Ein Uniper-Mitarbeiter bei der Arbeit am Erdgasspeicher Bierwang. | picture alliance / SVEN SIMON

Gasversorger mit Milliardenverlust Uniper hat Hälfte des Grundkapitals verbraucht

Stand: 26.10.2022 10:36 Uhr

Die Finanznot bei Deutschlands größtem Gasimporteur ist größer als befürchtet. Uniper hat einen Milliardenverlust eingefahren und über die Hälfte seines Grundkapitals aufgezehrt. Die Verstaatlichung des Konzerns ist noch nicht genehmigt.

Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper rechnet für das Jahr 2022 mit einem Verlust in Milliardenhöhe. Nach vorläufigen Zahlen werde von einem Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres ausgegangen, erklärte das Unternehmen Dienstag Abend. Im Vorjahr hatte Uniper in diesem Zeitraum 487 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt

Die Milliardenverluste haben auch drastische Folgen für das bilanzielle Eigenkapital von Uniper: In Erwartung weiterer Verluste habe das Unternehmen Eigenkapital "in zweistelliger Milliardenhöhe belastet", erklärte der Konzern. In der Folge dieser Entwicklung betrage der Verlust "mehr als der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft".

Im Aktiengesetz, Paragraph 92, Absatz 1, heißt es dazu: "Ergibt sich bei Aufstellung der Jahresbilanz oder einer Zwischenbilanz oder ist bei pflichtmäßigem Ermessen anzunehmen, dass ein Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals besteht, so hat der Vorstand unverzüglich die Hauptversammlung einzuberufen und ihr dies anzuzeigen."

Nur ein formaler Akt?

Die außerordentliche Hauptversammlung soll in der zweiten Dezemberhälfte stattfinden. Dann will das Management die Anleger über den Verlust informieren und die Lage der Gesellschaft erläutern.

Ein Konzernsprecher versuchte auf Nachfrage gestern Abend zu beschwichtigen: Es handele sich um einen formalen Akt, der im Kontext der aktuellen Lage für Uniper nicht überraschend komme. "Wir verlieren in Folge der fehlenden Gaslieferungen aus Russland nach wie vor jeden Tag Millionen Euro durch Ersatzbeschaffungskosten."

Zentrale Rolle für die Erdgasversorgung

Der Gas-Großhändler ist Lieferant für über 100 Stadtwerke und große Unternehmen und spielt damit eine zentrale Rolle für die Erdgasversorgung von Deutschland. Uniper ist von den Lieferausfällen Russlands schwer getroffen.

Der Konzern muss am teuren Spotmarkt mit hohen Verlusten die fehlenden Mengen einkaufen, um seinen eigenen Lieferverpflichtungen nachzukommen, und geriet deshalb in Finanznot. Da milliardenschwere Staatshilfen zur Stützung nicht ausreichten, entschied sich die Bundesregierung dazu, Uniper zu verstaatlichen.

Uniper-Aktie größter Verlierer im SDAX

Allerdings befindet sich die Verstaatlichung des Unternehmens derzeit noch im Genehmigungsverfahren. Unter anderem muss die EU-Kommission noch zustimmen. Die Zustimmung der Uniper-Aktionäre soll im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung in der zweiten Dezemberhälfte 2022 eingeholt werden, erklärte der Konzern.

Die Uniper-Aktie fällt in Reaktion auf die Zahlen im frühen Handel bis zu 3,7 Prozent auf 3,33 Euro und ist damit größter Verlierer im Index der kleinen Werte SDAX. Im bisherigen Jahresverlauf hat sie bereits über 90 Prozent ihres Werts eingebüßt.