Uniper SE Hauptverwaltung, Düsseldorf | picture alliance / Rupert Oberh

Energiekrise erfasst Uniper Erster Gasversorger ruft nach dem Staat

Stand: 30.06.2022 18:31 Uhr

Der Energiekonzern Uniper kämpft mit den Folgen der Gaskrise. Der größte deutsche Gasimporteur spricht mit der Bundesregierung über mögliche Staatshilfen. Die Uniper-Aktie rauscht in die Tiefe.

Als erster großer deutscher Versorger bittet der Energiekonzern Uniper den Staat um Hilfe. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte heute Gespräche mit Uniper über Maßnahmen zur Stabilisierung des Unternehmens. Hintergrund seien "die stark gestiegenen Gaspreise und die reduzierten Liefermengen aus Russland infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine", hieß es.

Laut Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach geht es in den Gesprächen mit der Regierung unter anderem um staatliche Kreditgarantien - aber auch um eine mögliche Staatsbeteiligung am Unternehmen. Es gebe "eine Reihe von Instrumenten", die zur Stützung des Konzerns infrage kämen, sagte der Manager.

"Staat könnte Hauptaktionär werden"

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte am Ende des Nato-Gipfel in Madrid, die Bundesregierung sei grundsätzlich bereit zur Stützung von Firmen, die wegen eines externen Schocks angeschlagen seien. "Das wird aber im Einzelfall zu prüfen sein", so der SPD-Politiker. Uniper-Konzernbetriebsratschef Harald Seegatz sprach sich für eine Teilverstaatlichung des Unternehmens aus. "Das wäre aus finanzieller Sicht das Beste und auch weil wir absolut systemrelevant sind", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Beteiligung sollte im zweistelligen Bereich sein. "Möglicherweise könnte der Staat auch Hauptaktionär werden."

Zuvor hatte Uniper seine aktuelle Prognose für das Konzerngeschäft zurückgezogen. Die Geschäftsentwicklung habe sich durch den Ukraine-Krieg und die stark reduzierten Gaslieferungen aus Russland spürbar verschlechtert. Die Aktie stürzte an der Frankfurter Börse ab. Eine neue Prognose traut sich der MDAX-Konzern derzeit nicht zu. "Uniper erhält seit 14. Juni lediglich 40 Prozent seiner vertraglich zugesicherten Gasmengen von Gazprom", sagte Finanzchefin Tiina Tuomela. Das Unternehmen muss daher teuer Ersatzmengen beschaffen.

Bereits Ende vorigen Jahres habe Uniper durch die gestiegenen Preise einen deutlich höheren Liquiditätsbedarf gehabt, erklärte Uniper-Chef Maubach. "Um diesem zu begegnen, hatten wir bereits unsere Kreditlinien erweitert und unter anderem eine Fazilität der staatlichen KfW in Höhe von zwei Milliarden Euro erhalten, die wir bis heute nicht in Anspruch genommen haben."

Größter deutscher Gazprom-Kunde

Uniper - eine Tochter des finnischen Fortum-Konzerns - ist der größte ausländische Kunde des russischen Gasriesen Gazprom. Die Düsseldorfer spielen auch mit ihren Gasspeichern eine wichtige Rolle bei der Absicherung der Versorgung Deutschlands im Winter und bei den Bemühungen der Bundesregierung, Deutschland unabhängig von russischen Gaslieferungen zu machen.

Uniper-Aktie bricht auf Fünf-Jahres-Tief ein

Anleger reagieren entsetzt auf die Mitteilung von Uniper. Die Uniper-Aktie brach zeitweise um über 22 Prozent ein und schloss mit einem Minus von 14 Prozent.

Der finnische Uniper-Haupteigner Fortum teilte mit, er sehe nun auch Deutschland in der Pflicht. Nötig sei eine "nationale und industrieweite Anstrengung", so der Konzern. Uniper habe einen von Fortum gewährten Kreditrahmen von acht Milliarden Euro bislang nur teilweise ausgenutzt, hieß es. "Als Mehrheitseigentümer von Uniper wollen wir als Fortum dafür sorgen, dass Uniper auch im Falle eines anhaltenden oder sich verschärfenden Gasmangels in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen."

Uniper gehört mit rund 11.500 Beschäftigten zu den größten Stromerzeugern in Deutschland. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" wird nun in der Bundesregierung an Lösungen gearbeitet, damit nicht weitere Unternehmen der Branche in eine Notlage geraten. Zur Diskussion stehe beispielsweise eine Umlage, mit der die enorm gestiegenen Kosten für Gasimporte auf die gesamte Energiewirtschaft umgelegt werden könnten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Juni 2022 um 10:00 Uhr.