Philipp Justus | picture alliance/dpa

Zwei neue deutsche Standorte Google investiert in Rechenzentren

Stand: 31.08.2021 14:42 Uhr

Für den Bau zweier neuer Rechenzentren in Deutschland wird der Technologiekonzern mehr als eine Milliarde Euro investieren. Damit soll die wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten befriedigt werden.   

Google wird bis 2030 mehr als eine Milliarde Euro in den Bau zweier neuer deutscher Rechenzentren in Hanau im Rhein-Main-Gebiet und im Großraum Berlin investieren. Das kündigte der US-Internetkonzern heute an. Die Cloud-Anlage in Hanau sei nur 20 Kilometer vom weltgrößten Internetknoten DE-CIX entfernt, sagte Philipp Justus, Googles Zentraleuropa-Chef. Das vierstöckige Gebäude mit einer Nutzungsfläche von rund 10.000 Quadratmetern werde im kommenden Jahr voll betriebsbereit sein.

"Schneller und zuverlässiger"

Parallel dazu wird Google bis 2022 eine ganz neue Cloud-Region Berlin-Brandenburg einrichten. Der genaue Standort der Server wurde nicht mitgeteilt. "Wir haben eine sehr, sehr hohe Nachfrage von Unternehmenskunden hier in der Region Berlin-Brandenburg", sagte Justus. "Und je näher wir an diesen Kunden dran sind mit einer Cloud-Region, umso schneller, umso zuverlässiger funktionieren auch die Dienste, die die Google Cloud diesen Unternehmen bietet."

Mit den beiden Cloud-Regionen würden sich beispielsweise Datenlaufzeiten (die sogenannte Latenz) im Vergleich zu einer trans-atlantischen Datenverbindung erheblich reduzieren. Für die Kunden gibt es aber auch rechtliche und regulatorische Gründe, vorzugsweise auf Cloud-Rechnern zu arbeiten, die in Deutschland stehen, statt Anlangen in den USA zu verwenden. Kunden in Deutschland könnten nun unter zwei deutschen Cloud-Regionen als Alternative zu einem Serverstandort USA auswählen, sagte Justus.

Außerdem wird der Konzern über einen großangelegten Liefervertrag mit dem Kölner Energieversorger Engie indirekt Windparks und Solaranlagen in Deutschland finanzieren, um die Cloud mit erneuerbaren Energien betreiben zu können.

Das Cloud-Geschäft ausbauen

Google verbindet mit dieser Investition die Absicht, das eigene Geschäftsmodell, das bislang vor allem vom Umsatz mit Werbung und Daten abhing, auf ein breiteres Fundament zu stellen. Konzern-Chef Sundar Pichai möchte die Cloud-Sparte als weitere wichtige Ertragssäule aufbauen. Geld für Investitionen ist im Überfluss vorhanden, denn allein im zweiten Quartal dieses Jahres verdiente Google unter dem Strich mehr als 18 Milliarden Dollar.  

Pichai möchte den lukrativen deutschen Markt nicht den Marktführern Amazon AWS und Microsoft überlassen, die in diesem Segment regelmäßig mit hohen Wachstumsraten und einer beachtlichen Rendite tätig sind.

Die Nachfrage in Deutschland wächst

Denn auch hierzulande wächst die Nachfrage nach Cloud-Dienstleistungen: Der Versandhändler Otto, die Lufthansa und die Deutsche Bank wurden von Google bereits als Cloud-Kunden gewonnen. Um das Cloud-Geschäft in Deutschland voranzutreiben, hatte der Internetkonzern bereits im vergangenen Oktober Daniel Holz, den Deutschland-Geschäftsführer vom Softwareriesen SAP, abgeworben. Er verantwortet nun Googles Cloud-Geschäft in Deutschland und Zentraleuropa.

Der Konzern beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben an vier Standorten in Berlin, Frankfurt, Hamburg und München rund 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Rechenzentren mit Erneuerbaren Energien

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich erfreut über die Ankündigung von Google: Eine Milliarde Euro bis 2030 seien ein "starkes Signal". Bei den Investitionen gehe es um grüne Energie und digitale Infrastruktur. Das zeige: "Grüne Energie ist längst ein zentraler Faktor für die Standortwahl." Rechenzentren, nicht nur die von Google, sind Stromfresser und könnten zur Klimaerwärmung beitragen, wenn sie mit Strom aus Kohlekraftwerken gefüttert werden.

Google kündigte an, dass der lokale Energiepartner Engie Deutschland aus Köln in den kommenden Jahren mehr als 140 Megawatt (MW) an Solar- und Windenergie in das deutsche Netz einspeisen wird. Dazu gehörten eine neue 39-MW-Photovoltaikanlage und die Erhaltung von 22 Windparks.

Damit soll sichergestellt werden, dass "ab 2022 zu jeder Stunde rund 80 Prozent der an die Google-Infrastruktur gelieferten Energie aus CO2-freien Quellen stammt". "Bis zum Jahr 2030 wollen wir rund um die Uhr ausschließlich CO2-freie Energie nutzen", versprach Justus.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. August 2021 um 06:36 Uhr und 12:34 Uhr.