Ein Arbeiter montiert das neue Firmenschild Galeria an die Fassade des Kaufhaus Galeria Kaufhof, Frankfurt/Main | picture alliance / Presse- und W

Schließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof "Klare Erwartungen an den Eigentümer"

Stand: 01.11.2022 08:23 Uhr

Die Gewerkschaft ver.di will um jeden Arbeitsplatz bei Galeria Karstadt Kaufhof kämpfen und formuliert Erwartungen an Eigentümer Benko. Deutschlands letzte große Warenhauskette will ein Drittel der 131 Filialen schließen.

Nach der Ankündigung zahlreicher Filialschließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof will die Gewerkschaft ver.di um die Arbeitsplätze bei Deutschlands letzter großer Warenhauskette kämpfen. "Für uns geht es jetzt darum, möglichst jeden Arbeitsplatz zu erhalten", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Der Handelsriese hatte angesichts der Konsumflaute und der Energiepreise Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht und angekündigt, mindestens ein Drittel seiner verbliebenen 131 Warenhäuser zu schließen. Dabei seien betriebsbedingte Kündigungen unvermeidbar.

Engagement von Galeria-Eigentümer Benko gefordert

Nutzenberger forderte ein größeres Engagement des Galeria-Eigentümers, des österreichischen Immobilienmilliardärs René Benko, zur Rettung des Unternehmens. "Unsere Kolleginnen und Kollegen in den 131 Warenhäusern fragen sich, wo der Eigentümer ist in dieser existenziell höchst bedrohlichen Situation für 17.400 Menschen und ihre Familien." Es müsse jetzt zusätzliches Geld ins Unternehmen. "Da gibt es klare Erwartungen an den Eigentümer."

Außerdem müsse die Konzernführung ein tragfähiges Zukunftskonzept präsentieren. "Die Beschäftigten haben viele konkrete Vorschläge für eine erfolgreiche Zukunft gemacht, die im Management wenig Gehör gefunden haben", so Nutzenberger. Ver.di habe die Unternehmensleitung aufgefordert, umgehend in Verhandlungen einzutreten.

Bereits zweites Schutzschirmverfahren

Bereits während des ersten Corona-Lockdowns im April 2020 musste der aus dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof entstandene Warenhauskonzern Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen. Damit verbunden waren harte Einschnitte: Die Schließung von rund 40 der damals 172 Filialen, der Abbau von etwa 4000 Stellen und die Streichung von mehr als zwei Milliarden Euro Schulden sollte dem Unternehmen einen Neustart ermöglichen.

Galeria hatte begonnen, die verbliebenen Filialen unter dem Motto "Galeria 2.0" umzubauen. Doch dieser Plan blieb angesichts der prekären Lage in den Anfängen stecken. Die Pandemie habe dazu geführt, dass grundsätzlich weniger Menschen in den Innenstädten unterwegs seien und weniger bei stationären Händlern einkauften, schrieb Geschäftsführer Miguel Müllenbach in einem Reuters vorliegenden Brief an die Belegschaft. "Und es ist bis heute keine wirkliche Trendwende erkennbar."

Anfang 2021 und Anfang 2022 musste der geschrumpfte Handelsriese angesichts der Pandemie um staatliche Unterstützung bitten. Insgesamt half der Wirtschaftsstabilisierungsfonds dem Konzern mit 680 Millionen Euro. Neuerliche Staatshilfen seien nicht sinnvoll, erklärte Müllenbach in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Unternehmen könne diese in absehbarer Zeit nicht zurückzahlen.