Ein Lokführer sitzt in einer Lok. | picture alliance/dpa

GDL lehnt Angebot ab Bahn-Streiks drohen

Stand: 18.05.2021 15:43 Uhr

Der Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und Lokführergewerkschaft GDL spitzt sich zu. GDL-Chef Claus Weselsky will nicht einmal über das Angebot des Vorstands verhandeln. Nun könnte es Streiks geben.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat das aktuelle Tarifangebot der Deutschen Bahn abgelehnt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dieses Angebot annehmen, liegt bei Null", sagte Weselsky in Berlin und ergänzte: "Dass wir darüber verhandeln, bei nahe Null." Dass es zu Arbeitskämpfen komme, sei mit diesem Angebot wahrscheinlicher geworden.

Die GDL fordert eine Lohnerhöhung um 4,8 Prozent sowie eine Corona-Einmalzahlung von 1300 Euro. Dazu kommen Forderungen wie mehr Sicherheitskräfte in den Zügen als Schutz auch für Zugbegleiter.

"Horrende Forderungen"

Die Bahn hatte am Montag eine Tariferhöhung von 1,5 Prozent für eine Laufzeit ab Anfang 2022 bis Ende Februar 2023 vorgeschlagen. In diesem Jahr soll es hingegen kein Lohnplus geben. Zudem sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Anfang 2023 ausgeschlossen werden.

Die Offerte trage der wirtschaftlichen Lage in Corona-Zeiten Rechnung und sei sozial verantwortlich, hatte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler zum Vorschlag gestern gesagt. Die GDL-Spitze solle sich von "horrenden Forderungen" verabschieden, auf Warnstreiks verzichten und "das Wiederhochfahren der Mobilität in Deutschland unterstützen". Aus Sicht der Bahn führt der Forderungskatalog der GDL zu 60 Prozent höheren Kosten.

Die Bahn steuere laut Weselsky "sehenden Auges" auf Streiks zu. Bis Pfingstmontag will die Gewerkschaft der Bahn eine schriftliche Antwort geben. Eine Bahn-Sprecherin reagierte mittlerweile auf Weselskys Replik und attestierte der GDL-Führung einen Mangel an Verantwortung. Die Bahn wolle verhandeln. "Und das mit dem Ziel, den Millionen, die wieder vom Reisen träumen, das auch zu ermöglichen."

Streit um das Tarifeinheitsgesetz

Der Konflikt zwischen GDL und Bahn hat noch eine weitere Komponente: Seit April wendet das Unternehmen das Tarifeinheitsgesetz an. Es soll dabei helfen, Tarifkollisionen innerhalb eines Betriebs zu vermeiden. Im Ergebnis hat das zur Folge, dass in den rund 300 Bahn-Betrieben nur noch die Tarifverträge der jeweils mitgliederstärksten Gewerkschaft angewendet werden.

Das ist aus Sicht der Bahn in den allermeisten Tochter-Unternehmen die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). In lediglich 16 Betrieben kommen demnach die Tarifvereinbarungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zum Tragen. Die GDL bestreitet das und geht juristisch gegen diese Einschätzung vor.

Sowohl EVG als auch GDL erheben den Anspruch, für fast alle 185.000 Beschäftigten in Deutschland beim Schienenpersonal zu verhandeln. Die EVG hat rund 185.000 Mitglieder, die GDL etwa 35.000.

Gewerkschaften uneins

Für die GDL ist das Thema letztlich existenzbedrohend, denn die für ihre Mitglieder stellt sich die Frage, warum sie sich in dieser Gewerkschaft engagieren sollen, wenn ihre Verhandlungsmacht auf wenige Bahnbetriebe beschränkt bliebe. Die Bahn schlug wiederholt Gespräche über eine gemeinsame Regelung vor. Beide Gewerkschaften lehnten solche Gespräche bislang ab.

Das Verhältnis zwischen beiden Gewerkschaften gilt als schwierig. Die GDL wirft der größeren EVG unter anderem einen Kuschelkurs mit der Konzernführung vor. Umgekehrt forderte die EVG zuletzt Weselskys Rücktritt.

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Moderation 18.05.2021 • 21:50 Uhr

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