmäßigen Büro-Tagen: Montag, Dienstag und Donnerstag sollen die Mitarbeiter künftig in Präsenz arbeiten. Platz genug ist im "Apple Park" - das neue Firmengebäude ist mit 260.000 Quadratmetern fast doppelt so groß wie das Pentagon. Das passt aber nicht allen. "Wir erzählen unseren Kunden immer, wie großartig unsere Produkte fürs Homeoffice seien, aber wir selbst sollen sie nicht dafür benutzen dürfen?", schrieben knapp 1500 ehemalige und derzeitige Apple-Mitarbeiter in einem offenen Brief an den Vorstand.

Apple Park Cupertino | picture alliance / AA

Viel Platz für viel Arbeit in den Büros: Die neue Konzernzentrale von Apple im kalifornischen Cupertino. Bild: picture alliance / AA

Privat-Konzert bei Google, freie Wahl bei Twitter

Auch bei Google sollen die Mitarbeiter mindestens drei Tage pro Woche ins Büro kommen. Um ihnen die Rückkehr in die Zentrale zu versüßen, engagierte der Tech-Konzern Ende April die Popsängerin Lizzo für ein privates Konzert am Firmensitz in Mountain View. Ziel war es, die Rückkehr ins Büro "zu etwas ganz Besonderem" zu machen.

Einen gänzlich anderen Ansatz wählte hingegen Twitter-Chef Parag Agrawal: Seine Mitarbeiter haben die völlige Wahlfreiheit: "Wo auch immer man sich am produktivsten und kreativsten fühlt, das ist der Ort, wo man arbeiten wird, und das schließt auch dauerhaftes Homeoffice ein." Die neue Arbeitswelt nach Corona - im Silicon Valley hat sie viele Facetten.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 02. Juni 2022 um 10:13 Uhr.