Claus Weselsky spricht auf einer Pressekonferenz. | REUTERS

Tarifstreit mit der Deutschen Bahn GDL kündigt neue Streiks an

Stand: 20.08.2021 12:09 Uhr

GDL-Chef Weselsky hat im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn neue Streiks im Personenverkehr von Montag bis Mittwoch angekündigt. Ein Bahn-Sprecher kritisierte das als "völlig überflüssige Belastung der Kunden".

Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen sich von Montag bis Mittwoch auf einen erneuten Streik einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder zum zweiten Mal in der laufenden Tarifrunde aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. "Sie streiken für mehr Löhne, für den Schutz ihrer Rente", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Die Wut unter den Mitgliedern auf das Management sei groß. Anders als in der vergangenen Woche haben die Fahrgäste dieses Mal mehr Zeit, sich auf den Streik einzustellen.

Im Güterverkehr soll der Ausstand jedoch schon am Samstagnachmittag um 17 Uhr beginnen. Im Personenverkehr soll der Streik am Montag um 02.00 Uhr beginnen und am Mittwoch um 02.00 Uhr enden.

Streik trifft erneut Urlauber und Pendler

Weselsky begründete den erneuten Arbeitskampf mit einem "Stillstand" bei der Angebotsverbesserung durch die Bahn - dieser führe zum "Stillstand der Züge". Das Bahn-Management wolle die Situation aussitzen. "Wir sehen uns deshalb gezwungen, den Führungskräften dieses Verhalten abzugewöhnen", sagte Weselsky.

In der vergangenen Woche hatte die GDL den Fern-, und Nahverkehr bei der Deutschen Bahn über zwei Tage bestreikt. Die Deutsche Bahn richtete einen Notfahrplan ein, musste den größten Teil der Fahrten aber streichen. Im Güterverkehr dauerte der Streik noch einige Stunden länger. Auch der erneute Streik dürfte wieder Millionen Fahrgäste treffen, darunter viele Urlaubsreisende. In zehn Bundesländern sind noch Schulferien.

Bahn: Streik "völlig überflüssige Belastung der Kunden"

Die Deutsche Bahn kritisierte den angekündigten Streik der GDL als "völlig überflüssige" Belastung der Kunden. "Dieser zweite Ferienstreik zeigt: Ein Tarifpartner verweigert sich permanent", teilte Personalvorstand Martin Seiler mit. "Statt den Mut zu haben, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, treibt die GDL-Führung ihren gewerkschaftspolitischen Kampf um Ausweitung und Einfluss auf dem Rücken der Bahnkunden auf die Spitze."

Die Bahn kündigte an, die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich zu halten. Trotzdem müsse mit Beeinträchtigungen gerechnet werden. Die Bahn werde sich "maximal kulant" verhalten.

GDL fordert bessere Bezahlung und Corona-Prämie

Die GDL kämpft unter anderem für eine bessere Bezahlung und fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren.

Die Deutsche Bahn hatte der GDL zwar 3,2 Prozent angeboten, die Erhöhung soll demnach jedoch später greifen als von der Gewerkschaft gefordert. Auch bei der Laufzeit des Tarifvertrags liegen die Vorstellungen beider Seiten noch deutlich auseinander. Die GDL hatte die Verhandlungen im Juni abgebrochen. Die Mitglieder hatten daraufhin in einer Urabstimmung für Streiks gestimmt.

DGB-Chef kritisiert GDL

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hatte die GDL ebenfalls dazu aufgefordert, die Verhandlungen mit der Bahn wieder aufzunehmen. "Lösungen werden am Verhandlungstisch erstritten, an den sollte GDL-Chef Claus Weselsky Anfang nächster Woche zurückkehren", sagte Hoffmann dem "Spiegel".

Hoffmann zufolge stehen nicht die Interessen der Bahn-Beschäftigten im Zentrum der Auseinandersetzung, sondern die Überlebensfähigkeit der GDL. In den meisten Bereichen der Bahn habe die Gewerkschaft keine oder kaum Mitglieder, hier habe Weselsky "kein Mandat und damit keine Legitimation" für einen Arbeitskampf, sagte Hoffmann dem Magazin.

Auch die Bahn wirft der GDL vor, ihr gehe es in dem Tarifstreit darum, in Bereiche vorzudringen, in denen sie bislang kaum Mitglieder hat. Die deutlich größere EVG hatte sich mit der Bahn bereits im vergangenen September auf ein Corona-Tarifpaket geeinigt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. August 2021 um 11:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 20.08.2021 • 21:15 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Kommentarfunktion für dieses Thema wird nun geschlossen. Danke für Ihre rege Diskussion. Mit freundlichen Grüßen Die Moderation