Gebäude der Galeria Kaufhauf in Frankfurt am Main | picture alliance / Zoonar

Galeria Karstadt Kaufhof Wieder Schutzschirmverfahren beantragt

Stand: 01.11.2022 03:53 Uhr

Galeria Karstadt Kaufhof sucht erneut Rettung in einem Schutzschirmverfahren - schon zum zweiten Mal in weniger als zwei Jahren. Mehr als 40 der 131 Kaufhäuser sollen geschlossen werden. Ver.di kündigte an, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen.

Der letzte große deutsche Warenhauskonzern in Deutschland, Galeria Karstadt Kaufhof, sucht erneut Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Das teilte ein Unternehmenssprecher in Essen mit.

Auf den Konzern kommen damit weitere Filialschließungen zu. Laut Galeria-Chef Miguel Müllenbach muss das Filialnetz mindestens um ein Drittel verkleinert werden, mehr als 40 Kaufhäusern drohe das Aus.

Betriebsbedingte Kündigungen seien damit unvermeidbar, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Warenhausriese betreibt mit 17.000 Mitarbeitern im Moment noch 131 Geschäfte in 97 deutschen Städten.

Verhandlungen mit Bund gescheitert

Zuvor waren nach FAZ-Informationen die Verhandlungen um einen weiteren Kredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung gescheitert. Es habe sich gezeigt, dass zusätzliche Fremdmittel mit ihren Zinsen den Warenhauskonzern finanziell zu sehr belasten würden, sagte Müllenbach dem Blatt. Sowohl die Gläubiger vom Bund als auch der Eigentümer, der österreichische Immobilienunternehmer René Benko unterstützten den Schritt.

Nun übernimmt ein gerichtlicher bestellter Sachverwalter die Aufsicht über die Rettung, während die Unternehmensführung die Kontrolle behält, aber von einem externen Sanierungsexperten beraten wird. Im Fall von Galeria soll nach Informationen der "Wirtschaftswoche" der Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus die vorläufige Sachwaltung übernehmen. Der Restrukturierer Arndt Geiwitz soll demnach die operative Sanierung leiten.

Ver.di: "Kämpfen um jeden Arbeitsplatz"

Die Gewerkschaft ver.di kündigte an, um jeden der Arbeitsplätze bei Deutschlands letzter großer Warenhauskette zu kämpfen. "Für uns geht es jetzt darum, möglichst jeden Arbeitsplatz zu erhalten", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montagabend.

Nutzenberger forderte ein größeres Engagement des Galeria-Eigentümers, des österreichischen Immobilienmilliardärs René Benko, zur Rettung des Unternehmens. "Unsere Kolleginnen und Kollegen in den 131 Warenhäusern fragen sich, wo der Eigentümer ist in dieser existenziell höchst bedrohlichen Situation für 17.400 Menschen und ihre Familien." Es müsse jetzt zusätzliches Geld ins Unternehmen. "Da gibt es klare Erwartungen an den Eigentümer." Außerdem müsse die Konzernführung ein tragfähiges Zukunftskonzept präsentieren. "Die Beschäftigten haben viele konkrete Vorschläge für eine erfolgreiche Zukunft gemacht, die im Management wenig Gehör gefunden haben", sagte Nutzenberger. Ver.di habe die Unternehmensleitung aufgefordert, umgehend in Verhandlungen einzutreten.

Bereits zweite Insolvenz

Es ist das zweite Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren, dass der aus dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof entstandene Warenhauskonzern Insolvenz anmelden muss. Bereits während des ersten Corona-Lockdowns im April 2020 hatte das Unternehmen Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Das Insolvenzverfahren dauerte damals bis Ende September. Damit verbunden waren harte Einschnitte: Rund 40 Filialen wurden geschlossen, rund 4000 Stellen abgebaut und mehr als zwei Milliarden Euro Schulden gestrichen. Das sollten dem Unternehmen einen Neustart ermöglichen.

Die Hoffnung, dass der Konzern danach von vielen Altlasten befreit erfolgreich durchstarten könnte, erfüllte sich allerdings nicht. Im Gegenteil: Anfang 2021 und Anfang 2022 musste der geschrumpfte Handelsriese angesichts der Pandemie um staatliche Unterstützung bitten. Insgesamt half der Wirtschaftsstabilisierungsfonds dem Konzern mit insgesamt 680 Millionen Euro.