Vor einem Restaurant steht ein Schild mit einem Hinweis auf die 2G-Plus-Regel. | dpa

Corona-Regeln in der Gastronomie "Für uns im Moment eine Katastrophe"

Stand: 18.01.2022 18:16 Uhr

Die Zugangsregeln werden immer strenger, und die Apps versagen bei der Einlasskontrolle: Viele Gastronomen verzweifeln angesichts der Corona-Umstände - und verzeichnen massive Umsatzrückgänge.

Von Oliver Feldforth, hr

Karsten Kleinschmidt kann nicht mehr. Der 50-Jährige steht in seinem Landgasthof "Ziegelhütte" im Hochtaunus selbst in der Küche. Er führt das Haus in der dritten Generation. Aber jetzt geht es nicht mehr. Kleinschmidt macht bis Ende Januar zu, wahrscheinlich sogar bis März. Und wer weiß, wie es weitergeht. Mit 2G-Plus kommen kaum noch Gäste - zu viel Aufwand, und die Verunsicherung ist groß. "Für uns im Moment eine Katastrophe", sagt er. Noch gibt es Hilfen vom Staat. Er hofft, dass es dabei bleibt.

Oliver Feldforth

Ein Wirrwarr der Regelungen

Gut die Hälfte der Gastronominnen und Gastronomen sieht sich nach einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) existenziell bedroht. Viele Gäste bleiben aus Sorge sich anzustecken lieber zu Hause - und die Pandemie-Regeln sind kompliziert zu verstehen.

In vielen Bundesländern gilt in der Gastronomie und im Hotelgewerbe 2G-Plus, aber jedes Land hat seine eigenen Regeln. "Wünschenswert wäre eine bundesweit einheitliche Regelung, die einfach ist, also auf einen Bierdeckel passt", sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin der DEHOGA.

Wer kann das noch kontrollieren?

Es wird aber immer komplizierter. Bis vor kurzem hieß 2G-Plus entweder geboostert oder doppelt geimpft und ein aktueller Test. In Hessen kommen jetzt beispielsweise noch andere Möglichkeiten hinzu: Mittlerweile reicht es auch, genesen und getestet, genesen und zweimal geimpft, genesen und frisch einmal geimpft oder frisch zweimal geimpft zu sein.

Wer will, wer kann das in der Gastronomie noch kontrollieren? Und die Apps helfen da zurzeit noch wenig. "Sie brauchen ein Studium um zu wissen, wer darf rein und wer nicht", spottet der frustrierte Gastronom Kleinschmidt vom Landgasthof "Ziegelhütte".

CovPass-App führt in die Irre

Petra Klein geht es nicht viel besser. Sie ist Inhaberin des Ratskellers in Darmstadt. Für sie kam es noch schlimmer als befürchtet. "Ich habe mit 50 Prozent Umsatzrückgang durch 2G-Plus gerechnet. In der Realität sind es aber fast 80 Prozent", berichtet sie. Und zwar 80 Prozent im Vergleich zu den ohnehin niedrigen Umsätzen bei 2G. "Ich komme morgens in den Betrieb und weiß genau: Heute mache ich wieder Verluste", klagt sie.

Will Klein mit der CovPass-Check-App überprüfen, ob ein Gast in ihre Braustube darf oder nicht, meldet der QR-Code, das Zertifikat sei gültig. Das tut er aber auch, wenn der Betroffene lediglich vor längerem zweifach geimpft ist, also nicht den 2G-Plus-Kriterien genügt. Will sie dann die Zahl der Impfungen einsehen, leuchtet in der App des Gastes die gelb unterlegte Warnung, dies nicht in Gaststätten vorzuzeigen. Ratlosigkeit bei den Gastronominnen und Gastronomen: Sie sind darauf angewiesen, dass die Gäste die detaillierten Impfinformationen trotz App-Warnung vorzeigen.

Italienische Greenpass-App kann mehr

In Italien können Gastronomen mit der Check-App über den QR-Code erfahren, ob der Gast geboostert ist oder nicht. Das ist ein entscheidender Vorteil. Die deutschen Apps müssten dringend nachgebessert werden.

Das deutsche Bundesgesundheitsministerium, das über das Robert Koch-Institut (RKI) die deutsche CovPass-App in Auftrag gibt, sieht den Handlungsbedarf und hofft, bis zum Monatsende ein Update präsentieren zu können, dass zumindest die Kontrolle technisch vereinfacht. Da aber in jedem Bundesland andere Regeln gelten, ist völlig ungeklärt, ob die App dieses Regelwirrwarr berücksichtigen kann.

Wenn allerdings die Gastronomie in der neuen Pandemiewelle eine Chance haben soll, müssen zumindest die Zugangsbeschränkungen bundesweit einheitlich geregelt werden. Und die Kontrolle muss einfach und für alle transparent möglich sein. Dann würde vermutlich auch Karsten Kleinschmidt seinen Landgasthof "Ziegelhütte" wieder öffnen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Januar 2022 um 08:08 Uhr.