Logo der Discounter-Kette Lidl an einer Filiale | picture alliance / Matthias Balk

Nach Streit mit Inhaber Chef der Lidl-Mutterfirma wirft hin

Stand: 02.07.2021 19:30 Uhr

Ein Streit an der Spitze des Mutterkonzerns von Lidl und Kaufland ist eskaliert: Der Chef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, hat sein Amt niedergelegt. Grund sei der Streit mit Inhaber Dieter Schwarz über eine Personalie.

An der Spitze der Schwarz-Gruppe, zu der die Supermarktketten Lidl und Kaufland gehören, gibt es einen überraschenden Wechsel. "Klaus Gehrig ist nicht mehr Chef der Schwarz Gruppe", teilte das Unternehmen mit, das als größter Lebensmittelhändler Europas gilt. Gehrig habe "spontan das Mandat als Komplementär niedergelegt". Der Mittelung zufolge hat sich Gehrig mit Inhaber Dieter Schwarz "bezüglich einer für ihn sehr wichtigen Personalie nicht einigen können".

Lidl-Chef soll Nachfolger werden

Schwarz habe Gehrig beurlaubt, hieß es weiter - allerdings "mit der Maßgabe, die weitere Zusammenarbeit in einem weiteren Gespräch zu regeln". Das Verhältnis zwischen beiden sei "weiterhin ungetrübt". "Dieter Schwarz nimmt jetzt die Funktion des Komplementärs so lange wahr, bis Gerd Chrzanowski, der designierte Nachfolger und jetzige Vorstandvorsitzende von Lidl, das Mandat übernehmen kann", teilte das Unternehmen mit.

Der 73 Jahre alte Gehrig ist in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Er hatte jedoch als langjähriger Unternehmenschef entscheidenden Anteil daran, dass die Schwarz-Gruppe sich über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren zu einem Weltkonzern entwickelte. Die Unternehmensgruppe beschäftigte nach eigenen Angaben zuletzt 458.000 Mitarbeiter und betreibt mehr als 12.500 Filialen in 33 Ländern. Der Jahresumsatz lag demnach 2019 bei netto rund 113 Milliarden Euro. Davon entfielen 89 Milliarden Euro auf Lidl.

Klaus Gehrig, langjähriger Chef der Schwarz-Gruppe | picture-alliance/ dpa

Klaus Gehrig räumt sein Amt als Chef der Schwarz-Gruppe nach einem Streit über eine Personalie. (Archivbild von 2008) Bild: picture-alliance/ dpa

Rätselraten über Hintergrund der Entscheidung

Der plötzliche Abgang Gehrigs, der nach früheren Aussagen erst in zwei Jahren in den Ruhestand gehen wollte, wirft Fragen auf. Welche Personalie den Streit in der Spitze der Schwarz-Gruppe eskalieren ließ, blieb in der knappen Pressemitteilung unbeantwortet. Verschiedene Medien berichteten, dass Gehrig in den vergangenen Jahren junge Frauen für Spitzenpositionen in der Gruppe bevorzugt und den Aufstieg Chrzanowski blockiert habe. Gehrig soll dabei auch die 30-jährige Melanie Köhler gefördert haben; sie hatte vor wenigen Wochen das Unternehmen überraschend verlassen.

Bereits vor einiger Zeit war verkündet worden, dass Chrzanowski perspektivisch Gehrigs Position einnehmen solle. Ein Datum für den geplanten Führungswechsel war aber bisher nicht verkündet worden. Wie das "Handelsblatt" berichtet, hatte Chrzanowski einen direkten Draht zu Inhaber Schwarz aufgebaut und sich mit einem guten Gespür für die Modernisierung des Discounters Lidl einen Namen gemacht.