Viele Manner im Anzug mit Koffer spiegeln sich in Scheiben. | picture alliance / dpa

Arbeitswelt in der Pandemie Wie notwendig sind Geschäftsreisen?

Stand: 11.03.2021 13:47 Uhr

Video-Meetings statt Treffen in Hotels und Konferenzräumen - für viele Firmen funktioniert das erstaunlich gut. Hat die traditionelle Dienstreise damit ein für allemal ausgedient?

Von Roman Warschauer, rbb

Frankfurter Flughafen, Terminal 1, Abschnitt A. Vor allem hier ist man vor der Pandemie immer vielen typischen Geschäftsreisenden begegnet: dunkler Anzug, nur Handgepäck und der zielsichere rasche Gang zu den Sicherheitskontrollen. Jetzt ist sehr viel weniger in diesem Bereich los. Lockdown, Einreise-Beschränkungen, Videokonferenzen: all das hat die Zahl der Businessreisen stark einbrechen lassen. Und die Luftfahrtbranche geht davon aus, dass zuerst die Touristen wieder mehr fliegen werden.

Dennoch: Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister will die Geschäftsreisenden nicht abschreiben. "Wir werden 2021 unser Angebot stärker auf touristische Destination ausrichten", erklärt er. Dennoch sei er sicher, dass der Geschäftsreiseverkehr in von 2022 an wieder deutlich zunehmen werde und "wir als Geschäftsreise-Fluggesellschaft - also Deutsche Lufthansa, Swiss und Austrian - auch hier weiter unsere Schwerpunkte haben werden."

Neue Meeting-Konzepte, neue Arbeitsformen?

Nach gut einem Jahr Corona scheint klar zu sein: Berufliche Termine lassen sich zwar auch rein digital durchführen - das gilt aber nicht für jede Art von geschäftlichem Austausch. Michael Bourke ist beim dänischen Pharmaunternehmen Novo Nordisk für Meetings und Konferenzen zuständig. Bei einer Diskussion auf der digital ausgetragenen Internationalen Tourismus-Börse (ITB) sagt er, sein Unternehmen werde nicht wieder zum Stand von 2019 zurückkehren, sondern Kriterien aufstellen, die festlegen, wann man sich wie trifft: "Wenn es von Angesicht zu Angesicht wieder möglich ist, können die Leute entscheiden ob es nachhaltiger und praktischer ist, es virtuell zu machen - oder ob es nötig ist, sich zu treffen." Das werde es sicher weiter geben, sagt Bourke - aber sein Unternehmen wolle erreichen, dass persönliche Treffen wirklich nur dann stattfinden, wenn sie unumgänglich sind.

Auch Stefan Tolga Gumuseli von Air France KLM geht zwar davon aus, dass die Geschäftreisen nach Corona wieder zunehmen werden. Allerdings ist er sich sicher, dass es auch hier neue Trends geben wird: "Weniger kurze Reisen, dafür mehr lange. Ich erwarte mehr die Kombination aus Urlaub und Businessreise, das Homeoffice-Prinzip während solcher Reisen: die Urlaubsreise verlängern und dann auch vom Zielort aus arbeiten."

Die Bahn will den Fluggesellschaften Konkurrenz machen

Mehr vom Geschäft mit Dienstreisen erhofft sich die Deutsche Bahn. Businessreisende, die während der Pandemie auf die Bahn umgestiegen sind, würde man gerne halten, bekräftigt Stefanie Berk, zuständig für Marketing im Fernverkehr: "Sobald es wieder geht, werden wir hier intensiv in die Kommunikation eintreten. Das tun wir jetzt schon, indem wir mit den Firmen darüber zu sprechen, welche Angebote wir ihnen machen können, um ein gutes Gefühl zu geben in Sachen Sicherheit." Die Bahn setze aber auch darauf, langfristig Geschäftsreisende durch attraktive Angebote zu gewinnen.

Auch im Terminal 1, Abschnitt A am Frankfurter Flughafen wird es nach der Pandemie sicher wieder lebendiger zugehen. Wie viele Geschäftsleute hier künftig zur Sicherheitskontrolle eilen werden, bleibt jedoch abzuwarten.