Der Google-Store im New Yorker Stadtteil Chelsea | REUTERS

Neuer Store in New York Google zum Anfassen

Stand: 10.07.2021 15:51 Uhr

In New York hat Google einen Store eröffnet - ganz im Stile der Tech-Konkurrenz. Kunden sollen gelockt werden, indem sie neue Produkte direkt ausprobieren können. Geht das Konzept auf?

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

"Hey Google, wie spät ist es?" - "Es ist 14.18 Uhr!" - Zeit für die "Google Nest Experience", findet Vincent, ein New Yorker Student. Gespannt taucht er ein in den hellen, lichtdurchfluteten Store im Erdgeschoss des Tech-Imperiums. Einen ganzen Block nimmt das Backstein-Gebäude im New Yorker Stadtteil Chelsea ein. Dessen gläserner Store erinnert nicht nur Vincent irgendwie an gewisse andere Niederlassungen weltbekannter Tech-Marken. Google steht dazu: Die Ähnlichkeit zu Apple-Stores ist bewusst gewählt.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Nette Gimmicks für eingefleischte Fans

Zum kleinen Wohnzimmer für die "Nest Experience" - also der Erfahrung mit den Produkten der smarten Google Nest-Serie wie zum Beispiel Lautsprechern, aber auch Fitness-Uhren - führt der Weg an den Produkten vorbei. Eine Vielzahl von Verkäufern im grauen Google-Shirt reißt sich darum, die Pixel-Phones, Nest-Produkte bis hin zu Fitness-Uhren zu präsentieren - und die Kundschaft zu den interaktiven Räumen zu führen.

Neben dem smarten Home-System und dem Raum für Computerspiele gibt es die Rampe für den Instagram-Post: Hier können die Kunden sich fotografieren lassen. Vor der Leucht-Skyline von Manhattan sorgen drei unterschiedliche Linsen der Google-Phones für Effekte. Viele Kunde sind eingefleischte Fans. "Wir wissen alles über Google aus dem Netz. Wir haben alles von Google. Pixel, alles. Wir wollten das hier mal sehen," sagen zwei Fans im Store. Gekauft haben sie am Ende nichts.

Nur ein Abklatsch und zum Scheitern verurteilt?

Genau wie Kundin Perry. Sie ist ein wenig enttäuscht: "Sie könnten mehr tun, um sich von anderen abzusetzen." Und auch Kunde Matt meint: "Ich fand‘s cool. Allerdings fühlt es sich ein bisschen wie die Kopie eines anderen Tech-Stores an." Das hätten schon viele versucht, meint Einzelhandelsexperte Mark Cohen von der Columbia University. Der weltweit erste Google Store sei ein netter Versuch - nicht mehr: "Wenn es nur um die Produkt-Präsentation geht, um Public Relations - ja, dann ist es eine Möglichkeit zu zeigen, was du alles hast. Aber wenn das Ziel ein richtiger Laden sein soll mit dem Ziel zu verkaufen, dann wird es scheitern. Wie all die anderen vorher auch."

Mit dem Store im Stadtteil Chelsea folgt Google seinem Konkurrenten Apple, der seine Produkte schon lange auch in Läden verkauft. 500 gibt es in 25 Ländern. Rivale Microsoft dagegen hat im vergangenen Jahr die Schließung fast aller Läden angekündigt. "20 Jahre lang haben alle versucht, Apple nachzumachen, und sind gescheitert", sagt Experte Cohen. "Einige bei Google sagen vielleicht: 'Wir haben doch schon aus unseren Popup-Stores gelernt.' Ich würde ihnen sagen: 'Seht doch, wie es Sony und den andern ergangen ist. Daraus solltet ihr lernen.'" Immerhin macht Google 80 Prozent seines Umsatzes ohnehin nicht mit ausstellbaren Produkten.

Doch die Fans finden es auch schick: Gucken - nicht kaufen. So wie Ethan: "Es ist eine tolle Erfahrung, durch diese ganzen Räume zu gehen", sagt er. Darin besteht die Hoffnung des Tech-Konzerns. Bald werden es wieder Touristen aus aller Welt sein, die es durch das hippe Viertel in New York zieht - gleich gegenüber vom Apple Store. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juli 2021 um 05:45 Uhr.