Ein Schild mit dem Firmennamen "Greensill Bank" hängt am Eingang der Bremer Privatbank. | DPA / Sina Schuldt

Finanzaufsicht leitet Verfahren ein Insolvenzantrag für Greensill Bank

Stand: 16.03.2021 10:42 Uhr

Nach der Schließung der Bremer Greensill Bank hat die Finanzaufsicht BaFin nun einen Insolvenzantrag gestellt. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung.

Laut einer Sprecherin des Amtsgerichts Bremen hat die deutsche Finanzaufsicht BaFin am Montagabend für die in Schieflage geratene Greensill Bank einen Insolvenzantrag gestellt. Der Antrag werde nun geprüft. Das Gericht will nun, womöglich noch am heutigen Dienstag, über den weiteren Verlauf informieren. Bei Banken hat nur die Aufsichtsbehörde das Recht, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Überschuldung drohte

Bereits Anfang März hatte die BaFin die Bremer Tochtergesellschaft des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill für den Kundenverkehr geschlossen. Es drohte nach Angaben der Behörde eine Überschuldung des Instituts. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank AG, die BaFin hatte Strafanzeige gestellt. Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Bilanzfälschung.

Die Chancen auf eine Rückkehr aus einem Insolvenzverfahren stehen eher schlecht. Bislang kam es noch nie vor, dass ein Institut nach einem Moratorium auf Dauer wieder am Markt aktiv war. Der Entschädigungsfonds der privaten Banken springt für die Einlagen der Privatkunden ein. Gesetzlich sind Einlagen von Privatkunden nur bis zu Beträgen von 100.000 Euro je Kunde abgesichert.

500 Millionen Euro Verluste für Profianleger?

Die Gelder von professionellen Anlegern wie etwa Bund, Ländern, Kommunen oder bankähnlichen Kunden unterliegen aber seit Oktober 2017 nicht mehr der Entschädigungseinrichtung. Laut Medienberichten geht es bei diesen Kunden um Einlagen von etwa 500 Millionen Euro. Das berichtete etwa die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Branchenkreise.

Das Portal tagesgeldvergleich.net, das selbst Anlagen empfiehlt, veröffentlichte eine Liste mit betroffenen Kommunen. Dort waren bis Sonntag neben dem Land Thüringen insgesamt 27 Kommunen aufgeführt, die zusammen 303,2 Millionen Euro bei Greensill angelegt hatten. Thüringen könnte demnach 50 Millionen Euro verlieren, die Stadt Monheim am Rhein 38 Millionen Euro und das hessische Eschborn 35 Millionen Euro.

Seit zwei Jahren beobachtet

Dass die Gelder von Profianlegern nicht mehr geschützt seien, habe der Verband der privaten Banken BdB mitgeteilt, auch in der Fachpresse für Kämmerer sei dies deutlich gemacht worden, erklärte die BaFin. Die Behörde wehrt sich gegen Kritik, nicht früher auf die Probleme bei der Greensill Bank hingewiesen zu haben. Ihr sei es gesetzlich verboten, über Sonderprüfungen oder andere aufsichtsrechtliche Maßnahmen zu informieren.

Die BaFin beobachtet nach Angaben des Bundesfinanzministeriums das Bremer Institut schon seit über zwei Jahren. Anfang 2021 setzte sie dort einen Sonderbeauftragten ein. Seit Januar 2019 ließ sie sich monatlich über Bilanzdaten von der Bank unterrichten, wie aus einer Antwort des Ministeriums an die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus hervorging.

Die drohende Pleite der Bremer Greensill Bank hat auch Zinsplattformen in die Kritik gebracht, die Tages- und Festgeldkonten an Verbraucher vermitteln. Jahrelang warb die Bremer Greensill Bank etwa auf Plattformen wie Check24 mit besonders günstigen Konditionen. Die Plattformen sammelten rund eine Milliarde Euro bei Kleinanlegern ein, die auf das Konto der Greensill Bank flossen.

Öffentlich-rechtliche Sender: Kein Schaden durch Anlagen

Auch mehrere öffentlich-rechtliche Sendeanstalten hatten Geld bei Greensill angelegt. Wie die Anstalten bestätigten, legte der SWR 69 Millionen bei dem Institut an, der NDR 24 Millionen und der SR 12 Millionen Euro. Anders als bei den Kommunen sei jedoch kein finanzieller Schaden entstanden, da die Mittel als kurzfristige Termingelder angelegt worden seien. Bei solchen Anlagen mit einer maximalen Laufzeit von 18 Monaten greift der Schutz durch den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. März 2021 um 11:00 Uhr.